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21.06.2012

17:01 Uhr

Schmiergeld-Prozess

Ecclestone schiebt Gribkowsky die Schuld zu

Nach dem Schmiergeld-Geständnis von Gerhard Gribkowsky wehrt sich Bernie Ecclestone gegen den Bestechungsvorwurf. Er habe nichts zu verbergen. Gribkowsky wolle sich nur selbst retten, sagt der Formel-1-Chef.

Bernie Ecclestone vor dem Landgericht München im November 2011. dpa

Bernie Ecclestone vor dem Landgericht München im November 2011.

MünchenFormel 1-Chef Bernie Ecclestone hat sich nach dem Geständnis des ehemaligen BayernLB-Vorstandes Gerhard Gribkowsky gegen den Vorwurf der Bestechung gewehrt. Gribkowsky habe nur versucht, „sich selbst zu retten“, sagte Ecclestone der britischen Zeitung „Daily Telegraph“. Er habe nichts zu verbergen. Gribkowsky hatte am Mittwoch vor dem Landgericht München gestanden, 44 Millionen Dollar von Ecclestone erhalten zu haben. „Bestechungsgeld“, wie er sagte.

Ecclestone habe ihn damit zu bringen wollen, ihm die ungeliebten Banken vom Hals zu schaffen, denen die Formel 1 im Jahr 2006 gehörte. Ecclestone hingegen hatte die Millionen bei seiner Zeugenaussage in München als eine Art Schweigegeld dargestellt, damit ihn Gribkowsky nicht bei den Steuerbehörden anschwärzt. Ecclestone hatte vor rund einem Jahr erstmals eingeräumt, Gribkowsky 44 Millionen Dollar gezahlt zu haben. „Er hat mich erpresst und ich wollte kein Risiko eingehen“, hatte Ecclestone gesagt.

Die BayernLB und die Formel 1

Höhepunkt der New Economy

Es war der Höhepunkt der New Economy, als das Medienunternehmen EM.TV im Jahr 2000 bei der Formel 1 einstieg. Kurz zuvor hatte EM.TV um die Gebrüder Thomas und Florian Haffa in einem ähnlich spektakulären Deal die Rechte an der „Muppets Show“ erworben.

Kirch und Kredite bei der BayernLB

Mit im Boot bei der Formel 1 war auch damals schon Bernie Ecclestone, Zampano des PS-Spektakels, mit seiner Familienstiftung. Nur wenig später ging es mit EM.TV bergab. Die Kirch-Gruppe des damaligen Medienzaren Leo Kirch kam zu Hilfe, erhielt im Gegenzug den Anteil an dem Rennzirkus und stockte ihn noch auf. Dafür musste Kirch Kredite aufnehmen, unter anderem bei der BayernLB.

Gribkowsky wird Motorsport-Verantwortlicher

Die Kirch-Gruppe meldete dann 2002 Insolvenz an. Dadurch wurde die Landesbank aus München unerwartet zum Anteilseigner der Formel 1 und der damalige Risikovorstand Gerhard Gribkowsky zum Motorsport- Verantwortlichen. In der Folgezeit entwickelte sich ein Streit mit den Autokonzernen, denen die tonangebende - und profitable - Rolle Ecclestones und seiner Verbündeten ein Dorn im Auge war. Auch eine Übernahme der Formel 1 durch einen oder mehrere Hersteller oder eine Konkurrenzveranstaltung standen zur Debatte.

Anteilsverkauf an CVC

Vier Jahre später verkaufte Gribkowsky die BayernLB-Anteile an den Finanzinvestor CVC Capital Partners und die Wogen glätteten sich. Das Unternehmen zählt zu den weltweit größten der Private-Equity-Branche und hat europäische Wurzeln. Hauptsitze sind Luxemburg und London.

Ecclestone verkaufte

Der Finanzinvestor übernahm die Formel-1-Mehrheit durch den Erwerb der Anteile der BayernLB und von Ecclestone selbst beziehungsweise seiner Familie. Dies geschah indirekt über die neu gegründete CVC-Tochter Alpha Prema, an der Ecclestone wiederum auch selbst beteiligt ist. Der heute 82-Jährige blieb auch bei diesem Deal Chef der Formel 1. Gribkowsky rückte in den Aufsichtsrat von Alpha Prema.

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen gegen Ecclestone wegen des Verdachts der Bestechung noch nicht abgeschlossen. „Wir werden erst die Bewertungen der Strafkammer in einem möglichen Urteil gegen Gribkowsky abwarten, um das weitere Vorgehen zu beurteilen“, sagte ein Sprecher der Behörde. Das Strafverfahren gegen Gribkowsky und das Ermittlungsverfahren gegen Ecclestone seien zwei getrennte Vorgänge.

Ecclestones Anwalt Sven Thomas sieht die Aussage von Gribkowsky gelassen. Sie sei weder bindend noch seien die Beweise aus diesem Prozess gegen Ecclestone verwertbar. „Die Einlassung erfolgte, nachdem das Gericht in einer Reihe von Beschlüssen unmissverständlich eine weitreichende Verurteilung angekündigt hatte“, hatte er nach dem Geständnis am Mittwoch erklärt. Außerdem habe sich Gribkowsky teilweise widersprüchlich geäußert.

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„Einen Riesenberg Geld“ habe er von Bernie Ecclestone kassiert, sagt Gerhard Gribkowsky. Genauer: 50 Millionen Dollar. Doch vom Schmiergeld-Geständnis des Ex-BayernLB-Managers fühlt sich der Formel-1-Chef nicht belastet.

Der Ex-Banker steht seit Oktober wegen des Vorwurfs der Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung vor Gericht und hatte 44 Prozesstage lang geschwiegen. Im Gegenzug für das Geständnis hatten ihm die Richter eine Haftstrafe von maximal neun Jahren in Aussicht gestellt. Die Plädoyers werden am kommenden Mittwoch verkündet, danach folgt das Urteil.

Von

dpa

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