Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.01.2014

13:06 Uhr

RWE-Konzernchef

„Wir haben wenig Zeit“

VonDana Heide

RWE-Chef Peter Terium und seine Aktionäre verlieren Geld, weil der Konzern unrentable Kraftwerke am Laufen halten muss. Er drängt den neuen Energieminister Sigmar Gabriel zu einer schnellen Lösung.

RWE-Chef Peter Terium am Dienstag bei der Handelsblatt Energietagung: „Schlecht wäre ein Wildwuchs an nationalen Einzellösungen“.

RWE-Chef Peter Terium am Dienstag bei der Handelsblatt Energietagung: „Schlecht wäre ein Wildwuchs an nationalen Einzellösungen“.

Berlin/DüsseldorfEs war ein düsteres Bild, das der RWE-Chef Peter Terium am Dienstag auf der Handelsblatt-Energietagung zeichnete. „Wir alle stecken in der schlimmsten Strukturkrise, seit es überhaupt Energieversorgung gibt“, sagte der Niederländer. Wie solle man da noch an den Umbau der Stromversorgung denken?

Die Energiewirtschaft erwarte von der Politik eine funktionierende, faire und gerechte Marktordnung. Und genau hier hake es zurzeit bei der Energiewende.

Terium nannte einige Beispiele, wo politische Entscheidungen Investitionen von RWE massiv beeinflusst haben, nicht nur in Deutschland. In Spanien etwa betreibt der Energiekonzern gemeinsam mit Stadtwerken und Industriepartnern Andasol 3, das größte europäische Solarkraftwerk. Doch die spanische Regierung plant aufgrund der desolaten Haushalts- und Wirtschaftslage des Landes Einschnitte bei der Sonnenstrom-Förderung – trotz bereits zugesagten Subventionen. Andere Länder haben ihre Förderung bei den Erneuerbaren ebenfalls zurückgefahren, etwa Tschechien, Italien und Polen.

Auch die Energiepolitik in England ärgert Terium. Dort hat der Versorger erst vor kurzem zwei neue Gaskraftwerke gebaut. Kurze Zeit später teilte die Regierung mit, dass sie nun wieder auf Atomkraft setzt. Neue Atomkraftwerke bekommen demnach eine risikolose Einspeisevergütung, ebenso wie erneuerbare Energien. Wieder hatte RWE auf das falsche Pferd gesetzt.

Das Energie-Konzept von Wirtschaftsminister Gabriel

Ausbaukorridore

Der Neubau von Wind-, Solar- oder Biomasseanlagen wird gesetzlich gesteuert. So sollen jährlich Windräder an Land mit maximal 2500 Megawatt Leistung gebaut werden. Gleiches gilt für Solaranlagen. Dies wäre für beide Erzeugungsarten weniger als 2013 installiert wurde. Zudem wird damit das bisherige Solar-Regierungsziel von 2500 bis 3500 Megawatt kassiert. Neue Biogasanlagen sollen nur noch mit maximal 100 Megawatt ans Netz gehen. Zum Vergleich: Ein mittleres Kohlekraftwerk hat etwa 500 Megawatt Leistung.

Förderhöhe

Die Fördersätze für Neuanlangen sollen – bis auf Solar – überall nochmals gekürzt werden. Bei Windenergie an guten Standorten, vor allem der Küste, soll der garantierte Abnahmepreis 10 bis 20 Prozent schrumpfen. Sollte der Ausbaukorridor überschritten werden, greifen zusätzliche Kürzungen. Die Vergütung für Strom aus Windanlagen auf hoher See sinkt 2018 und 2019 um jeweils ein Cent pro Kilowattstunde, was prozentual einem Minus ähnlich wie an Land entsprechen dürfte. Für Biogas-Anlagen werden Boni bei der Strom-Vergütung gestrichen und die Grundvergütung sinkt in den kommenden Jahren schneller.

Derzeit wird Ökostrom im Schnitt für 17 Cent pro Kilowattstunde den Produzenten abgekauft. Bei den ab 2015 gebauten Anlagen sollen es nur noch gut 12 Cent sein.

Ökostrom-Vermarktung

Das bisherigen System der auf 20 Jahre garantierten Abnahme- und Preisgarantie soll zügig fallen. Bereits Anlagen ab 500 Kilowatt Leistung müssen ihren Strom dann selber vermarkten, erhalten über eine Prämie zunächst aber einen Ausgleich bis zur festgelegten Garantie. Bis 2017 sinkt die Pflicht zur Direktvermarktung bis auf 100 Kilowatt, also praktisch für alle bis auf kleinere Solaranlagen auf Hausdächern.

Vor allem soll ab 2017 die Prämie als Aufschlag auf den Marktpreis per Ausschreibung für Investoren vorab festgelegt werden. Wer die geringste Prämie verlangt, bekommt den Zuschlag. Der Investor trägt dann zudem das Risiko sinkender Börsenstrompreise.

Eigenverbrauch und Industrie-Privilegien

Strom aus eigenen Kraftwerken, auf den derzeit keine Umlage zur Ökostrom-Förderung fällig wird, soll künftig mit einem Mindestsatz belegt werden. Die Frage der Rabatte auf die Umlage für große Teile der Industrie, gegen die auch die EU-Kommission vorgeht, bleibt im Eckpunktepapier offen. Hier wird zunächst eine Verständigung mit der EU erwartet.

Zeitplan

Die Eckpunkte sollen mit zusätzlichen Details als Gesetzentwurf am 9. April im Kabinett beschlossen werden. Bis 27. Juni soll der Bundestag zustimmen, der Bundesrat soll das Gesetz am 11. Juli passieren lassen. In Kraft treten könnte es so ab August.

Um einen massiven Ausbau zu den alten Konditionen in den kommenden Monaten zu verhindern, ist der kommende Mittwoch als Stichtag zumindest für die Windenergie vorgesehen. Nur Windräder, die bis dahin schon genehmigt sind und noch 2014 in Betrieb gehen, bekommen die alten Konditionen.

Weltweit wächst der Anteil der erneuerbaren Energien – und damit auch die Schwankungsanfälligkeit bei der Stromversorgung. Konventionelle Kraftwerke bleiben daher wichtig, um eine lückenlose Stromproduktion zu gewährleisten. Doch ihr Betrieb lohnt sich aufgrund der stark gefallenen Börsenstrompreise immer weniger, die Energieversorger wollen daher immer mehr Kraftwerke abschalten.

„Stilllegungen sind in erheblichem Umfang auf dem Weg“, sagte RWE-Chef Terium laut Redemanuskript. Dieses Problem beschäftige nicht nur die Regierung in Deutschland, sondern auch die in anderen Ländern. Terium gab Deutschland jedoch die Schuld an dieser Misere. „Warum verdienen diese Kraftwerke nicht mehr genug Geld?“ fragte er und lieferte auch gleich die Antwort: Weil der europäische Energiemarkt mit subventioniertem Strom überflutet werde.

Terium warnte die einzelnen Länder davor, die jetzt geplanten Maßnahmen zur Vorhaltung von Stromerzeugungskapazitäten nicht untereinander abzustimmen. „Wir haben wenig Zeit. Wir müssen jetzt anfangen, damit wir am Ende der Dekade neue Kraftwerke haben.“

Kommentare (23)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

21.01.2014, 13:20 Uhr

Zitat : „Deutschland ist keine Insel, elektrisch sowieso nicht“

- Deutschland ist eine Insel in Köpfen der regierenden DILETTANTEN !

HofmannM

21.01.2014, 13:42 Uhr

Hr. Terium ist selber daran Schuld, wenn er sein Geschäftsmodell (Energiegewinnung) nach staatlichen Subventionen ausrichtet. Staatliche Subventionen sind nicht von Dauer und richten sich IMMER gegen den Markt!
Der Markt hat aber IMMER das LETZTE Wort! Das sollte ein Manäger (Betriebswirt) schon wissen MÜSSEN! Für RWE birngt diese Energiewendeausrichtung nur eines mit sich....die Insolvenz!

laufrad

21.01.2014, 13:56 Uhr

@hofmannm Insolvenz von einem Energiegiganten der immer noch zu 27 % der Öffentlichen Hand gehört?? daran glaube ich nicht. die Öffentliche Hand ( politische Strippenzieher ) bremsen die Erneuerbaren mit Gesetzen aus. Die automatische Gelddruckmacshine läßt sich die ÖH nicht so einfach nehmen... das sieht man schon an der Rekortstrommenge von Braunkohle die RWE betreibt...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×