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25.06.2012

14:43 Uhr

Schmiergeld-Vorwürfe gegen Formel-1-Chef

Ecclestone droht nach Gribkowsky-Urteil schnelle Anklage

VonTobias Döring

Bernie Ecclestone soll Gerhard Gribkowsky Millionen Schmiergeld gezahlt haben. Nach einem rechtskräftigen Urteil gegen den Ex-BayernLB-Vorstand könnte es zu einem europäischen Haftbefehl gegen den Formel-1-Chef kommen.

Augen zu und durch? Bernie Ecclestone droht eine Anklage wegen Korruption. dpa

Augen zu und durch? Bernie Ecclestone droht eine Anklage wegen Korruption.

DüsseldorfNach dem Schmiergeld-Geständnis des ehemaligen BayernLB-Vorstands Gerhard Gribkowsky nimmt der Druck auf Bernie Ecclestone zu. Dem Formel-1-Chef droht eine Anklage wegen Korruption vor dem Landgericht München. Gribkowsky hatte gestanden, von Ecclestone 44 Millionen Dollar „Bestechungsgeld“ bekommen zu haben.

Am kommenden Mittwoch werden im Gribkowsky-Prozess die Plädoyers gehalten. Danach folgt das Urteil gegen den Ex-Manager der BayernLB. „Ist das Urteil rechtskräftig, kann es ganz schnell gehen“, sagt Otto Lagodny, Professor für ausländisches Straf- und Strafverfahrensrecht in Salzburg Handelsblatt Online. Denn ein rechtskräftiges Urteil gegen Gribkowsky würde das Vorgehen gegen Ecclestone beschleunigen. Es könnte rasch Anklage erhoben werden.

So lange das Urteil nicht rechtskräftig sei, bestehe für Gribkowsky in einem möglichen Gerichtsverfahren gegen Ecclestone „immer die Gefahr der Selbstbelastung“, sagt Lagodny.

Die BayernLB und die Formel 1

Höhepunkt der New Economy

Es war der Höhepunkt der New Economy, als das Medienunternehmen EM.TV im Jahr 2000 bei der Formel 1 einstieg. Kurz zuvor hatte EM.TV um die Gebrüder Thomas und Florian Haffa in einem ähnlich spektakulären Deal die Rechte an der „Muppets Show“ erworben.

Kirch und Kredite bei der BayernLB

Mit im Boot bei der Formel 1 war auch damals schon Bernie Ecclestone, Zampano des PS-Spektakels, mit seiner Familienstiftung. Nur wenig später ging es mit EM.TV bergab. Die Kirch-Gruppe des damaligen Medienzaren Leo Kirch kam zu Hilfe, erhielt im Gegenzug den Anteil an dem Rennzirkus und stockte ihn noch auf. Dafür musste Kirch Kredite aufnehmen, unter anderem bei der BayernLB.

Gribkowsky wird Motorsport-Verantwortlicher

Die Kirch-Gruppe meldete dann 2002 Insolvenz an. Dadurch wurde die Landesbank aus München unerwartet zum Anteilseigner der Formel 1 und der damalige Risikovorstand Gerhard Gribkowsky zum Motorsport- Verantwortlichen. In der Folgezeit entwickelte sich ein Streit mit den Autokonzernen, denen die tonangebende - und profitable - Rolle Ecclestones und seiner Verbündeten ein Dorn im Auge war. Auch eine Übernahme der Formel 1 durch einen oder mehrere Hersteller oder eine Konkurrenzveranstaltung standen zur Debatte.

Anteilsverkauf an CVC

Vier Jahre später verkaufte Gribkowsky die BayernLB-Anteile an den Finanzinvestor CVC Capital Partners und die Wogen glätteten sich. Das Unternehmen zählt zu den weltweit größten der Private-Equity-Branche und hat europäische Wurzeln. Hauptsitze sind Luxemburg und London.

Ecclestone verkaufte

Der Finanzinvestor übernahm die Formel-1-Mehrheit durch den Erwerb der Anteile der BayernLB und von Ecclestone selbst beziehungsweise seiner Familie. Dies geschah indirekt über die neu gegründete CVC-Tochter Alpha Prema, an der Ecclestone wiederum auch selbst beteiligt ist. Der heute 82-Jährige blieb auch bei diesem Deal Chef der Formel 1. Gribkowsky rückte in den Aufsichtsrat von Alpha Prema.

Der Strafrechts-Experte geht zum Abschluss des Prozesses gegen Gribkowsky von einer Übereinkunft zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung aus. „Beide Seiten verzichten auf Rechtsmittel, das gehört zu so einem Deal dazu“, sagt Lagodny. Dann könne das Urteil bereits im Gerichtssaal rechtskräftig werden.

Gribkowsky hatte nach fast achtmonatigem Schweigen im Prozess gestanden, von Ecclestone „einen Riesenberg Geld“ erhalten zu haben. Genauer gesagt: 44 Millionen Dollar Schmiergeld. Dafür habe er die BayernLB-Beteiligung an der Formel-1-Vermarktungsgesellschaft an den britischen Investor CVC verkauft. Ecclestone wollte die Landesbank als unbequemen Anteilseigner loswerden.

Der BayernLB entstand ein Schaden von 66 Millionen Dollar, die Ecclestone für den Deal an Provision erhielt – wovon dieser zwei Drittel an Gribkowsky weiterreichte. „Ich hätte diese Provision schlicht ablehnen sollen“, sagte Gribkowsky in seinem Geständnis. Ihm drohen nun bis zu neun Jahre Gefängnis. Bereits vor dem Geständnis hatte Gribkowskys Verteidiger das Gespräch mit der Anklage gesucht, der Prozess war daraufhin vertagt worden.

Kommentare (5)

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Degerlocher

25.06.2012, 15:10 Uhr

Gegen den König Formel 1 vorgehen? Das wird spannend zu beobachten sein. Abwarten, bei Ecclestone spielt Geld aus den noch zu erwartenden Schadenerstzforderungen ja keine große Rolle.

Account gelöscht!

25.06.2012, 15:18 Uhr

was nützt den ein Eurohaftbefehl? der bleibt dann sonstwo in der Welt. Mit der Knete von dem kann man es sich überall und öffentlich gut gehen lassen.

Account gelöscht!

25.06.2012, 15:45 Uhr

Diese Soziopathen, die der Meinung sind, ihr Reichtum würde sie auserhalb des Gesetzes stellen, müssen eines Besseren belehrt werden.

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