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13.04.2006

14:01 Uhr

Schadensersatzklagen

Versicherer bietet Manager-Tüv an

VonRita Lansch

„In den Chefetagen deutscher Unternehmen wächst die Angst vor steigenden Haftungsrisiken“, warnt die Münchener Rückversicherung. Sie hat jetzt einen umfangreichen Test für Manager entwickelt, anhand dessen sie Haftungsrisiken erkennen und vermeiden können.

MÜNCHEN. „In den Chefetagen deutscher Unternehmen wächst die Angst vor steigenden Haftungsrisiken“, warnt die Münchener Rückversicherung. Sie hat jetzt einen umfangreichen Test für Manager entwickelt, anhand dessen sie Haftungsrisiken erkennen und vermeiden können. Denn immer mehr Fälle mit hohem Streitwert landen vor Gericht, wie die Auseinandersetzung zwischen dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank, Rolf Breuer, und dem einstigen Medienkonzernchef Leo Kirch belegt.

Hinzu kommt, dass Manager sich ihrer Haftpflichtversicherung seit dem 23. August 2005 nicht mehr sicher sein können. An diesem Tag hat das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf mit einem versicherungsfreundlichen Urteil für Unruhe in den Vorstandsetagen gesorgt (HB vom 3.2.06). Der noch immer nicht veröffentlichte Richterspruch läuft im Endeffekt darauf hinaus: Täuscht ein Manager den Versicherer arglistig, bricht auch für seine unschuldigen Kollegen die Deckung weg.

Dem Urteil liegt der Fall eines ehemaligen Stars des Neuen Marktes zugrunde. Das Telematik-Unternehmen Comroad hatte mit fingierten Bilanzen Anleger und Versicherer getäuscht. Dem Anleger sprach das Landgericht Frankfurt Schadenersatz zu, den die Gesellschaft von der Chubb Versicherung erstattet haben wollte. Die muss laut OLG aber nicht zahlen, weil der Vertrag wegen der Täuschung gar nicht gilt. Die gesamten Organe der Gesellschaft, Vorstand und Aufsichtsrat, standen plötzlich ohne Versicherungsschutz da. Die Versicherung, um die es hier geht, ist die so genannte Directors and Officers Liability (D&O), zu deutsch Manager-Haftpflicht. Sie deckt die Haftungsrisiken von Vorständen, Aufsichtsräten oder Geschäftsführern ab, wenn sie zum Beispiel ihre Pflichten aus dem Aktiengesetz oder dem Kodex für ordentliche Unternehmensführung verletzen.

Die Flut an neuen Gesetzen ist nach Ansicht der Experten der Münchener Rück mit ein Grund dafür, weshalb die Versicherungen häufiger belangt werden und der Job der Manager immer riskanter wird. Experten schätzen, dass jedes zehnte Unternehmen in Deutschland schon einmal mit einer Klage wegen mutmaßlicher Managementfehler konfrontiert worden ist – Tendenz steigend.

Die Versicherer nennen zwar keine Zahlen – weder zu Prämien noch zu Schäden – bekannt ist aber, dass es für Firmen trotz des allgemein nachgebenden Preisniveaus auf dem Industrieversicherungsmarkt nach wie vor schwierig ist, angemessene D&O-Policen zu kaufen. Die Kunden fragen sich nach dem OLG-Urteil zudem, was der Schutz noch taugt. „Die Gangart wird immer härter“, meint der Versicherungseinkäufer eines großen Konzerns. Ein anderer, der ebenfalls anonym bleiben will, sagt: „Ich habe in den letzten drei Jahren keinen D&O-Versicherer gesehen, der ohne Klage gezahlt hat.“

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