Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.03.2014

13:34 Uhr

Schrumpfender Markt in Europa

SMA Solar macht Millionen-Verlust

Wegen des schrumpfenden Geschäfts in Europa hat der Solarhersteller ein deutliches Minus verbuchen müssen. Nun hofft SMA Solar auf Auslandsmärkte. Doch das erste Quartal macht wenig Hoffnung.

Der Konzern SMA Solar hat einen Millionen-Verlust gemacht, hofft aber auf Besserung. dpa

Der Konzern SMA Solar hat einen Millionen-Verlust gemacht, hofft aber auf Besserung.

Bonn/Niestetal/FrankfurtDer Einbruch im europäischen Solarmarkt hat den Hersteller SMA Solar tief in die roten Zahlen gedrückt. Erstmals habe das Unternehmen einen hohen Jahresfehlbetrag verbuchen müssen, sagte SMA-Chef Pierre-Pascal Urbon am Donnerstag bei der Vorstellung der Bilanz in Frankfurt. Unter dem Strich blieb 2013 ein Verlust von rund 67 Millionen Euro nach einem Gewinn von 75,1 Millionen Euro im Vorjahr. Durch den Nachfragerückgang in Europa und den hohen Preisdruck reduzierte sich der Umsatz des TecDax-Unternehmens um 36,3 Prozent auf 932,5 Millionen Euro.

Die Aktien des Konzerns aus dem nordhessischen Niestetal bei Kassel sackten zu Beginn des Börsentags um mehr als neun Prozent auf unter 41 Euro ab.

Zwar stieg 2013 weltweit die Nachfrage nach Solarstromanlagen um 25 Prozent auf 40 Gigawatt - vor allem in China und Japan. Dort allerdings gebe es erhebliche Barrieren beim Marktzugang. In Europa aber schrumpfte der Markt auf die Hälfte. Dies führte dazu, dass der SMA-Marktanteil auf 13 Prozent zurückging.

Der Niedergang der deutschen Solarindustrie

13. Dezember 2011

Das Berliner Solarunternehmen Solon ist pleite. Die Aktiengesellschaft verbuchte 2011 einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro. Das indisch-arabische Unternehmen Microsol übernimmt Solon im März aus der Insolvenz. 433 von 471 Arbeitsplätzen in Berlin bleiben zunächst erhalten, der Standort Greifswald wird geschlossen. Für 2013 sieht das Unternehmen wieder Chancen auf einen Gewinn.

21. Dezember 2011

Der Erlanger Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, das im Februar 2012 eröffnet wird. Die Aktiengesellschaft mit 60 Mitarbeitern ist auf Solarthermie-Technik spezialisiert.

3. April 2012

Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen beantragt Insolvenz. Das Unternehmen mit einst 1300 Jobs am Stammsitz galt lange als Sonnenstrahl in Sachsen-Anhalt. Ende August wird das Unternehmen vom südkoreanischen Mischkonzern Hanwha übernommen und ist damit vorerst gerettet, der größte Teil der Jobs bleibt erhalten.

17. April 2012

Das US-Unternehmen First Solar kündigt an, sein Werk in Frankfurt (Oder) schließen zu wollen. Ende Dezember ist für die Beschäftigten der letzte reguläre Arbeitstag. Bis spätestens Ende Mai 2013 verlieren damit alle 1200 Beschäftigten des Solarmodulherstellers ihren Job. Die Suche nach Investoren läuft aber weiter.

25. Juni 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

10. Juli 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

21. August 2012

Die Solarfirma Sovello in Sachsen-Anhalt stellt nach erfolgloser Investorensuche die Produktion ein. Den noch rund 1000 Mitarbeitern wird endgültig gekündigt. Sovello war eine Abspaltung des Ex-Weltmarktführers Q-Cells und hatte im Mai Insolvenz beantragt. Mitte Februar will der Insolvenzverwalter die Maschinen und das sonstige Inventar der Firma versteigern.

6. September 2012

Die EU-Kommission leitet ein Antidumping-Verfahren gegen die chinesische Solarbranche ein. Die Wettbewerbsbehörde will prüfen, ob die Asiaten mit zu niedrigen Preisen den Wettbewerb schädigen. Sie reagiert damit auf einen Antrag von europäischen Solarfirmen wie der Bonner Solarworld, die sich durch die Billigkonkurrenz aus China geschädigt fühlen. Eine Entscheidung über mögliche Strafzölle steht noch aus.

18. Oktober 2012

Der Solartechnikhersteller SMA Solar will sich von 450 seiner weltweit gut 5500 Mitarbeiter sowie von 600 Zeitarbeitern trennen. Denn für 2013 wird mit einem kräftigen Rückgang des Umsatzes gerechnet. Der nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei sogenannten Wechselrichtern, einer zentralen Komponente von Solarstromanlagen, hatte sich in der ersten Hälfte 2012 anders als viele Unternehmen der Branche noch relativ gut geschlagen.

23. Januar 2013

Der Technologieriese Bosch gibt bekannt, dass seine ab dem Jahr 2008 teuer aufgebaute Sonnenenergiesparte 2012 gut eine Milliarde Euro Verlust eingefahren hat. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des in der schwächelnden Weltkonjunktur ohnehin unter Druck stehenden Konzerns sei entsprechend auf etwa eine Milliarde Euro eingebrochen (2011: 2,7 Mrd Euro). Das Traditionsunternehmen kündigt eisernes Sparen an. Zentraler Standort der Solartochter ist Thüringen. Bosch Solar Energy hatte nach aktuellsten Angaben des Konzerns mit Stand vom Dezember 2012 weltweit rund 3200 Mitarbeiter.

24. Januar 2013

Die Krise der Solarbranche bringt auch Solarworld immer stärker in Bedrängnis. Das einstige Vorzeigeunternehmen teilt mit, dass mit Gläubigern über einen Schuldenschnitt gesprochen werden solle. Es kommt auch zu weiteren Stellenstreichungen.

5.Juli 2013

Nachdem das Hamburger Solarunternehmen Conergy seit Jahren Verluste schrieb, meldete es am 5. Juli schließlich Insolvenz an. Bis zuletzt hatte das Unternehmen auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte.

SMA habe mit dem Kauf des chinesischen Unternehmens Zerversolar seine globale Präsenz erhöht, betonte Urbon. „Wir können jetzt auch den chinesischen Markt bedienen“, sagte er. Die Auslandsmärkte müssten aber noch besser bearbeitet werden. Zudem werde eine strategische Partnerschaft mit dem dänischen Konzern Danfoss angestrebt, um Einkaufskosten zu sparen.

Für das zu Ende gehende erste Quartal 2014 erwartet SMA einen Umsatz von 170 bis 200 Millionen Euro nach 212 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Beim operativen Ergebnis (EBIT) geht der Vorstand nach minus 8 Millionen Euro im ersten Quartal 2013 in diesem Jahr von bis zu minus 25 Millionen Euro aus. Im Gesamtjahr will SMA einen Umsatz von 1,0 bis 1,3 Milliarden Euro erreichen und dabei ein ausgeglichenes Ergebnis und „im besten Fall“ ein Plus von 20 Millionen Euro erwirtschaften.

SMA ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei Photovoltaik-Wechselrichtern. Diese wandelt Gleichstrom in Wechselstrom und sind eine zentrale Komponente einer Solaranlage. Die SMA-Gruppe beschäftigt weltweit mehr als 5000 Mitarbeiter.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×