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06.01.2011

18:05 Uhr

Schadenersatz-Prozess

Middelhoff will nichts verschwiegen haben

Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff will den Vorwurf nicht gelten lassen, er habe Anleger bewusst über die Lage der Karstadt-Mutter getäuscht. Er steht vor Gericht, weil der Chefredakteur der "Welt", Jan Eric-Peters, Schadenersatz verlangt. Peters sieht sich als ehemaliger Arcandor-Aktionär geprellt.

Middelhoff vor Gericht. dpa

Middelhoff vor Gericht.

HB ESSEN. Der umstrittene Ex-Chef des ehemaligen Arcandor-Konzerns, Thomas Middelhoff, wehrt sich vor Gericht gegen Vorwürfe, Anleger bewusst über die Lage der Karstadt-Mutter getäuscht zu haben. Er habe im September 2008 weder wissentlich Verkaufsbeschlüsse für den ehemaligen Ertragsbringer Thomas Cook noch über eine Kapitalerhöhung verschwiegen, sagte Middelhoff am Donnerstag vor dem Landgericht Essen.

Der Chefredakteur der Zeitungsgruppe "Welt", Jan-Eric Peters, sieht dies indes anders. Er hatte damals massiv in Arcandor-Aktien investiert und nach eigenen Angaben über 50.000 Euro verloren. Nun klagt er rund 5000 Euro Schadenersatz ein. Eine gütliche Einigung beider Parteien war dem Gericht zufolge nicht möglich.

Peters ist einer der zahlreichen Anleger, die mit Arcandor-Aktien Geld verloren haben dürften. Nach der Insolvenz des Konzerns im September 2009 verloren die Anteilsscheine fast gänzlich an Wert. Der Journalist war nach eigenen Angaben aber weit vor der Pleite eingestiegen: Am 23. September 2008 kaufte er rund 50.000 Aktien für jeweils etwa 3,40 Euro, am Tag danach noch einmal 20.000 Anteilsscheine für jeweils rund 3,65 Euro. Anfang November 2008 habe er sich dann mit hohen Verlusten von den Papieren getrennt.

Als Auslöser für den Kauf der Aktien führte Peters ein Interview Middelhoffs mit dem "Tagesspiegel" am 22. September an. In dem Artikel wurde der damalige Arcandor-Chef mit den Worten zitiert, eine Kapitalerhöhung bei Arcandor sei nicht geplant. Wenig später schob der damalige Konzernsprecher Jörg Howe nach, die Cook-Beteiligung werde nicht verkauft. Peters ging von steigenden Kursen aus.

Noch am Abend des 24. September erklärte Arcandor dann in einer Pflichtmitteilung, die Struktur der Holding werde überprüft. Thomas Cook galt damals als einzige Perle im Portfolio, das auch die Kaufhauskette Karstadt und den Versender Quelle umfasste. Am 29. September wird dann eine Kapitalerhöhung verkündet. Kläger Peters vermutet, dass Middelhoff bei seinem Interview bereits um die Kapitalspritze gewusst haben muss.

Kommentare (3)

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AndreAdrian

06.01.2011, 23:57 Uhr

Wer ist der Anwalt?

interessanter als die Aussagen des Angeklagten Middelhoff ist doch der Name seines Verteidigers. ist es ein gerissener Hund welcher ein Gerichtsverfahren so richtig in die Länge ziehen kann? Oder der mit Fragen unter die Gürtellinie die Seriosität jedes Zeugen der Anklage beschädigen kann? Will eine Starverteidiger überhaupt Middelhoff verteidigen oder winken die sie ab, weil bei Middelhoff keine spektakuläre Aktion zur Wertsteigerung des Starverteidiger Renommees zu holen ist?

Kronecker

07.01.2011, 00:24 Uhr

Der Finanzmarkt ist halt ein Ort von vielen Milliarden informationen, von guten und schlechten. Dass da gelegentlich eine mehr nach unten zeigt als nach oben, sollte keinen überraschen. Ganz normales investorrisko, Herr Peters.

Markus

07.01.2011, 14:48 Uhr

bei allem nötigen Respekt, aber im Prinzip ist Herr Peters selbst schuld.
Ohne Herrn Middelhoff in Schutz nehmen zu wollen, aber wenn Herr Peters danach anlegt was Vorstände in den Medien von sich geben bzw, was vom Konzern nach außen hin versprochen wird, dann ist ihm nicht mehr zu helfen!

Hätte sich Herr Peters mal die bilanzen aus dem Jahr 2008 zu Gemüte geführt, hätte ihm auffallen müssen, das die Arcandor AG massivst unterfinanziert ist! (negativer Cashflow,teilweise negatives Eigenkapital, viel zu hohe Verschuldung)

Das ist mal wieder so ein Fall andere für das eigene Versagen verantwortlich zu machen, wie es in Deutschland seit der Finanzkrise üblich ist.

Von einem Journalisten hätte ich eigentlich mehr Sachverstand erwartet!

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