Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.06.2012

11:27 Uhr

Sabbatical

Wenn die Auszeit die Karriere beflügelt

VonCarola Sonnet, Claudia Obmann

Der Sabbatical wird für Arbeitnehmer zunehmend attraktiver. Galt die Auszeit vom Job früher häufig als Karrierekiller, kann sie heute sogar dem persönlichen Aufstieg einen Schub geben.

Der Sabbatical bietet einem die Freiräume, neue Kraft zu tanken und gleichzeitig seinen Horizont zu erweitern. dpa-tmn

Der Sabbatical bietet einem die Freiräume, neue Kraft zu tanken und gleichzeitig seinen Horizont zu erweitern.

BonnBlasen drückten in den Schuhen, die Bandscheiben schmerzten - als Susanne Schildknecht den Jakobsweg lief, ging sie an ihre körperlichen Grenzen. Und lernte: „Je mehr man den Körper fordert, desto mehr kann er leisten.“ Die Managerin der Deutschen Post hat ihre Schmerzen überwunden und jeden Tag mehr Kraft gewonnen.

Die konnte sie nach ihrem dreimonatigen Sabbatical gut gebrauchen: Noch während sie weg war, strukturierte DHL Supply Chain um. In diesem Unternehmensbereich, der für große Unternehmen die Lieferketten organisiert, hatte die 48-Jährige vor ihrer Abreise ein wichtiges Projekt erfolgreich abgeschlossen. In ihrer Auszeit klingelte das Telefon, es war ihr Chef. „Er fragte, ob ich nach meinem Sabbatical eine Führungsposition übernehmen möchte“, erzählt die Betriebswirtin. Sie wollte und übernahm ein neues Team mit 52 Mitarbeitern.

Büro-Alltag: Warum uns die Arbeit krank macht

Büro-Alltag

Warum uns die Arbeit krank macht

Burnout, Mobbing oder entnervende Langeweile: Die Arbeit macht immer mehr Deutsche krank. Was davon liegt am System und wie können wir uns selbst helfen? Eine Spurensuche - und ein Ratgeber.

Sich den Lebenstraum erfüllen, eine Weltreise machen, Zeit mit den Kindern verbringen, ein Haus bauen oder auch einen Burnout verhindern - Motivationen für ein Sabbatical gibt es so viele, wie Leute, die es nehmen. Eines ist jedoch klar: Wer die Arbeit für ein paar Monate hinter sich lässt, kehrt gestärkt zurück. Und kann neuerdings danach sogar Karriere machen.

Früher war der berufliche Aufstieg oft beendet, wenn man nicht täglich im Büro saß, nicht an allen Meetings teilnahm und nicht an allen Entscheidungen beteiligt war. „Früher war die Frage: Ist ein Sabbatical das Tor zum Reich der persönlichen Freiheit? Heute heißt es: Kann ein Sabbatical ein Karriereturbo sein?“, sagt Beraterin Barbara Siemers. Sie hat ihre Doktorarbeit über die befristeten Auszeiten geschrieben. Viele Arbeitgeber haben inzwischen erkannt, dass sie von einer Auszeit ihrer besten Kräfte profitieren. Eine Studie der Beratung Bain & Company nennt sie die „Unterbrecher“ und charakterisiert diese Arbeitnehmer als „selbstsicher und reif“.

So wie Louise Öfverström. Die 36-Jährige ist Chief Financial Officer (CFO) der MAN Finance und nutzte ihr Sabbat-Jahr, um in München das Möbel- und Designgeschäft „Lagom White“ zu eröffnen. Um solche Großprojekte realisieren zu können, braucht man viel Mut und einen Arbeitgeber, der flexibel genug ist.

So finden Sie den Spaß im Job wieder!

Tipps vom Ex-Banker

"Keinen Bock mehr?" lautet der Titel des Buches von Klaus Schuster. Der ehemalige Vorstand einer internationalen Bankengruppe gibt Tipps, wie Sie wieder mehr Spaß bei der Arbeit haben. Das Buch ist gerade im Redline Verlag erschienen.

Bullshit-Jobs bekämpfen!

Sie müssen die gleiche Tätigkeit immer wieder erfüllen - ohne, dass sich ein Sinn ergibt: Sprechen Sie mit Ihrem Chef. Ist es zum Beispiel ein Statusbericht, greifen Sie auf den alten zurück und aktualisieren Sie lediglich die Daten. Wenn der Chef dahinterkommt, ist ein Gespräch immer noch möglich. Es ist die Entscheidung zwischen Kadavergehorsam und Emotional Leadership.

Seien Sie nicht die Spaß-Bremse!

Ein langer Konflikt im Vorstand eines Unternehmens. Alle Beteiligten schreiben einen Brandbrief, der zur Klärung auffordert und mit Streik droht. Beteiligen Sie sich daran.

Entscheidungsprozesse optimieren!

Wenn Arbeit keine Freude bereitet, dann liegt das oft daran, dass eine Entscheidung verschleppt wurde. Treffen Sie diese! Wenn Sie nicht zuständig sind, bringen Sie einen übergeordneten Entscheidungsträger auf Trab. Opfer haben wenig Spaß, Spaß haben die Gestalter.

Lassen Sie aus dem Spaß keine Sucht werden!

Kennen Sie den Unterschied? In vielen Führungsjobs gibt es die Gefahr, dass man es mit dem Spaß übertreibt, einfach zu viel davon haben will. Es gibt Gründe, wieso einige Manager zerrüttete Familien haben, Ehefrauen sich scheiden lassen, die Gesundheit leidet und die Kinder verhaltensauffällig sind. Wieso? Weil man sich selbst verarscht. Spaß muss gemanagt werden - bevor man eine Überdosis davon schnupft. Sonst nutzt er nicht.

Erfolg ist keine Sünde, man schämt sich nicht dafür!

Es eröffnet sich für Sie eine Chance, eine potentielle Erfolgsgelegenheit - hadern Sie nicht lange: Treffen Sie die Entscheidung. Sonst zieht sie an Ihnen vorbei. Es gilt: Du bist Manager! Du willst Erfolg! Und für Erfolg schämt man sicht nicht! Diese Imperative sollte man konsequent im Alltag beherzigen und verfolgen. Das ist Emotional Leadership.

Je mehr Offenheit, desto mehr Vertrauen!

Wenn man Ihnen mit beruflichem Misstrauen begegnet, versuchen Sie die Gründe zu finden und reagieren Sie darauf. Sprechen Sie die Person darauf an. Vielleicht können Sie den Spieß sonst umdrehen. Seien Sie in jedem Fall so offen wie möglich - das schafft Vertrauen!

Menschen haben keine Freude an Produkten, sondern an Problemlösungen!

Niemand braucht einen Hammer. Aber viele einen Nagel in der Wand. So weit der Leitspruch. Das sollte man auch im Geschäftsalltag beherzigen. Wenn es um den Verkauf geht zum Beispiel. Eine Schuhverkäuferin sollte es nicht darum gehen, um jeden Preis ein Paar zu verkaufen. Sondern als Emotional Leader auch dem Kunden ein gutes Gefühl mitgeben. Dann kommt er wieder.

Lernen Sie Ihre Präferenzen besser kennen!

Je besser Sie sich selbst kennen, desto mehr Spaß haben Sie an Leben und Arbeit. Es gibt verschiedene Typen: Exra- und Introvertierte, Kopf- und Bauchmenschen, Praktiker und Visionäre, Ordnungsliebende und Spontane. Wenn Sie wissen, welcher Typ Sie selbst sind, können Sie Ihre eigenen Entscheidungen besser einschätzen und wissen, wie Sie damit umgehen sollten.

Bleiben Sie Ihrer Erfolgsdefinition treu!

Es geht um Mohrrüben: Chefetagen halten sie Managern gerne vor die Nase. Sie wollen den Mitarbeitern Anreize geben. Das führt oft dazu, dass man sich zu Falschem verleiten lässt und über das Ziel hinaus schießt. Vermeiden Sie Pyrrhus-Siege, lassen Sie sich nicht aufs Kreuz legen - bleiben Sie Ihrer Erfolgsdefinition treu.

Spaß macht Erfolg!

Sich die Zähne putzen - ob man dabei Spaß hat oder nicht, das Ergebnis ist das gleiche. Anders ist es im Job. Den großen Durchbruch, Quantensprünge im Job dagegen, das ist viel leichter, wenn wir Freude an unserer Arbeit haben.

Freude ist ein Tool. Setzen Sie es verantwortungsvoll ein!

Natürlich ist Freude eine Emotion, aber auch ein Tool. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie zu viel Spaß abgekommen, verhalten Sie sich wie ein Emotional Leader: Ziehen Sie sich selbst aus dem Verkehr und gehen Sie zum Beispiel für drei Tage in eine Therme. Sie sollten die Kontrolle über Ihren eigenen Spaß behalten.

Vertrauen ist Supermotivation!

Schenken Sie Ihren Mitarbeitern Vertrauen: Nicht den Dumpfbacken und Lemmingen, wohl aber den selbstständig denkenden und engagierten Kollegen. Setzen Sie mehr kontrolliertes Vertrauen in Ihre Leistungsträger. Als Lohn bekommen Sie Motivation, Engagement, Respekt, Loyalität und Leistung.

Auch als Kopfmensch können Sie Ihr Baugefühl aktivieren!

Zwei junge Leute kommen zu Reinhard, er ist im Vorstand einer Volksbank tätig. Als Bauchmensch will er ihnen eine Freude machen. Damit hilft er dem jungen Paar. Die sind so dankbar, dass sie bald darauf zu ihm kommen und ihr ganzes Geld mitbringen: Sie vertrauen ihm. Er soll alles anlegen. Die größte Freude ist das Vertrauen des Kundens. Es ist mehr wert als Preis, Qualität und Leistung. Deshalb versuchen Sie auch als Kopfmensch Ihr Baugefühl zu aktivieren.

Es zählen nicht nur Zahlen, Umsatz und Preis!

Notieren Sie die Liste mit fünf Kundennamen. Was fällt Ihnen, wenn Sie die Namen durchgehen, bei den Einzelnen auf Anhieb ein. Dem Emotional Leader fällt sofort ein, was dem jeweiligen Geschäftspartner am meisten Spaß im Leben oder im Business bringt. Das ist das Sesam-öffne-dich jeder Verhandlung.

Zwar bieten bisher nur 13 Prozent der Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern Langzeitarbeitskonten an, auf denen Arbeitszeit angespart und dann am Stück abgebaut werden kann - die optimale Variante für ein Sabbatical. Aber es werden mehr. Das Flexi-II-Gesetz hat die Rahmenbedingungen für Wertguthaben von Arbeitsstunden verbessert. Rund 40.000 Unternehmen insgesamt bieten die Wertguthaben inzwischen an. Viele Arbeitnehmer profitieren davon - rund 40 Prozent nutzen ihre angehäuften Überstunden für Sabbaticals.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×