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23.07.2012

14:12 Uhr

Schmiergeldaffäre

Ex-MAN-Vorstand wegen Bestechung vor Gericht

Nachwehen im MAN-Korruptionsskandal: Der Ex-Chef der Nutzfahrzeug-Sparte, Anton Weinmann, steht im August wegen Bestechung vor Gericht. Auf Drängen des VW Konzerns, dem MAN inzwischen gehört, musste Weinmann gehen.

Soll im Ausland bestochen haben: Ex-MAN-Vorstand Weinmann wehrt sich gegen die Vorwürfe. dpa

Soll im Ausland bestochen haben: Ex-MAN-Vorstand Weinmann wehrt sich gegen die Vorwürfe.

MünchenDrei Jahre nach dem Korruptionsskandal beim Lastwagen- und Maschinenbauer MAN steht in Kürze ein weiterer früherer Topmanager vor Gericht. Gegen Anton Weinmann, Ex-Chef der Nutzfahrzeugsparte und einst Mitglied im Konzernvorstand, beginnt am 16. August der Prozess wegen Bestechung im geschäftlichen Verkehr. Das Landgericht München setzte nach Angaben vom Montag sechs Verhandlungstage bis Anfang September fest. Bei MAN war über Jahre hinweg der Absatz von Lastwagen oder Bussen mit Schmiergeld angekurbelt worden; Weinmann war zu dieser Zeit in führenden Positionen in der Kernsparte Nutzfahrzeuge tätig.

Der angeklagte 56-Jährige hatte sein gesamtes Berufsleben bei MAN verbracht, wo er mehr als 28 Jahre arbeitete. Ab 2001 saß der aus Schwaben stammende Ökonom im Vorstand der Nutzfahrzeugsparte, 2005 stieg er dort zum Chef auf. Ende 2009, ein halbes Jahr nach Bekanntwerden der Schmiergeldaffäre, trat er von seinem Posten zurück. Zuvor hatten auch Konzernchef Hakan Samuelsson und MAN-Finanzvorstand Karlheinz Hornung ihre Ämter niedergelegt - offiziell aus freien Stücken, nach damaligen Informationen aus dem Firmenumfeld aber auf Druck des mächtigen MAN- und VW -Aufsichtsratschefs Ferdinand Piech. Der Münchner Lastwagenbauer gehört inzwischen mehrheitlich zum Wolfsburger Autoimperium.

Weinmann ließ die Vorwürfe gegen ihn via "Süddeutsche Zeitung" von seinem Anwalt bestreiten. Sie seien falsch und ehrverletzend. Dass die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben habe, sei angesichts der Aktenlage mangels Tatverdacht unvertretbar, zitierte die Zeitung den Verteidiger. Nach den Maßstäben der Strafprozessordnung hätte das Landgericht das Verfahren aus Sicht des Anwalts nicht eröffnen dürfen, sondern die Anklage zurückweisen müssen.

Einer von Weinmanns Vorstandskollegen, der einstige Vertriebschef der Nutzfahrzeugsparte, war im März 2012 vom Münchner Landgericht wegen Bestechung im geschäftlichen Verkehr zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten sowie zu einer Geldauflage von 40.000 Euro verurteilt worden. Er hatte Schmiergeldzahlungen eingeräumt und sich mit der Justiz auf das Strafmaß geeinigt. Zwei frühere Top-Manager der einstigen MAN-Tochter Ferrostaal waren im Dezember 2011 wegen Bestechung ausländischer Amtsträger zu je zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Auch sie hatten sich zuvor mit Anklägern und Richtern verständigt und vor Gericht Geständnisse abgelegt.

Von

rtr

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