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11.01.2013

15:00 Uhr

Schiefergas

Fracking wird auch in Frankreich gefordert

VonThomas Hanke

Der Chef des Energieriesen GDF Suez bringt das Thema Schiefergas in Frankreich zurück auf die Tagesordnung. Trotz des Verbots sei eine Blockade nicht durchzuhalten. Er vertraue auf den Fortschritt der Technik.

Fracking im US-Bundesstaat Colorado: Der GDF-Suez-Chef sieht auch für Frankreich große Chancen beim Schiefergas. dapd

Fracking im US-Bundesstaat Colorado: Der GDF-Suez-Chef sieht auch für Frankreich große Chancen beim Schiefergas.

ParisNoch vor wenigen Wochen schien in Frankreich der Weg zur Förderung von Schiefergas versperrt. Doch nun mehren sich die Stimmen, die eine Öffnung fordern. Am Freitag sagte Gérard Mestrallet, Chef des Energieriesen GDF Suez: „Die anfängliche Haltung, die Fördermöglichkeit auf Jahre hinaus zu blockieren, ist offenkundig nicht durchzuhalten.“

Der Wettbewerb zwischen Europa und den USA verändere sich „auf grundstürzende Weise“, da energieintensive Industrien sich aufgrund des reichlich verfügbaren Schiefergases in die Vereinigten Staaten verlagerten. Europa und speziell Frankreich, das neben Polen mit Blick auf die Lagerstätten „besonders begünstigt“ sei, müssten darauf reagieren.

Was hinter „Fracking“ steckt

„Fracking“ - umstrittene Förderung von Erdgas

Das umstrittene „Fracking“ wird seit mehreren Jahrzehnten zur Gewinnung von Erdgas aus Gesteinsporen eingesetzt. Bei dem „Hydraulic Fracturing“ wird Gestein in 1000 bis 5000 Metern Tiefe mit hohem hydraulischen Druck aufgebrochen.

Künstliche Fließwege

Um das Gas fördern zu können, werden künstliche Fließwege geschaffen. Dazu wird ein flüssiges Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst, so dass Risse im Gestein entstehen. Durch sie entweicht das Gas und gelangt schließlich an die Oberfläche.

Gefahr für das Grundwasser

Unter den Chemikalien sind auch gefährliche Stoffe, die bei unsachgemäßer Verwendung Mensch und Umwelt gefährden können. Kritiker weisen darauf hin, dass der Chemikalien-Cocktail bei Bohrpannen oder dem Durchstoßen von Wasserspeichern ins Grundwasser gelangen kann. Auch das Umweltbundesamt äußert Bedenken.

Beherrschbarkeit des Verfahrens

Energiekonzerne wie ExxonMobil betonen dagegen die Beherrschbarkeit des Verfahrens: Jeder Eingriff („Frac“) werde durch eine stabile Ummantelung der Bohrung von der Umwelt getrennt.

Lagerstätten in Deutschland

In Deutschland wird das Gas in „unkonventionellen Lagerstätten“ vor allem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Nord-Hessen und dem Oberrheingraben vermutet.

... und in der Welt

Über das weltweit größte Vorkommen verfügt laut einer Studie des US-Energieministeriums China, danach kommen die USA und Argentinien. In den USA sind die Energiepreise durch die massive Erschließung von Gasvorkommen eingebrochen - allerdings gibt es Berichte über massive ökologische Folgen.

Die sozialistische Regierung in Frankreich hatte beschlossen, das von ihrer Vorgängerregierung verhängte Verbot von Fracking beizubehalten. Beim Fracking werden unter hohem Druck Wasser, Sand und chemische Lösungsmittel in Tonschichten im Untergrund eingebracht, um das dort eingeschlossene Gas und Öl freizusetzen. Wegen der möglichen Gefährdung des Grundwassers wird über ein Verbot des Fracking diskutiert – so auch in Deutschland. In einigen Ländern ist es bereits verboten, in den USA dagegen erlaubt.

Mestrallet hob hervor, man könne nicht bei der Feststellung stehenbleiben, „dass die aktuelle Technik nicht in allen Fällen ausreichenden Naturschutz gewährleistet.“ Vielmehr müsse „diese Technik weiterentwickelt und parallel dazu alternativen Verfahren erforscht“ werden. „Ich vertraue neben den wirtschaftlichen Faktoren auf die wissenschaftliche Entwicklung, ich glaube an den technischen Fortschritt“, stellte der GDF Suez-Chef fest.

„Fracking beinhaltet nicht alle denkbaren Möglichkeiten der Förderung, man spricht bereits von der Technik der Stimulation, das klingt auch weniger gewalttätig“, sagte der Industrielle mit leichtem Augenzwinkern. Der französische Staat habe „nicht nur eine Verantwortung für die Umwelt, sondern auch für Wachstum und Wohlstand, er muss entscheiden, wann die Technik ausreichend weiterentwickelt worden ist, um sie anwenden zu können: Halten wir die Tür für den Fortschritt offen.“

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Da das amerikanische Schiefergas bislang rein physisch nicht exportiert werden könne, sei der Preis noch niedriger als die Herstellungskosten. Die Regierung habe eine erste Verflüssigungsanlage genehmigt. GDF Suez werde sich daran beteiligen und wolle Flüssiggas mit speziellen Tankschiffen nach Asien transportieren. Durch den verbreiterten Panama-Kanal sei das möglich. „Die Schleusen haben wir modernisiert, aufgrund unserer Geschichte (Anm. d. Red.: „La Compagnie universelle du canal maritime de Suez“, die Suezkanal-Gesellschaft, war ein Vorläufer von GDF Suez) war das für uns eine Frage der Ehre“, stellte Mestrallet fest.

Kommentare (19)

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Numismatiker

11.01.2013, 15:36 Uhr

Fracking kommt nur dann infrage, wenn die Haftung für die Folgeschäden bei den Betreibern der Förderanlagen bleibt.
Das kann über Jahrzehnte hinweg sehr, sehr teuer werden....

Account gelöscht!

11.01.2013, 15:37 Uhr

Diese "Dumpfbackentechnik "sollte weltweit verboten werden! Die Umwelt ist schon genug zerstört!

vandale

11.01.2013, 15:49 Uhr

Ich vermute, dass man dass Fracking in Frankreich verboten hat weil man dort einen starken Atomlobbismus lebt.

In Frankreich ist man sehr stolz auf den EPR Kernreaktor. Nur wird dieser von der Quasi Staatsfirma AREVA zu Kosten angeboten die im Wettbewerb mit anderen Reaktorherstellern und bei Preisen analog der aktuellen USA Gaspreise auch gegenüber Erdgas nicht wettbewerbsfähig sind.

Anstatt das Unternehmen AREVA zu verschlanken und den EPR abzuspecken geht man in F einen anderen Weg.

Man verankert Sicherheitsnormen in Europa die sehr auf den EPR zugeschnitten sind. Andere Hersteller aus Russland und Korea die ausserhalb Europas dominieren haben das Nachsehen.

Man verbietet das Fracking um den Gaspreis hoch zu halten.

Besser wäre es das Gas zu nutzen und AREVA zu verschlanken.

Vandale

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