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16.10.2014

15:59 Uhr

Sal.-Oppenheim-Prozess

Middelhoff hatte Aussicht auf 100 Millionen Euro

Bei einer erfolgreichen Zerschlagung des Karstadt-Quelle-Konzerns hätte es Millionen geregnet: Im Prozess gegen ehemalige Sal.-Oppenheim-Banker legt Thomas Middelhoff neue Unterlagen vor. Mit einer überraschenden Zahl.

Ex-Arcandor-Chef

Der tiefe Fall des Thomas Middelhoff

Ex-Arcandor-Chef: Der tiefe Fall des Thomas Middelhoff

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KölnDer frühere Chef des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor, Thomas Middelhoff, hat erneut die Verantwortung für die spektakuläre Pleite des Handelsriesen von sich gewiesen. Bis zu seinem Ausscheiden habe er an einer Fusion der Arcandor-Tochter Karstadt mit dem Konkurrenten Kaufhof gearbeitet, berichtete Middelhoff am Mittwoch im Kölner Landgericht. „Das war mehr als eine Möglichkeit“.

Auch für die anderen Konzernsparten hatte Middelhoff nach seinen Worten bei seinem Ausscheiden vielversprechende Zukunftspläne entwickelt. „Das Arcandor voll sanierbar war und große unternehmerische Chancen bot, war für mich klar.“

Die angeschlagene Versandhaustochter Primondo (Quelle) hätte demnach mit dem französischen Wettbewerber Redcat verschmolzen werden sollen. Und der Reiseveranstalter Thomas Cook hätte verkauft oder behalten werden können. Doch seien die Pläne nach seinem Ausscheiden nicht mehr wirklich weiterverfolgt worden.

Sal. Oppenheim: Aufstieg und Niedergang

1789

Der 17-jährige Salomon Oppenheim gründet in Bonn ein Kommissions- und Wechselhaus.

1798

Oppenheim verlegt den Sitz des Unternehmens nach Köln.

1904

Die erste Krise: Nach Fehlinvestitionen in der Elektroindustrie wird die Bank in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Die Disconto-Gesellschaft, damals die zweitgrößte deutsche Bank, steigt bei Oppenheim ein.

1929

Die Gründungsgesellschafter sind wieder Alleineigentümer.

1938

Die Bankiers müssen auf Druck der Nationalsozialisten das Institut umfirmieren in Pferdemenges & Co. Robert Pferdemenges war seit 1931 Teilhaber und entpuppte sich als Retter in der Not.

1947

Das Bankhaus erhält seinen ursprünglichen Namen zurück.

1964

Der Ururenkel des Gründers, Alfred Baron von Oppenheim, wird persönlich haftender Gesellschafter. Er baut die Vermögensverwaltung als zweite Säule neben dem Firmenkundengeschäft aus.

1993

Die Oppenheim-Esch-Holding wird gegründet.

1999

Der Bereich Firmenkredite wird zum Großteil aufgegeben.

2005

Sal. Oppenheim steigt mit der Übernahme der BHF-Bank zur größten unabhängigen Privatbank Europas auf.

2008

Sal. Oppenheim wird durch Kredite an die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz Großaktionär bei Arcandor. Die Pleite von Arcandor reißt Oppenheim in die Krise. Zudem fallen im Investment-Banking Verluste an.

2009

Matthias Graf von Krockow und Carl Janssen schließen den Einstieg eines externen Investors aus. Doch dann wird das Institut an die Deutsche Bank verkauft. Der Deal ist 2010 besiegelt. Die Tradition von 220 Jahren als eigenständiges Geldhaus sind vorbei.

Middelhoff berichtete außerdem über frühe Pläne zur Zerschlagung des später in Arcandor umbenannten KarstadtQuelle-Konzerns. Schon Anfang 2005 hätten die Großaktionärin Madeleine Schickedanz, der Immobilienunternehmer Josef Esch, Vertreter der Bank Sal. Oppenheim und er Pläne geschmiedet, das Unternehmen von Börse zu nehmen und in seine Einzelteile zu zerlegen. Denn nach einer Untersuchung von Goldmann Sachs hätte der Wert der Teilbereiche bei einem Verkauf erheblich über dem Börsenwert des Unternehmens gelegen.

Die Pläne seien jedoch gescheitert, weil es wegen der hohen Verschuldung von KarstadtQuelle und der Probleme im Versandhandel nicht gelungen sei, einen Finanzinvestor zu finden. Middelhoff hätte nach den im Gericht präsentierten Unterlagen im Erfolgsfall Aussicht auf eine Prämie von 100 Millionen Euro gehabt.

In dem Kölner Strafverfahren sind das einstige Führungsquartett der Sal. Oppenheim-Bank sowie der Immobilienunternehmer Josef Esch teils wegen Untreue im besonders schweren Fall, teils wegen Beihilfe dazu angeklagt. Sie bestreiten die Vorwürfe. Das Schicksal der früher größten europäischen Privatbank und des Konzerns Arcandor waren eng miteinander verbunden.

Vor der Arcandor-Insolvenz im Sommer 2009 war Sal. Oppenheim größter Aktionär des Konzerns und geriet dadurch mit in den Abwärtsstrudel. Die Deutsche Bank übernahm Sal. Oppenheim Anfang 2010 in stark verkleinerter Form.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Frau Wil Fried

16.10.2014, 16:11 Uhr

Es deutet Vieles darauf hin, dass ihm seine eigene Tasche näher lag, als das Wohlergehen der Firma Arcandor...
Ich bin überzeugt davon, dass man bei Bertelsmann die Gefahr erkannte, die von diesem Mann ausging

Frau Ute Umlauf

16.10.2014, 17:54 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Carl-Valentin Schmitt

16.10.2014, 18:05 Uhr

Es gibt viel dummes Gerede deswegen - auch gerade weil angeblich ein Mitglied der Familie Oppenheim noch lebte - irgendwo mit Nähe zu Frankfurt oder mit Nähe zu Mainz - aber Fakt war damals, daß vorher jemand von der Familie Oppenheim verstorben war und dieses "neu-alte" Mitglied verblüffende Ähnlichkeit hatte (auf dem Foto in einer Frankfurter Zeitung) mit jemandem, der bekannt dafür ist, sehr viel Erbschaftsforschung zu forcieren und alle möglichen Familien damit gegeneinander auszuspielen - dieses "neu-alte" Mitglied der Familie Oppenheim sah zudem auch - vom Gesicht her - genauso aus wie die "top-zuverlässige" Person im Film "Agenten sterben einsam", wo diese "top-zuverlässige" Person vor dem Filmende freiwillig aus dem Flugzeug "springt" ... ohne Fallschirm - nun Fakt war damals wegen der Erbschaft von der Familie Oppenheim, daß zuvor der Sohn Felix entführt war, und irgendwie "beseitigt" wurde von einem Jura-Studenten und so ist diese ganze Angelegenheit doch pervers und zuwider, weil nur noch aal-glatte Typen - braungebrannt - immer wieder - zuvor festgelegte KandidatInnen - rausschmeißen - so gesehen, gibt es keine Verantwortung mehr dafür noch deren Schuldenmacherei finanziell zu tragen - nur weil es top und "post-moderne" Finanz-Experten und "hervorragende" Finanz-Manager sein müssen - - soviel Geld monatlich auf den Kopf hauen - da ist die Sparpolitik von einfachen Behinderten Menschen eher ein Vorbild, als derart 'zugedröhnt' sich vor der Presse zu posten !?

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