Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.01.2015

07:05 Uhr

Schlumberger

Die Folgen des billigen Öls

VonAxel Postinett

Der niedrige Ölpreis fordert weitere Opfer. Die Gewinne des weltgrößten Ausrüsters für Gas- und Öl-Exploration Schlumberger fallen, es gibt Massenentlassungen. Die Zahlen dürften Trendcharakter für die Branche haben.

Neue Lagerplätze für Öl-Überfluss

Konzerne bunkern Öl auf hoher See

Neue Lagerplätze für Öl-Überfluss: Konzerne bunkern Öl auf hoher See

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Es sind vor allem die Aktionäre, die nichts merken sollen. Jedenfalls jetzt noch nicht: Schlumberger, weltgrößter Ausrüster für Gas- und Öl-Exploration, hebt die Dividende an. Um satte 25 Prozent wird die Aktionärsvergütung ab April 2015 stiegen. Das deutet auf ein gesundes Geschäft hin, sollte man meinen. Doch dem ist nicht so. Gleichzeitig müssen 9000 Mitarbeiter gehen, fast acht Prozent der Belegschaft. Denn „als Antwort auf fallende Ölpreise und in Erwartung sinkender Aufträge in 2015 haben wir uns entschlossen, die Belegschaft abzubauen, um sie besser an das erwartete Umfeld anzupassen“, heißt es im am Donnerstag veröffentlichten Quartalsbericht lapidar.

Das alles geschah blitzschnell: Rund 296 Millionen Dollar Aufwand für den Personalabbau sind in den Zahlen des vierten Quartals 2014 bereits enthalten. Auch das Fracking, das Rauspressen von Öl und Gas aus tiefer gelegenen Erdschichten unter Einsatz von Wasser und Chemikalien, ist zum Problem geworden. Auf das Projekt Eagle Ford Shale wurden erst einmal 200 Millionen Dollar abgeschrieben. Gleichzeitig treffen die Währungsturbulenzen das in Houston, Texas, beheimatete Unternehmen mit voller Wucht. Alleine die Aktivitäten in Venezuela mussten wegen der Dollarstärke um 472 Millionen Dollar abgewertet werden.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Schlumberger ist die erste der großen Energie-Aktien der Wall Street, die Zahlen vorlegt und die dürften Trendcharakter haben. Der Quartalsgewinn brach vergleichen zum Vorjahr von 1,66 Milliarden Dollar auf 302 Millionen Dollar ein. Der Umsatz legte moderat um sechs Prozent auf 12,6 Milliarden Dollar zu. Der wichtigste Termin ist der zweite Februar: Dann berichtet Ölgigant Exxon Mobil Corp. Am 30. Januar legt Chevron Zahlen und Ausblick vor.

Die Ölpreise fallen schon seit Monaten, ebenso wie die Schlumberger-Aktie, die in wenigen Monaten um 30 Prozent eingebrochen ist. Noch immer sind Experten und Investoren unsicher, wie sie die fallenden Energiepreise bewerten sollen. Wie auch immer: Das wahre Ausmaß des Preisverfalls wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Manfred Zimmer

16.01.2015, 09:53 Uhr

Interessant, wenn das jemand als neu verkaufen will!

Selbst wenn dem so ist, ist das keine Rechtfertigung für eine Halbierung des Ölpreises.

Erstaunlich ist auch, dass der fallende Ölpreis in den Medien als fallende Inflation und seitens der EZB die fallende Inflation als Gefahr einer Deflation erklärt wird.

Während des Ölpreisanstiegs auf die über 100 USD konnte man nichts von Inflation in den Medien lesen. Ich erinner mich da nur noch an einen Spruch von Hans-Jürgen Fell, dem forschungspolitischen Sprecher der GRÜNEN aus dem Jahr 2003: "Nicht so schlimm wie 49." Gemeint ist 1949, als in der damaligen Situation das Geld "von einem auf den nächsten Tag" nichts mehr wert war.

Da kann man nur wiederholen:
"verantwortungslose Politiker im wahrsten Sinne des Wortes"

Offensichtlich gibt es immer noch Politiker, die davon ausgehen, dass das Volk nicht "1 + 1" addieren kann.

Pegida ist ein Stichwort, aber keinesfalls das wichtigste und in Punkto "Pegida" kann man wirklich streiten.

Account gelöscht!

16.01.2015, 16:57 Uhr

Gleichzeitig müssen 9000 Mitarbeiter gehen, fast acht Prozent der Belegschaft. Denn „als Antwort auf fallende Ölpreise und in Erwartung sinkender Aufträge in 2015 haben wir uns entschlossen, die Belegschaft abzubauen, um sie besser an das erwartete Umfeld anzupassen“, heißt es im am Donnerstag veröffentlichten Quartalsbericht lapidar.

---------------------------------------------------------

Wer glaubt dass die Energiekosten so tief bleiben...

rechnet nur mit dem aktuellen Weltpreis...

aber nicht mit zukünftigere Weltentwicklungen.

Wer jetzt Fachpersonal entlässt,

nutzt nur die Lage aus um etwa den Aktionären eine

sparsame Unternehmensführung vor blenden zu wollen.

Wer sogar seinem unternehmen verkauft oder teile davon

wird sich schwarz ärgern schon ab Mitte 2015.




Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×