Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.01.2007

11:00 Uhr

Fritz Pleitgen verlässt die 'Anstalt'. Foto: dpa

Fritz Pleitgen verlässt die 'Anstalt'. Foto: dpa

KÖLN. Alcatraz wird Fritz Pleitgen fehlen. Das architektonisch missglückte Hauptquartier des WDR in Köln, hausintern benannt nach dem berühmten Gefängnis nahe San Francisco, ist dem Intendanten der größten ARD-Anstalt ans Herz gewachsen. Sein opulentes Arbeitszimmer mit dem großartigen Blick auf den Kölner Dom liebt er. Ein Leben außerhalb der mächtigen Anstalt schien unvorstellbar.

Doch der machtbewusste Westfale hat in seinem Journalisten- und Funktionärsleben schon oft bewiesen, wie schnell er Positionen und Ansichten wechseln kann. Bereits zum 1. April wird der ARD-Grande Vorsitzender der Geschäftsführung der Ruhr 2010 GmbH. Die Firma organisiert das Rahmenprogramm für Essen und das Ruhrgebiet als Europäische Kulturhauptstadt im Jahr 2010.

Ein überraschender Schritt. Doch Pleitgen hat sich mal wieder als gewiefter Taktiker erwiesen. Mit dem Wechsel nach Essen macht er seiner Nachfolgerin Monika Piel bereits vorzeitig Platz und wahrt sein Gesicht. Denn die bisherige WDR-Hörfunkdirektorin wird ihren Job voraussichtlich drei Monate früher anfangen müssen. Eine endgültige Entscheidung trifft der Rundfunkrat am 22. Januar.

Auch über die Nachfolge von Ulrich Deppendorf, der als Leiter des ARD-Hauptstadtstudios nach Berlin zurückgekehrt ist, wird dann entschieden. Hinter den Kulissen sind die Würfel gefallen, wie Insider berichten: die NDR-Vizefernsehdirektorin Verena Kulenkampff wird neue Fernsehdirektorin des WDR. Der WDR lehnt eine Stellungnahme ab.

Der Wachwechsel im Alcatraz war nicht nach Pleitgens Gusto. Bei der Intendantenwahl erlebte er sein persönliches Waterloo: "Kollege Pleitgen hat sich Piel nicht gerade als Nachfolgerin ausgesucht", berichtet ein ARD-Intendant, der ungenannt bleiben möchte.

Nun blickt Pleitgen nach vorne. Leckere italienische Restaurants gibt es schließlich nicht nur rund um den Kölner Dom. Und: Er ist uneingeschränkter Herrscher über die Ruhr 2010. Der Essener Kulturdezernent Oliver Scheyt ist ihm als Geschäftsführer unterstellt. Pleitgen hat seine neue Position, die er selbst "höchst ehrenvoll" nennt, NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) zu verdanken. Über die Feiertage sei er von Rüttgers bearbeitet "und am Ende von dieser ehrenvollen und wichtigen Aufgabe überzeugt" worden, berichtete der einstige Reporter des Kalten Krieges. Pleitgen und Rüttgers verstehen sich prima. Früh wechselte Pleitgen im einst rot-grünen NRW die politische Front und wurde Rüttgers-Fan. Als Chef der Ruhr 2010 ist Pleitgen weiter wer, im Kreis der Mächtigen im Land. "Als Galionsfigur lasse ich mich sicher nicht holen", sagte Pleitgen der "Kölnischen Rundschau". Daran haben nicht einmal seine Kritiker im WDR gezweifelt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×