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15.06.2012

11:57 Uhr

Schneller Aufstieg, steiler Absturz

Warum deutsche Frauen an der Spitze scheitern

VonJenny Niederstadt, Manfred Engeser
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Noch nie sind in so kurzer Zeit so viele Frauen in die Top-Etagen eingezogen. Viele der Vorzeige-Managerinnen packen ihre Sachen aber schon wieder – manche stoßen auf Ablehnung, andere sind zu ungeduldig. Oder einfach nicht gut genug.

Christine Scheel scheiterte an eigener Sturheit und den Beharrungskräften ihrer männlichen Gegner im Aufsichtsrat. dpa

Christine Scheel scheiterte an eigener Sturheit und den Beharrungskräften ihrer männlichen Gegner im Aufsichtsrat.

DüsseldorfAls die Entscheidung Mitte Oktober offiziell verkündet wurde, herrschte eitel Sonnenschein: „Ausgezeichnete Wahl“, lobte der damalige Vorstandsvorsitzende Albert Filbert, von einer „Idealbesetzung“ sprach Walter Hoffmann, damals Aufsichtsratsvorsitzender des Darmstädter Energieversorgers HSE. Unter seiner Federführung hatte das Gremium mit großer Mehrheit gerade Christine Scheel in den Vorstand berufen, als erste Frau in der Historie des kommunalen Unternehmens.

Chefkontrolleur Hoffmann lobte „Verhandlungsgeschick“ und „sympathische Ausstrahlung“ der 55-Jährigen. Die sollte nun, nach 17 Jahren als Bundestagsabgeordnete und Finanzexpertin der Grünen, im HSE-Vorstand nicht nur den Bereich regenerative Energien, Medienarbeit und Compliance betreuen. Sondern als Teil einer neuen Dreierspitze das Unternehmen repräsentieren. Dienstbeginn: 1. Februar 2012, standesgemäß, mit Blumenstrauß in der Hand und einem Lächeln im Gesicht.

Frauen in Führungspositionen bei der Deutschen Bank

Drei Vorzeigefrauen

Viele Frauen sind im Top-Management der Deutschen Bank nicht zu finden. Aber es gibt Ausnahmen.

Charlotte Jones

Die Finanzexpertin Charlotte Jones berichtet direkt an den Finanzchef der Deutschen Bank und ist Mitglied im sogenannten Group Finance Executive Committee des Geldhauses. Bevor sie im Sommer 2011 auf diese Position wechselte, war sie Finanzchefin für die Regionen Europa, Naher Osten und Afrika.

Gerlinde Siebert

Gerlinde Siebert ist mit 25 Jahren Betriebszugehörigkeit ein Urgestein der Deutschen Bank. Seit Juni 2009 verantwortet sie als Global Head of Business Products Einnahmen in Höhe von rund einer halben Milliarde Euro sowie Kredite im Volumen von 15 Milliarden Euro an kleine und mittelgroße Unternehmen in Europa und Asien.

Brigitte Bomm

Wie Charlotte Jones gehört Brigitte Bomm den Group Finance Executive Committee an. Als Global Head of Tax führt sie die globale Steuerabteilung des Instituts und ist die Chefin von mehr als 200 Mitarbeitern.

Doch 48 Stunden später waren nicht nur die Blumen verwelkt und das Lächeln verschwunden, sondern auch Scheels Vorschusslorbeeren verbraucht: Denn schon am dritten Tag im neuen Amt ging die Neu-Managerin auf Konfrontation mit der Stadt Darmstadt, dem Mehrheitseigner ihres Arbeitgebers. Der Grund: Scheel stellte die vom Stadtrat längst beschlossene Aufstockung des städtischen HSE-Aktienpakets infrage. Sie wollte lieber den Karlsruher Energieriesen EnBW als Aktionär ins Boot holen.

Ihre Haltung tat sie aber nicht im trauten Kreise der Vorstandskollegen oder im Büro des Bürgermeisters kund, sondern auf einer Pressekonferenz. Dort drohte Scheel unverhohlen mit Rücktritt, sollte die Stadt an ihren Investitionsplänen festhalten.

10 Tipps für den perfekten Chef

Ein perfekter Chef macht Fehler

Jeder Mensch macht Fehler, denn Menschen sind nicht perfekt. Durch diese Eigenschaft werden Menschen überhaupt erst liebenswert. Wichtig ist jedoch, dass wir um unsere Fehler wissen und Wege finden, wie diese Fehler behoben werden können. Fehler, richtig verstanden, führen zu einer Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit und des Unternehmens.

... ist nicht perfekt

Es ist daher verwunderlich, warum immer noch so viele Chefs meinen, dass sie perfekt sind. Eine solch grobe Selbstüberschätzung führt letztlich zu Arroganz und einem Stillstand an Wachstum (sowohl persönlich als auch unternehmerisch).

... verbessert sich ständig

Darin liegt die Größe eines wirklich „perfekten“ Chefs. Er verwendet die Kenntnis seiner Fehler für die persönliche Weiterentwicklung. Gute Führungspersönlichkeiten meinen nicht, „jemand zu sein“, sondern verstehen sich als „jemand, der wird“ und zwar jeden Tag ein wenig mehr.

... ist Menschenfreund

Eine wesentliche Eigenschaft von „perfekten“ Chefs ist, dass sie Menschen mögen. Viele so genannte Führungskräfte mögen aber nicht einmal sich selbst, geschweige denn andere Menschen. Unter solchen Umständen wird Führung nur schwer möglich sein. Um exzellent zu sein, muss man das, was man tut, lieben. Und um exzellent zu führen, muss man Menschen lieben.

... ist Teamplayer

Der „perfekte“ Chef sagt und meint „Wir!“ und nicht „Ich!“ Er ist ein Teamspieler. Im 21. Jahrhundert werden nur Teams gewinnen und nicht Einzelspieler. Die Mondlandung beispielsweise war auch nicht das Werk eines einzelnen Menschen, sondern das mehrerer tausend Ingenieure, auch wenn die visionäre Kraft eines Wernher von Brauns dahinter stand. Aber er hätte es niemals alleine geschafft.

... fordert Menschen

Der „perfekte“ Chef fordert Menschen heraus. Er will Leistung erleben und regt Menschen an, sie zu erbringen. Dabei orientiert er sich nur ungern am Durchschnitt, sondern an Spitzenleistungen. Der „perfekte“ Chef gibt sich nicht mit dem zweitbesten Ergebnis nicht zufrieden.

... ist fachlich selten der Beste

Von dem Gedanken, stets der Beste in allen Bereichen sein zu wollen, müssen sich Führungspersönlichkeiten trennen. Der „perfekte“ Chef konzentriert sich auf seine Stärken und seine Hauptaufgaben.

... verkörpert Werte

Grundvoraussetzung eines „perfekten“ Chefs sind gelebte Werte, die von allen Mitarbeitern als Führungsgrundsätze empfunden werden. Nur so entsteht das viel geforderte Vertrauen.

... ist wirksam

Letztlich geht es um das wesentliche: Der „perfekte“ Chef be-wirkt, dass Menschen Ziele erreichen. Das Wesen guter Führung ist Wirksamkeit.

... ist offen für andere Wirklichkeiten

Meistens halten wir unsere Meinung für die Wahrheit, basierend auf der Wirklichkeit, wie wir sie empfinden. Häufig entspricht unsere Wirklichkeit jedoch nicht der Realität. Der „perfekte“ Chef setzt sich auf den Stuhl des anderen. Wer durch die Augen anderer sieht, entdeckt eine Fülle von Wirklichkeiten.

Quelle: Perspektive Mittelstand

Dass Scheel „in hektischer Weise an die Öffentlichkeit“ trat, sei unprofessionell, sagte Grünen-Oberbürgermeister Jochen Partsch, dem die Berufung seiner Parteifreundin von Anfang an ein Dorn im Auge war. Der 50-jährige Clint-Eastwood-Fan – Lebensmotto laut eigener Homepage „Ich reite in die Stadt, und alles andere ergibt sich“ – hätte lieber einen Technikfachmann in den Vorstand geholt. Sein Fazit: „Das Verhältnis ist belastet.“

Und sollte sich in den kommenden Wochen auch nicht mehr erholen: Scheel bezweifelte weiter öffentlich die Finanzierbarkeit der städtischen Pläne – „Scheel soll schweigen“, schoss OB Partsch zurück. Und betrieb als neuer HSE-Aufsichtsratsvorsitzender Scheels Ablösung. Ende April entzog der Aufsichtsrat der Beteiligungsgesellschaft HEAG, die unter anderem die städtischen Anteile an der HSE hält Scheel schließlich das Vertrauen. OB Partschs Ziel: „die schnellstmögliche Trennung“.

Kommentare (20)

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Account gelöscht!

15.06.2012, 12:38 Uhr

"Aufgrund ihrer Erziehung achten sie untereinander sehr auf flache Hierarchien. Wer dennoch klettert, wird von den anderen heruntergezogen, durch Kritik, üble Nachrede, Mobbing. Tatsächlich fühlen sich laut einer Umfrage der German Consulting Group 75 Prozent aller weiblichen Führungskräfte von Kolleginnen aus derselben Hierarchiestufe auf dem Weg zum Erfolg behindert. Nur 60 Prozent erleben männliche Mitarbeiter als blockierend"

kann ich bestätigen. Ich leide unter diesem Gruppenzwang. Denken sie mal darüber nach, wie viel Potential durch diesen Zwang brach liegt.

Die Gefahr besteht, dass eine Frauenführung diesen Gruppenzwang verstärkt aufbaut und aufrecht erhält. Da sie ihre Kolleginnen kennt, wird sie aggresiv regieren, weil sie es muss.

Das ist keine gute Vorlage und Frau sollte darüber stehen.

Gruß von einem männlichen Zeitgenossen

A.J.

15.06.2012, 12:57 Uhr

"Absolventinnen sind zwar durch ihre Studienleistungen in der Regel besser qualifiziert für leitende Positionen als ihre männlichen Kommilitonen."

darum geht´s hier doch bei den Frauen. Die "Auswendig Lerner"-Damen aus dem Studium scheitern zumeist daran, dass sie ihre gute Noten nicht als Leistung im Beruf zeigen. Männer verkaufen sich besser. Passt auch zu der Aussage mit den Stellenbeschreibungen...

Ich bin der Meinung, wer wirklich will, erreicht auch seine Ziele! Ach so: Frauenquote? Nein! Finde ich Frauen gegenüber diskriminierend.

cb0211

15.06.2012, 12:58 Uhr

Es können nur 2 Gründe für die niedrige Anzahl Frauen in Führungspositionen geben: Entweder sie sind nicht gut genug oder sie wollen es einfach nicht. Frauen sind genau so intelligent wie Männer und viele haben eine adequate Ausbildung für eine Führungsposition. Also: Sie wollen es nicht. Viele Gründe dafür sind hervorragend in diesem Artikel beschrieben. Es wäre daher ein Fehler, Frauen anhand gesetzlicher Vorgaben in Geschäftsleitungen und Aufsichträte hineinzuzwingen.

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