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06.09.2016

13:29 Uhr

Sammelklagen in Europa

Die Klageindustrie wittert ihre große Chance

VonVolker Votsmeier

Der Abgasskandal von Volkswagen wird ein Testlauf für die Etablierung von Sammelklagen. Unternehmen könnte es so hart wie in den USA treffen. Viele Kanzleien sehen ein neues Geschäftsmodell – und rüsten auf.

Eine EU-Initiative könnte für den Durchbruch von Sammelklagen für Verbraucher und geschädigte Unternehmen sorgen. Imago

Neue Rechtsinstrumente

Eine EU-Initiative könnte für den Durchbruch von Sammelklagen für Verbraucher und geschädigte Unternehmen sorgen.

DüsseldorfVolkswagen-Besitzer in Europa begehren auf: Zig Tausende haben sich nach dem Betrug mit Dieselmotoren bereits zusammengeschlossen, um Schadensersatzansprüche geltend zu machen. Doch anders als in Amerika ist ihre Ausgangslage schwierig. In den Vereinigten Staaten haben Sammelklagen – die so genannten Class Actions – eine lange Tradition.

Dort ist es an der Tagesordnung, dass sich geschädigte Verbraucher zusammenschließen, um von Konzernen Schadensersatz einzufordern. Pharmakonzerne wie Bayer oder Lebensmittelhersteller wie Ferrero können davon ein Lied singen. Auch Auto- und Tabakkonzerne sind immer wieder Ziel von Class Actions.

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In Irland soll VW gezwungen werden offenzulegen, wie genau Dieselmotoren manipuliert wurden. Gelingt das, drohen Europas Industrie mehr und deutlich teurere Schadensersatzklagen. Die Branche blickt daher nach Castlebar.

Die Massenklage gegen VW war dabei ein Höhepunkt, der 15-Milliarden-Dollar-Vergleich markierte einen Rekord. In Deutschland dagegen sieht es zumindest für die Autobesitzer auf den ersten Blick nicht gut aus. VW blockt Ansprüche ab und zwingt die Kunden, gegen den Hersteller und die Händler einzeln vor das Gericht zu ziehen. Ein mühsamer Weg, wie die zahlreichen Klagen vor Regionalgerichten in ganz Deutschland zeigen.

Die US-Kanzlei Hausfeld versucht auch in Deutschland neue Instrumente zu etablieren. In Amerika sind die Juristen um Star-Anwalt Michael Hausfeld eine in der Industrie gefürchtete Prozesskanzlei. Jetzt greift sie auch in Deutschland an. Mit dem früheren Kartellrechtler der Deutschen Bahn, Christopher Rother, hat sie dafür ein echtes Schwergewicht verpflichtet.

Die größten Wirtschaftskanzleien Deutschlands

Platz 10

Taylor Wessing

Umsatz 2014/15: 121,5 Millionen Euro (+ 2,0 Prozent)

Quelle: Juve Rechtsmarkt, Ausgabe 10/15

Platz 9

Allen & Overy

Umsatz 2014/15: 135,2 Millionen Euro (+9,0 Prozent)

Platz 8

Hogan Lovells

Umsatz 2014/15: 141,0 Millionen Euro (-7,1 Prozent)

Platz 7

Gleiss Lutz

Umsatz 2014/15: 172,0 Millionen Euro (+3,6 Prozent)

Platz 6

Noerr

Umsatz 2014/15: 177,9 Millionen Euro (+9,0 Prozent)

Platz 5

Linklaters

Umsatz 2014/15: 184,6 Millionen Euro (+3,7 Prozent)

Platz 4

Clifford Chance

Umsatz 2014/15: 188,0 Millionen Euro (-4,1 Prozent)

Platz 3

Hengeler Müller

Umsatz 2014/15: 205,1 Millionen Euro (-3,3 Prozent)

Platz 2

CMS Hasch Sigle

Umsatz 2014/15: 265,0 Millionen Euro (+5,6 Prozent)

Platz 1

Freshfields Bruckhaus Deringer

Umsatz 2014/15: 355,0 Millionen Euro (keine Veränderung)

Um Schadensersatzansprüche von VW-Besitzern durchzusetzen, kooperiert Hausfeld hierzulande mit dem Rechtsdienstleister Myright, an den VW-Besitzer ihre Ansprüche abtreten können. Der Plan ist, dass Myright als Sammelklägerin gegen VW vorgeht, vertreten durch die Kanzlei Hausfeld. Kosten entstehen nur im Erfolgsfall. Dann berechnet Myright 35 Prozent des erstrittenen Schadensersatzes.

Ob der Plan allerdings aufgeht, ist ungewiss. VW weist die Forderungen nicht nur der Sache nach zurück, sondern auch, weil aus ihrer Sicht die Abtretung von Ansprüchen in Deutschland generell nicht zulässig ist. „Aus unserer Sicht ist das rechtlich zu unsicher“, sagt selbst Anlegeranwalt Andreas Tilp. Tilp gehört zwar ebenfalls zu den großen juristischen Widersachern von VW, er fokussiert sich aber auf Aktionärsklagen.

Kommentare (2)

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Frau Annette Bollmohr

06.09.2016, 13:41 Uhr

Zur Klage, die m.E. mit Abstand den meisten Sinn in (und für) Europa machen dürfte:

http://www.zeit.de/2016/33/gina-miller-brexit-london-grossbritannien-fondsmanager

Rainer von Horn

06.09.2016, 14:11 Uhr

Ich finde, dieses neue "Geschäftsmodell von Sammelklagen in Europa", sollte auch auf die andere Seite des Atlantiks ausgeweitet werden. na, wer traut sich? :)

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