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28.02.2017

12:26 Uhr

SAP-Chef

14 Millionen Euro für Bill McDermott

Dickes Plus für die SAP-Spitze: Die Vorstände des Softwarekonzerns haben 2016 deutlich mehr verdient als im Vorjahr, allen voran Konzernchef Bill McDermott. Das dürfte die Boni-Debatte neu anheizen.

Der SAP-Chef steigt zum Spitzenverdiener im Dax auf. dpa

Bill McDermott

Der SAP-Chef steigt zum Spitzenverdiener im Dax auf.

WalldorfDer Vorstand von SAP profitiert stark von einem neuen Vergütungssystem: Die acht Mitglieder des Gremiums erhielten 2016 zusammen 43,3 Millionen Euro und damit mehr als dreimal so viel wie 2015. Vorstandssprecher Bill McDermott bekam knapp 14 Millionen Euro und könnte so zum bestbezahlten Manager im Dax aufsteigen. Das geht aus dem Jahresbericht vor, den das Unternehmen am Dienstag veröffentlicht hat. Was der Aufsichtsrat als Regelung sieht, um international konkurrenzfähige Vergütungen zu zahlen, ist unter Aktionären umstritten.

Das System sieht vor, dass die Vorstände neben einem vergleichsweise niedrigen Grundgehalt einen hohen Anteil an variablen Vergütungen erhalten – einerseits bezogen auf das Geschäftsjahr (Short Term Incentive, STI), andererseits bezogen auf die langfristige Entwicklung des Unternehmens (Long Termin Incentive, LTI). Letztere Komponente macht mehr als 50 Prozent der Zuwendungen aus. Diese bekommen die Manager nicht direkt, sondern über einen Zeitraum von mehreren Jahren ausgezahlt.

Die wichtigsten SAP-Produkte

S4/Hana

Für SAP ist es das wichtigste Produkt: S4/Hana ist ein Programmpaket, mit dem Unternehmen alles – von der Ersatzteilbestellung bis zur Finanzberichterstattung – erledigen können. Für diese Aufgaben hat sich der Begriff Enterprise Resource Planning (ERP) etabliert – hier ist der deutsche Konzern Marktführer. Die Datenbank Hana ermöglicht es, die Prozesse nahezu in Echtzeit abzubilden. S4 ist der Nachfolger von R3, dank dessen Erfolg SAP zu einem Weltkonzern geworden ist.

Hana

Die erste Arbeit an der Datenbank Hana erledigte SAP-Mitgründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner 2008 mit einer Gruppe Studenten. Nach einigen Jahren Weiterentwicklung steht die Technologie inzwischen im Zentrum des Konzerns: Sie ist die Grundlage wichtiger Anwendungen wie S4/Hana und der SAP Cloud Platform. Technisch gesehen handelt es sich um eine In-Memory-Datenbank, die alle Daten im Arbeitsspeicher hält und somit auch große Datenmengen schnell auswerten kann.

SAP Cloud Platform

Mit der SAP Cloud Platform ermöglicht SAP es Unternehmen, selbst Programme zu entwickeln – Erweiterungen für SAP-Lösungen wie S4/Hana, aber auch eigenständige Apps. Dabei ist es möglich, die Hana-Technologie aus der Cloud für die Datenanalyse zu nutzen – ob für die Auswertung von Maschinendaten oder aufwendige Konstruktionen. Der Konzern wirbt damit, dass die Plattform es ermöglicht, Innovationen schnell umzusetzen.

Business Network Group

SAP hat in den vergangenen Jahren die Plattformen Ariba, Fieldglass und Concur gekauft und in der Business Network Group zusammengefasst – eine Art Amazon für Materialien, Arbeitskräfte und Reisen. All das läuft über die Cloud, was die Automatisierung der Prozesse erleichtern und somit Kosten senken soll. Nach Angaben des Konzerns werden über das Netzwerk Geschäfte im Wert von einer Billion Dollar abgewickelt.

Sucess Factors

Für das Personalwesen, neudeutsch Human Capital Management, hat SAP 2012 eine Lösung zugekauft: Success Factors. Zum Paket zählen Funktionen für Recruiting, Bewerberverwaltung, Leistungsmanagement und Nachfolgeplanung. Bei der Übernahme ging es aber nicht nur um das neue Geschäft, sondern auch um Technologie: Success Factors half SAP, das Cloud Computing zu verstehen.

Hybris

Mit der Übernahme von Hybris holte SAP 2013 eine Lösung für Kundenbindung und Online-Handel in den Konzern, die also auch das Customer Relationship Management (CRM) einschließt. Die Software ermöglicht es Unternehmen, Kunden zielgerichtet anzusprechen und Online-Käufer zu analysieren.

Leonardo

Spediteure verfolgen den Weg ihrer Lieferungen, Industriebetriebe überwachen ihre Maschinen, Verbraucher steuern ihre Heizung: Das Internet der Dinge ermöglicht die Vernetzung aller möglichen Gegenstände. Für SAP ist das ein wichtiger Trend – er hat das Potenzial, Geschäftsprozesse zu verändern. Unter dem Namen Leonardo vermarktet der Konzern verschiedene Lösungen, etwa eine zur Überwachung von Fahrzeugflotten. Der Konzern hofft auf einen riesigen Markt, ohne aber Prognosen zu nennen.

Im Geschäftsjahr 2015 konnte McDermott noch 9,9 Millionen Euro mit nach Hause nehmen. Das war das zweithöchste Gehalt aller Dax-30-Vorstandschefs. Der bisherige Spitzenreiter, Daimler-Chef Dieter Zetsche, bekommt für 2016 deutlich weniger als noch für 2015. Der Manager kassiert nur noch 7,6 Millionen Euro, wie aus dem Mitte Februar veröffentlichten Geschäftsbericht des Dax-Konzerns hervorgeht.

Daimler hatte seine vom Management gesetzten Ziele 2016 zwar erreicht. Teile der variablen Vergütung bemessen sich aber am operativen Gewinn, der wegen Sonderkosten zum Beispiel im Zusammenhang mit Takata-Airbags und für Rechtsverfahren um zwei Prozent auf 12,9 Milliarden Euro zurückgegangen war. Auch die aktienbasierte Vergütung fiel für Zetsche etwas schmaler aus, weil die Daimler-Aktie 2016 weniger wert war als noch 2015.

Für 2016 erhielt McDermott allein als langfristige variable Vergütung 8 Millionen Euro, als kurzfristige Komponente 2,4 Millionen Euro. Hinzu kamen eine Festvergütung von 1,4 Millionen Euro und Nebenleistungen von 1,6 Millionen Euro, etwa in Form von Zuschüssen zu Versicherungen, Aufwendungen für die doppelte Haushaltsführung und Flügen. Außerdem erhielt der Amerikaner 571.000 Euro Versorgungsaufwand.

Der SAP-Vorstand mit der zweithöchsten Vergütung ist Vertriebschef Rob Ensslin, der 5,4 Millionen Euro erhielt. Am unteren Ende der Skala steht Personalchef Stefan Ries mit 2,9 Millionen Euro, der Anfang April in das Gremium berufen wurde. Alle Vorstände zusammen erhielten 8,5 Millionen Euro Festgehalt und Nebenleistungen, 10,3 Millionen Euro STI und 23,9 Millionen Euro LTI.

Kommentare (4)

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Herr Thomas Behrends

28.02.2017, 13:42 Uhr

Hat dieser Bill McDermott ein Problem mit den Augen oder weshalb tritt er mit einer Sonnenbrille bei öffentlichen Auftritten an?

Reiner Blumenhagen

28.02.2017, 13:50 Uhr

Er hat kein linkes Auge mehr.
Und – ja – da er als Amerikaner einen guten Teil seiner Zeit in Heidelberg lebt und für ein deutsches Software-Unternehmen arbeitet, findet wohl in der Tat eine „Umvolkung“ statt…..

Herr Hans Leiser

28.02.2017, 13:53 Uhr

Deutschland schreibt sich ab und die roten Politiker beschleunigen das Ganze noch mehr ...

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