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27.01.2005

06:05 Uhr

HB DÜSSELDORF.In der gestylten Kantine von RTL 2 war das Mittagsmenü gestern teuer: 3,50 Euro kostete das Kartoffel-Gratin. Denn der Preis des Mahls errechnet sich jeden Tag aus zehn Euro als Basispreis minus Zuschauerquote des Vortags. Und am Dienstag hatte es der „Big-Brother“- Sender nur auf 6,5 Prozent Marktanteil gebracht.

Doch die enttäuschende Quote war gestern unter den 130 Angestellten nicht das beherrschende Thema. Im Mittelpunkt stand die Frage: Wann muss Geschäftsführer Josef Andorfer gehen?

Der eigenwillige Senderchef gilt seit Wochen als schwer angeschlagen. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte gestern berichtet, Andorfer müsse seinen Chefsessel zum 1. Februar räumen. Doch noch ist sein Rausschmiss keine beschlossene Sache. „Es gibt weder einen Antrag noch einen Beschluss auf Ablösung von Herrn Andorfer“, sagt Andreas Fritzenkötter von der Verlagsgruppe Heinrich Bauer („Bravo“, „Praline“). Das Hamburger Medienunternehmen hält 31,5 Prozent der RTL 2-Anteile. „Josef Andorfer ist Geschäftsführer von RTL 2. Alles andere ist Spekulation, an der wir uns nicht beteiligen“, beteuerte Andorfers Schwager Conrad Heberling, Chef der RTL 2-Werbetochter El Cartel Media.

Andorfers schärfste Gegner, der Filmhändler Herbert Kloiber (Tele-München-Gruppe) und Gerhard Zeiler, Vorstandschef der Bertelsmann-Tochter RTL Group, schweigen hingegen. Die beiden Österreicher warten auf die Gesellschafterversammlung am kommenden Dienstag – dann werden wohl Nägel mit Köpfen gemacht. RTL besitzt 35,9 Prozent an RTL 2. Kloiber hält zusammen mit dem Mediengiganten Disney 31,5 Prozent. Sind die beiden sich einig, ließe sich Andorfer leicht entmachten: Es reicht die einfache Mehrheit.

Und unwahrscheinlich ist dieser Gang der Dinge auch nicht: Kloiber und Zeiler sind unzufrieden mit den Ergebnissen des hoch profitablen Senders. Die Quote von 7,5 Prozent Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen reicht den beiden Gesellschaftern nicht. Auch von der Gewinnentwicklung sind Kloiber und Zeiler enttäuscht – obwohl das Plus von 64,2 Millionen auf 67 Millionen stieg. Allein: Andorfer hatte mehr versprochen.

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