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13.01.2014

14:38 Uhr

Salewa in Südtirol

Die Deutsch-Italiener

VonKatharina Kort

Die Outdoor-Marke Salewa hat ihren Hauptsitz schon 1990 ins italienische Südtirol verlegt. Den Berg-Spezialisten kommt dort nicht nur die Zweisprachigkeit, sondern auch die Nähe zu den Alpen gelegen.

Salewa-Chef Massimo Baratto: „In Südtirol brauchen Sie mehrere Meetings, um zu verstehen, ob etwas geht oder nicht.“ Giovanni di Melillo für Handelsblatt

Salewa-Chef Massimo Baratto: „In Südtirol brauchen Sie mehrere Meetings, um zu verstehen, ob etwas geht oder nicht.“

MilanoDeutsche Technologie und italienisches Design. So fasst der Vorstandsvorsitzende von Salewa, Massimo Baratto die Vorteile des Outdoor-Spezialisten mit den zwei Seelen zusammen. „Wir sind halb deutsch, halb italienisch und wollen die Stärken beider vereinen“, sagt der Manager des Familienunternehmens.

Gegründet wurde das Unternehmen 1935 einst in München als Bergsportspezialist, der sich später zum Outdoor-Ausrüster mit Schlafsäcken, Rucksäcken und Zelten entwickelt. In den 80er Jahren gibt Salewa der Südtiroler Oberalp-Gruppe der Familie Oberrauch die Lizenz, um Bekleidung unter der Marke Salewa zu verkaufen.

Als es dann 1990 bei dem deutschen Unternehmen finanzielle Probleme gab, übernahmen die Südtiroler die Marke und verlegten den Firmensitz komplett nach Italien. Genauer gesagt nach Südtirol, nach Bozen, wo die Menschen besser deutsch als italienisch sprechen. Nur die Ausrüstungsparte - Bindungen, Zelte, Rucksäcke - ist in Deutschland geblieben.

Auf ins Ausland: Fakten zur Expansion

800.000

800.000 von 3,55 Millionen Mittelständlern sind auf internationalen Märkten aktiv. Unter Unternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten exportieren 21 Prozent ihre Waren ins Ausland. Bei größeren Betrieben liegt die Quote mit 23 Prozent nicht nennenswert höher.

(Quelle: ZEW, KfW Bankengruppe)

85 Prozent

85 Prozent aller Auslandsinvestitionen von kleinen Unternehmen werden aus Eigenmitteln bestritten – nur 14 Prozent erhalten dafür einen Bankkredit. Insgesamt hat jedes dritte Unternehmen Geldprobleme, wenn es seine internationalen Aktivitäten ausweiten will.

70 Prozent

70 Prozent aller Auslandsinvestitionen haben das Ziel, neue Kunden zu gewinnen. Hinter 16 Prozent der Expansionsvorhaben steht indes die Absicht, auswärts billigere Arbeitskräfte zu finden.

231.000

231.000 Euro Umsatz erzielen deutsche High-Tech-Unternehmen, die auf Auslands märkten aktiv sind, durchschnittlich im ersten Geschäftsjahr – fast doppelt so viel wie Unternehmen, die nur den Heimatmarkt bedienen. Wer international erfolgreich ist, wächst außerdem schneller.

„Steuerlich haben wir hier gegenüber Deutschland eher Nachteile“, gibt Baratto zu und rechnet vor, dass sie in Italien rund fünf Prozent mehr Steuern und außerdem höhere Sozialabgaben zahlen müssen. „Aber wir profitieren von der doppelten Kultur hier und davon, dass wir im Herzen der Alpen liegen“.

In Bozen, in dem neuen, futuristischen Gebäude, das erst vor wenigen Jahren eingeweiht wurde, arbeiten und leben die Mitarbeiter heute die M&M-Philosophie des Unternehmens. Die hat aber weniger mit den gleichnamigen Schoko-Leckerein zu tun, als mit Sport und Arbeit.

Bei Salewa stehen die Buchstaben für Mountain & Management. „Um bei uns erfolgreich zu sein, braucht man beides: die Leidenschaft für die Berge, aber auch Managementfähigkeiten“, sagt Baratto. Die Leidenschaft für die Berge fördert das Unternehmen auch in der Praxis: Jeden Donnerstag Abend etwa organisiert Salewa für die Mitarbeiter eine Ski-Tour mit Taschenlampen. Außerdem bietet der Outdoor Spezialist seinen Angestellten im Winter Ski- und im Sommer Kletterkurse an.

Baratto sieht einen weiterer Vorteil an dem italienischen Sitz: das Gespür für italienisches Design. Die Schnitte, Passformen, Farben sind einfach anders in Italien. So erklärt er auch, dass Salewa in Italien Marktführer ist und sich deutsche Marken wie Schöffel bisher südlich der Alpenregionen nicht wirklich durchsetzen können. „Viele Marken, die in Deutschland funktionieren, funktionieren vielleicht in Südtirol, aber schon in Verona nicht mehr“, sagt der Vorstandsvorsitzende.

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