Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.03.2016

13:23 Uhr

Schulden, schwanger, Muslim?

Was Sie Bewerber niemals fragen sollten

VonCarina Kontio

Stellt der Arbeitgeber einem Bewerber eine verbotene Frage, kann er sich richtig Ärger einbrocken. So riskieren viele Chefs mit scheinbar belanglosem Geplauder, plötzlich verklagt zu werden. Worauf Sie achten müssen.

Dem Bewerber im Vorstellungsgespräch auf den Zahn zu fühlen ist erlaubt. Aber wer bestimmte Grenzen überschreitet, riskiert eine Anzeige. Getty Images

Dem Bewerber im Vorstellungsgespräch auf den Zahn zu fühlen ist erlaubt. Aber wer bestimmte Grenzen überschreitet, riskiert eine Anzeige.

DüsseldorfErhält ein Bewerber eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, ist eine erste Hürde auf dem Weg zum neuen Arbeitsplatz genommen. Doch nicht nur die Kandidaten sollten sich gut auf das anstehende Job-Interview sorgfältig vorbereiten. Auch für Chefs und Personalverantwortliche ist die Situation heikel, denn das Gespräch unterliegt gesetzlichen Regelungen. Wer dem potenziellen neuen Mitarbeiter verbotene Fragen stellt, kann im schlimmsten Fall verklagt werden. Im Gespräch gibt die Rechtsanwältin Maria Markatou Auskunft, wann Bewerber offiziell lügen dürfen, und gibt Tipps zu den wichtigsten verbotenen Fragen.

Frau Markatou, kommt es oft vor, dass Bewerber den potenziellen Arbeitgeber wegen einer verbotenen Frage im Bewerbungsgespräch verklagen?
Das kommt durchaus vor, meist in Verbindung mit Diskriminierungsklagen nach dem allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Denn fragt ein Arbeitgeber eine Frau, wie es denn so mit der Familienplanung aussieht oder einen Schwerbehinderten, ob er fit genug für die Arbeit ist, dann kann dies auf eine Diskriminierung hindeuten. Umgekehrt verklagen aber auch oft Arbeitgeber Bewerber, wenn diese gelogen haben und aufgrund der Lüge eingestellt wurden. Denn darin kann eine arglistige Täuschung liegen.

Bewerbungsstrategien für den Traumjob

Angebotsstrategie

Analysieren Sie, was Ihrem Traumarbeitgeber fehlt. „Das kann alles Mögliche sein, vom Youtube-Werbevideo über neue Vertriebsmethoden bis hinzu Beziehungen in einen interessanten Auslandsmarkt“, schreibt Karriereexpertin Svenja Hofert in Ihrem Buch „Die Guerilla Bewerbung“, das im Campus Verlag erschienen ist. Die Kunst ist, das Defizit vor dem Arbeitgeber zu erkennen und ihn davon zu überzeugen, dass er es mit Ihrer Hilfe beheben kann.

Die Kettenbrief-Strategie

Schlagen Sie Ihr Adressbuch auf und suchen Sie zehn Kontakte heraus, die Ihnen bei der Suche nach Ihrem neuen Job behilflich sein könnten. Wichtig sind nicht nur Menschen, die direkt einen Arbeitsplatz für Sie haben könnten, sondern auch Personen, die viele interessante Kontakte haben. Schreiben Sie ein prägnantes Kurzprofil, schicken Sie es an Ihre Kontakte mit der Bitte es wiederum an zehn Kontakte weiterzuleiten.

Die Terminstrategie

Persönlich miteinander in Kontakt kommen, das ist die Idee hinter dieser Strategie. Suchen Sie sich Ihren Wunscharbeitgeber und überlegen Sie, wer vor Ort der beste Ansprechpartner sein könnte. Rufen Sie einfach an, erklären Sie Ihr großes Interesse an dem Unternehmen und bitten Sie um einen kurzen Termin zum Kaffeetrinken. So ist der erste Kontakt hergestellt.

Die Anti-Aging-Strategie

Suchen Sie sich eine Aufgabe, die Ihrem Alter entspricht. Das hört sich erstmal hart an, ist aber ganz plausibel. Bewerben Sie sich nicht auf Inserate, die mindestens zwei bis drei Jahre Berufserfahrung voraussetzen, denn hier liegen nicht Ihre Stärken. Für viele ältere Führungskräfte, die es am Ende der beruflichen Laufbahn nochmal wissen wollen, ist die Position des Interimsmanager eine geeignete Aufgabe. Die Arbeitsagentur oder private Vermittler helfen gerne weiter.

Die Projektstrategie

Oftmals ist Projektarbeit der Einstieg in die Festanstellung. Deshalb überlegen Sie sich genau, erstens welches Projekt Sie realisieren könnten und zweitens für welche Institutionen oder Firmen es interessant sein könnte. Treten Sie an die potentiellen Interessenten heran und überzeugen Sie sie von Ihrer Idee. Die Bereitschaft in ein Projekt einzuwilligen ist höher, als eine neue Stelle zu schaffen. So können beide Seiten herausfinden, ob es passt.

Die Baumeister-Strategie

Schaffen Sie sich Ihren Traumjob einfach selbst. Entdecken Sie den Bedarf an einer bestimmten Dienstleistung oder einem Produkt und schlagen Sie einem Träger vor, sich darum zu kümmern. Das funktioniert besonders gut im öffentlichen Bereich. Sind Sie von der Idee restlos überzeugt, können Sie es sogar wagen, einen eigenen Verein oder eine Stiftung zu gründen.

Die Power-Mail-Strategie

Schreiben Sie eine E-Mail, die der Leser nicht ignorieren kann. Finden Sie heraus, an welchen Stellen Ihr Lieblingsunternehmen Nachholbedarf hat und präsentieren Sie sich als Lösung. Das funktioniert natürlich nur, wenn Sie in der Branche schon Erfahrungen und Kontakte haben. Für diese Variante muss „Ihr Können und Ihr Hintergrund“ sehr interessant sein.

Die Expertenstrategie

Sie kennen sich mit einer speziellen Aufgabe oder einem Themengebiet gut aus und haben mindestens fünf Jahre Berufserfahrung in diesem Bereich? Dann könnte die Expertenstrategie die richtige sein. Wichtig ist, ihr Spezialgebiet so umfassend zu definieren, dass sie auf viele Angebote passen, aber gleichzeitig so viel Expertise zu besitzen, dass nicht viele mit Ihnen konkurrieren können. Die Autorin nennt sich zum Beispiel Expertin für neue Karrieren und nicht Spezialistin für MBA-Programme.

Warum wissen viele Chefs nicht, dass ein Vorstellungsgespräch gesetzlichen Regelungen unterliegt?
Ich denke, hier muss man differenzieren. Arbeitgeber in Deutschland müssen wirklich eine unglaubliche Fülle an Gesetzen, Vorschriften und Normen einhalten. Gerade kleine Unternehmen oder Familienbetriebe bekommen da nicht alles mit und wissen schlicht nicht, was sie dürfen und was nicht. Da steckt auch gar keine böse Absicht dahinter – hier wird oft aus dem Bauch heraus agiert – was gesetzeswidrig sein kann. Bei großen Unternehmen werden aber auch verbotene Fragen im Vorstellungsgespräch gestellt, und hier steckt dann schon zum Teil Ignoranz dahinter. Man probiert es einfach, denn auch viele Bewerber wissen ja nicht um ihre Rechte und Antworten schön brav auch auf verbotene Fragen. Und dann werden sie natürlich nicht eingestellt.

Sind Sie eigentlich verheiratet?
Sehen Sie, als Bewerberin würde ich hier schon hellhörig werden. Denn warum interessiert sich der Arbeitgeber für meinen Familienstand? Das hat doch überhaupt keinen Einfluss auf meine Arbeitsweise und Arbeitsqualität– oder arbeiten verheiratete Frauen schlechter? Durch so eine Frage kann ein Arbeitgeber jede Menge Ärger kriegen, denn es ist doch klar: Er will wissen ob eine Frau verheiratet ist, bereits Kinder hat oder Zuwachs plant. Falls kleine Kinder da sind oder Zuwachs geplant ist, wird diese Frau wahrscheinlich nicht eingestellt. Und schon sind wir wieder im Diskriminierungsbereich. Und ja – ich bin glücklich verheiratet und habe eine kleine Tochter.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×