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15.06.2015

16:08 Uhr

SAP-Digitalchef Becher

„Den digitalen Geist des Valley verbreiten“

VonKatrin Terpitz

Jonathan Becher ist Chief Digital Officer des deutschen Softwarekonzerns SAP. Im Interview verrät der US-Amerikaner, was für seine Rolle als Digital-Häuptling entscheidend ist.

„Ein Wandel ist immer hart.“ PR

Jonathan Becher, Chief Digital Officer von SAP

„Ein Wandel ist immer hart.“

Herr Becher, warum braucht ein Digitalkonzern wie SAP eigentlich einen Chief Digital Officer?
SAP ist zwar ein Unternehmen, das digitale Produkte anbietet, aber die Prozesse und die Denke waren bislang alles andere als digital. Mit den Kunden wurden alle Bestellungen über Papier oder über Verkäufer persönlich abgewickelt.

Was haben Sie konkret verändert?
Wichtig ist, dass ein Chief Digital Officer nicht alles auf einmal ändert, sondern Schritt für Schritt. Ein erstes Ergebnis: In mehr als 15 Ländern lassen sich weniger komplexe Produkte wie SAP Digital for Customer Engagement jetzt per Mausklick und Kreditkarte online kaufen. Das erste Mal können wir unseren Kunden binnen 15 Minuten nach dem Kauf produktiven Zugriff auf dieses Cloud-Produkt geben – ein Bruchteil der herkömmlichen Zeit. Einfachheit und Schnelligkeit sind essenziell in der digitalen Welt.

Wie sehen Sie die Rolle als Chief Digital Officer?
In jedem Bereich gibt es hervorragende Experten, die aber nur ihre Welt kennen. Ich leite sozusagen ein Orchester aus Experten, die ein unbekanntes Stück namens Digitalisierung zusammen erarbeiten müssen. Meine Aufgabe ist es, Misstöne zu verhindern. Digitale Transformation ist vor allem auch eine Frage der Kultur. Ein Wandel ist immer hart.

Chief Digital Officer: Wo sind die digitalen Häuptlinge?

Chief Digital Officer

Wo sind die digitalen Häuptlinge?

Die digitale Revolution trifft Konzerne wie Mittelständler mit Wucht. Doch die wenigsten bündeln die digitale Verantwortung in der Hand eines starken Managers, zeigt eine exklusive Studie. Das verschleppt den Wandel.

Sie stellen alle bisherigen Abläufe in Frage. Da braucht man ein gewisses Standing im Konzern.
Das stimmt, denn meine Aufgabe ist es, alles aus dem Blickwinkel der Kunden heraus zu sehen, nicht des Unternehmens. Wichtig ist, dass ich als Chief Digital Officer ein eigenes Budget habe und ein Team von bisher 50 Leuten weltweit. Und schließlich werde ich daran gemessen, wie viel neuen Umsatz ich generiere.

Sie leben in Palo Alto, dem Epizentrum der digitalen Revolution. Inwieweit ist das wichtig?
Ich versuche den digitalen Geist des Silicon Valley zu verbreiten: Ideen anpacken, ausprobieren, und umsetzen. Aber ich finde diesen Geist überall auf der Erde wieder. Nicht wenige Experten betrachten Berlin als den Bruder des Silicon Valley in Europa.

Chief Digital Officer kann man nirgendwo studieren, welche Erfahrung sollte man mitbringen?
Ich bin Gründer, habe drei Firmen aufgebaut und als CEO geleitet. Mein letztes Startup, Pilot Software, hat lange mit SAP zusammen gearbeitet, bevor SAP es akquiriert hat. Dadurch und durch meine vier Jahre als Chief Marketing Officer, kannte ich die interne Kultur und Schnittstellen in Breite und Tiefe bereits gut. Für einen Chief Digital Officer ist es wichtig, dass er das Unternehmen gut kennt. Ohne dieses Vorwissen hat man es viel schwerer.

Warum macht SAP bei der Digitalisierung jetzt Tempo?
Bei der Digitalisierung gibt es zwei Typen von Firmen: Die in der Krise sind und sich verändern müssen. Und die Firmen, die ihre überkommenen Geschäftsmodelle selbst zerstören, bevor es andere tun. SAP ist sehr erfolgreich und hat nach Meinung vieler keinen Anlass, sich selbst neu zu erfinden – jedoch ist es genau dies, was notwendig ist um radikale Innovationen zu entwickeln.

Weltweit gibt es über 1000 Chief Digital Officer, in Deutschland haben sie noch Seltenheitswert. Sind US-Firmen den deutschen in Sachen Digitalisierung weit voraus?
Das mag auf den ersten Blick so scheinen. US-Firmen sind schnell darin, etwas Neues anzufangen, lassen dann aber beim Tempo nach. Deutsche Unternehmen warten lieber erstmal, ob sich ein Trend auch durchsetzt. Aber wenn sie etwas anpacken, ziehen sie das auch schnell und konsequent durch.

Braucht es in fünf bis zehn Jahren gar keine Chief Digital Officer mehr, weil jeder im Unternehmen dann digital denkt?
Chief Digital Officer braucht man in einigen Jahren nur noch in der öffentlichen Verwaltung oder kleineren Firmen. Der digitale Spirit ist dann in den meisten Unternehmen schon eingekehrt.

Herr Becher, vielen Dank für das Gespräch.

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