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16.01.2015

13:11 Uhr

Schweizer Franken

Die ersten Opfer der Franken-Entkopplung

Die Entscheidung der Schweizer Notenbank, die Franken-Euro-Bindung aufzuheben, fordert erste Opfer. Ein Broker ist bereits pleite, andere sind schwer angeschlagen. Es könnten noch viele Weitere folgen.

Geschlossen wegen Geschäftsaufgabe: Manch ein Unternehmen hat die Schweizer Entscheidung mehr als nur Geld gekostet. Getty Images

Geschlossen wegen Geschäftsaufgabe: Manch ein Unternehmen hat die Schweizer Entscheidung mehr als nur Geld gekostet.

London/DüsseldorfDie Entscheidung der Schweizer Notenbank (SNB), den Franken vom Euro zu entkoppeln, fordert erste Opfer. Der britische Devisen-Broker Alpari hat Insolvenz angemeldet, die neuseeländische Firma Global Brokers NZ ist wegen hoher Verluste infolge der Währungsänderungen ins Visier der Behörden geraten.

Die Bewegung des Schweizer Franken, die auf die Entscheidung der Schweizer Notenbank folgte, habe zu „einer außergewöhnlichen Volatilität und einem extremen Mangel an Liquidität“ geführt, schreibt der Broker auf seiner Homepage. In der Folge hätten die meisten der Kunden Verluste erlitten, die ihre Kontostände überstiegen. Wenn ein Kunde diesen Verlust nicht abdecken könne, „wird er an uns weitergegeben“, heißt es in der Mitteilung. Das zwinge Alpari (UK) Limited dazu, in die Insolvenz zu gehen.

Das sagten Experten am 15. Januar zum Schweizer Manöver

Marcel Fratzscher, Präsident des DIW Berlin

„Die Entscheidung der Schweizer Notenbank war längst überfällig. Ihre Wechselkurspolitik hat zwar in den vergangenen Jahren Schweizer Exporteure geschützt und deren Wettbewerbsfähigkeit durch einen schwächeren Franken unterstützt. Diese Politik könnte sich jedoch als enorm teurer Fehler erweisen. Denn der Franken wird langfristig gegenüber dem Euro aufwerten. Die Wertverluste auf die Devisenreserven könnten deshalb enorm groß werden. Der Zeitpunkt der Entscheidung ist sicherlich nicht zufällig. Die Erwartung eines Anleihenkaufprogramms der EZB sollte den Euro mittelfristig weiter schwächen, und damit die sonst notwendigen Ankäufe und diese Verluste für die Schweizer Notenbank erhöhen.“

Rudolf Minsch, Chefökonom des Wirtschaftsverbands Economiesuisse

„Es war von Anfang an klar, dass die Wechselkursuntergrenze eine temporäre Maßnahme sein soll. Auch die Wirtschaft strebt im Prinzip eine Rückkehr zu flexiblen Wechselkursen an, aber nicht jetzt. Denn in der gegenwärtig angespannten Situation ist die Gefahr sehr groß, dass es zu einem Überschießen des Frankens kommt. Wir sind davon ausgegangen, dass die Wechselkursuntergrenze für die nächsten Monate noch halten wird.

Wir sind jetzt weit jenseits der Kaufkraftparität, die ich auf 1,29 Franken pro Euro schätze. Mit einer leichten kontinuierlichen Aufwertung kann die Wirtschaft leben. Aber bei einer schockartigen Aufwertung ist die Industrie überfordert. Das wird sehr große Probleme geben.

Es bricht eine schwierige Zeit für die Schweizer Unternehmen an. Dies gilt vor allem für die Export- und Zuliefer-Industrie sowie für den Tourismus. Die Planungssicherheit ist vorderhand weg. Entscheidend ist jetzt, wo sich der Euro einpendeln wird. Mit 1,15 Franken kann die Wirtschaft leben. Bei 1,05 würde es zu einem größeren Einbruch kommen.“

Schweizerischer Gewerkschaftsbund

„Der Entscheid der SNB, den Mindestkurs aufzuheben, gefährdet die Löhne und Arbeitsplätze in der Exportwirtschaft massiv und erhöht die Deflationsgefahren in der Schweiz. Auch zum Kurs von 1,20 gegenüber dem Euro war der Franken nach wie vor deutlich überbewertet. Mit der Aufhebung der Untergrenze ist der Devisenspekulation nun Tür und Tor geöffnet. Es ist mit einer unkontrollierten Aufwertung zu rechnen. Die bereits heute unter dem überbewerteten Franken leidende Exportwirtschaft (Industrie/Tourismus) wird zusätzlich belastet.“

Christian Lips von der NordLB

„Die SNB scheint nicht mehr an eine Durchsetzbarkeit für den Fall eines EZB-Staatsanleihenankaufprogramms zu glauben – und könnte sich doch mit der Panikreaktion in eine Sackgasse manövriert haben. Zumindest ist die Kommunikation der SNB – bei allem Wohlwollen – als missglückt zu bezeichnen.“

JP Morgan Research

„Die größte Überraschung der heutigen Entscheidung ist, dass die SNB sich gegen einen gelenkten Rückzug entschieden hat – sie hat dem Euro zum Franken komplett den Boden entzogen.

Das ist zwar die sauberste Option für die SNB – alle Verbindungen zur Geldpolitik der EZB können nun gekappt werden. Aber es ist auch die Option mit dem größten Risiko, den Euro-Franken-Kurs unter den fairen Wert zu drücken, den wir bei etwa 1,10 Franken sehen.“

Thomas Gitzel von der VP Bank

„Die SNB beugt sich dem Marktdruck, setzt aber ein Teil ihrer Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Die Interventionen der vergangenen Wochen waren wohl für die eidgenössischen Währungshüter zu viel. Bei der Einführung des Mindestwechselkurses war an punktuelle Interventionen gedacht, nicht aber an permanente. Letztlich dürfte aber auch die Gold-Initiative eine gewisse Rolle bei der Entscheidung gespielt haben. (...) Da der Franken auf den aktuellen Kursniveaus deutlich gegenüber dem Euro überbewertet ist, sollten sich nach einer Übertreibungsphase wieder höhere Kursniveaus beim Währungspaar Euro-Franken einstellen.“

Jefferies-Stratege Jonathan Webb

„Die Entscheidung der SNB hat den Markt völlig überrascht. Die SNB geht vermutlich davon aus, dass die EZB in der kommenden Woche auf ihrer Ratssitzung ihre Geldpolitik weiter lockern wird. Angesichts der anstehenden Wahlen in Griechenland wäre es für die Schweizer ziemlich schwierig, den Mindestkurs aufrecht zu halten.“

Chris Beauchamp, Markt-Analyst bei IG

„Meine erste Reaktion war, dass das ein Signal für eine bevorstehende Aktion der EZB ist. Allerdings war die Reaktion an den Aktienmärkten dafür zu negativ. Aber es passiert ja nicht jeden Tag, dass eine Notenbank einfach einer Währung den Boden unter den Füßen wegzieht. Und die Leute haben eindeutig Angst, dass etwas Größeres bevorsteht. Für den Schweizer Markt und die Wirtschaft ist das sehr schlecht, wenn der Franken so rasant steigt und der Euro abstürzt. Die Stimmung ist seit Jahresbeginn ziemlich unruhig, und so eine Nachricht sorgt für Volatilität aus.“

Helaba-Analyst Ulrich Wortberg

„Die Aufhebung des Mindestkurses kommt sehr überraschend und die SNB dürfte an Glaubwürdigkeit verlieren, da sie in den vergangenen Monaten stets die vehemente Verteidigung der Untergrenze betonte. Einen neuen Mindestkurs dürfte es wohl nicht mehr geben, da Marktteilnehmer kein Vertrauen mehr haben, dass dieser langfristig gehalten wird. Der Euro-Franken wird nun den Marktkräften überlassen und es dürften sich Kurse im Bereich der Parität einstellen.“

Nach der Abschaffung des Mindestkurses am Vortag wertete der Franken zum Euro stark auf. Ein Euro kostet derzeit noch rund 1,02 Franken. In Neuseeland geriet die kleine Devisenhandelsbank Global Brokers NZ nach den von der SNB ausgelösten Kursturbulenzen am Devisenmarkt ins Visier der Bankenaufsicht. Die Bank teilte mit, Verluste bei Kunden mit Franken-Positionen hätten das Kapital der Bank so vermindert, dass sie die Eigenkapitalanforderungen nicht mehr erfüllen könne. Die Financial Market Authority (FMA) prüfe nun, ob die Einlagen der Kunden bei Global Brokers noch sicher seien, sagte ein FMA-Sprecher.

In Hongkong berichtete die auf kleinere Kunden ausgerichteten Devisenhandelsfirma FXCM, ihre Kunden hätten Verluste von umgerechnet insgesamt 225 Millionen Dollar eingefahren. Der Aktienkurs des Brokers fiel am Donnerstag um 15 Prozent nahe an ein Zweijahrestief.

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

16.01.2015, 13:36 Uhr

Die Insolvenzwelle in der Finanzbranche war schon längst überfällig. Anstatt die Steuerzahler weiter für diese Zockergeschäfte zu missbrauchen, spricht nun endlich mal der Markt. Und der hat im Finanzsektor schon längst die Insolvenz vorgesehen gehabt. Nur die Politik hat mit ihren Korrupten Gesetzen (ESM usw.) die Finanzwelt von der reinigent Insolvenz in der Finanz-Abzockerbranche geschützt.

Frau Ute Umlauf

16.01.2015, 13:56 Uhr

Ein Selbstreinigungsprozeß.
Auch hier bleiben nur die Starken übrig. Ist wie im Job. Völlig normal.

Account gelöscht!

16.01.2015, 14:11 Uhr

@Heiko Maas der Minister ein Versager

Es bleiben nicht die Starken in einer Marktwirtschaft übrig, sondern die, die ihr Versprechen gegenüber den Nachfrager auch halten können. Die Nachfrage entscheidet über das Angebot und somit entscheidet der Bürger/Gesellschaft in einer Marktwirtschaft über den Anbieter. Mehr Demokratie gibt es nicht in einer Gesellshaft!

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