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18.06.2014

11:09 Uhr

Sal.-Oppenheim-Prozess

Ex-Arcandor-Chef Eick verweigert die Aussage

Der frühere Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick tut es seinem Vorgänger Thomas Middelhoff gleich und verweigert die Aussage im Sal.-Oppenheim-Prozess. Der Grund: Gegen die Ex-Vorstände von Arcandor wird ermittelt.

Der ehemalige Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick vor dem Kölner Landgericht am Mittwoch. dpa

Der ehemalige Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick vor dem Kölner Landgericht am Mittwoch.

KölnDer frühere Chef des Arcandor-Konzerns, Karl-Gerhard Eick (60), hat im Sal. Oppenheim-Prozess die Aussage verweigert. „Mein Mandant macht von seinem Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch“, sagte sein Anwalt am Mittwoch vor dem Landgericht Köln. Er begründete dies damit, dass gegen frühere Vorstände des Arcandor-Konzerns wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung ermittelt werde. Das Gericht erkannte dies an.

In dem Prozess müssen sich die vier früheren Chefs von Sal. Oppenheim und ihr einstiger Geschäftspartner Josef Esch verantworten. Ihnen wird teils Untreue in besonders schwerem Fall, teils Beihilfe dazu zur Last gelegt. Alle fünf Angeklagten beteuern ihre Unschuld.

Sal. Oppenheim: Aufstieg und Niedergang

1789

Der 17-jährige Salomon Oppenheim gründet in Bonn ein Kommissions- und Wechselhaus.

1798

Oppenheim verlegt den Sitz des Unternehmens nach Köln.

1904

Die erste Krise: Nach Fehlinvestitionen in der Elektroindustrie wird die Bank in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Die Disconto-Gesellschaft, damals die zweitgrößte deutsche Bank, steigt bei Oppenheim ein.

1929

Die Gründungsgesellschafter sind wieder Alleineigentümer.

1938

Die Bankiers müssen auf Druck der Nationalsozialisten das Institut umfirmieren in Pferdemenges & Co. Robert Pferdemenges war seit 1931 Teilhaber und entpuppte sich als Retter in der Not.

1947

Das Bankhaus erhält seinen ursprünglichen Namen zurück.

1964

Der Ururenkel des Gründers, Alfred Baron von Oppenheim, wird persönlich haftender Gesellschafter. Er baut die Vermögensverwaltung als zweite Säule neben dem Firmenkundengeschäft aus.

1993

Die Oppenheim-Esch-Holding wird gegründet.

1999

Der Bereich Firmenkredite wird zum Großteil aufgegeben.

2005

Sal. Oppenheim steigt mit der Übernahme der BHF-Bank zur größten unabhängigen Privatbank Europas auf.

2008

Sal. Oppenheim wird durch Kredite an die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz Großaktionär bei Arcandor. Die Pleite von Arcandor reißt Oppenheim in die Krise. Zudem fallen im Investment-Banking Verluste an.

2009

Matthias Graf von Krockow und Carl Janssen schließen den Einstieg eines externen Investors aus. Doch dann wird das Institut an die Deutsche Bank verkauft. Der Deal ist 2010 besiegelt. Die Tradition von 220 Jahren als eigenständiges Geldhaus sind vorbei.

Der Niedergang von Sal. Oppenheim war eng verknüpft mit der Insolvenz des Arcandor-Konzerns, zu dem auch die Karstadt-Warenhäuser gehörten. Vor der Arcandor-Insolvenz im Sommer 2009 war Sal. Oppenheim größter Aktionär des Konzerns geworden. Dadurch geriet das Bankhaus mit in den Abwärtsstrudel. Ein Jahr später wurde die Privatbank in stark verkleinerter Form von der Deutschen Bank übernommen.

Eick war im Insolvenz-Jahr 2009 sechs Monate lang Vorstandsvorsitzender von Arcandor. Sein Vorgänger Thomas Middelhoff hatte eine Zeugenaussage im Sal. Oppenheim-Prozess ebenfalls mit der Begründung verweigert, dass gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung laufe. Dieses Verfahren und die zu erwartenden Fragen im Sal. Oppenheim-Prozess bezögen sich auf denselben Zeitraum, hatte Middelhoffs Anwalt gesagt. Mit einer Beantwortung hätte Middelhoff möglicherweise seine eigenen Interessen gefährdet.

Von

dpa

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