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07.10.2014

14:49 Uhr

Schöne Bücher

Gegentrend zum E-Book

Ein Buch muss nicht nur gut sein, sondern auch schön anzusehen und angenehm anzufassen. Sonst hat man kein Argument, weshalb der Leser nicht gleich zum E-Book greifen sollte. Doch das muss sich rechnen.

E-Book, oder Hardcover fürs Regal? Verleger glauben, das genau das für den Leser zukünftig die entscheidende Frage sein wird. dpa

E-Book, oder Hardcover fürs Regal? Verleger glauben, das genau das für den Leser zukünftig die entscheidende Frage sein wird.

FrankfurtOb Donna Tartts „Distelfink“, Nino Haratischwilis „Das achte Leben“ oder Ken Folletts „Kinder der Freiheit“: Wenn ein Buch deutlich über tausend Seiten hat, scheint das die Leser nicht zu schrecken. Die drei Romane haben, wie viele andere dicke Wälzer, in diesem Sommer die Leser begeistert. Dünn muss ein Buch also nicht sein - aber schön. Davon sind immer mehr Verlage überzeugt und investieren kräftig in die Gestaltung.

„Ich bin felsenfest überzeugt, dass in der digitalen Welt die Lust auf ein gut gemachtes Buch wächst“, sagt Joachim Unseld, Chef der Frankfurter Verlagsanstalt (FVA). Der Buchmarkt wird sich zweiteilen, sagt der Verleger: Hier die Leser, für die nur der Inhalt zählt, die Taschenbücher kaufen und sie danach wegwerfen oder gleich elektronisch lesen. Dort die Leser, die eine schöne Typographie, hochwertiges Papier, einen gut gestalteten Umschlag zu schätzen wissen und das Buch nach der Lektüre ins Regal stellen wollen.

Für die Verlage ist die Frage nur, ob die Leser - beziehungsweise die Buchhändler - auch bereit sind, mehr dafür zu bezahlen. „Wir müssen über die 30-Euro-Schwelle kommen“, sagt Unseld, der mit Haratischwilis 1280-Seiten-Roman zur Buchmesse kommt. Ein Jahrhundertbuch, sagt Unseld, „keine Zeile zu viel“. Deswegen fiel es ihm leicht, so viel Zeit, Aufwand und Geld in die Gestaltung zu stecken: „Der Umschlag muss die Äußerung des Inneren sein. Die Gestaltung des Buches muss zeigen: Das ist etwas Wertvolles.“

Hohe Investitionen in die Herstellung können sich durchaus lohnen, glaubt Karin Schmidt-Friderichs. „Bücher, die schön sind, verkaufen sich schon immer besser. Die Menschen spüren das“, sagt die Verlegerin, die zusammen mit ihrem Mann im Verlag Hermann Schmidt seit 22 Jahren ausschließlich „Ausgezeichnete Bücher für Kreative“ (Verlagsmotto) macht. „Ich glaube, es ist legitim, etwas Schönes teuer zu machen.“

Was die Schmidts umtreibt, ist das Thema Wiederkennbarkeit: Wenn jedes Buch individuell gestaltet wird, erkennt der Leser den Verlag nicht wieder. Diese Wiedererkennbarkeit sehen manche Verlage jedoch als Erfolgsrezept, zum Beispiel der mit einheitlichem Coverdesign arbeitende Diogenes Verlag oder die regenbogenbunte Suhrkamp Bibliothek.

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