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10.02.2014

11:07 Uhr

Schweizer Unternehmerverband

„Die Guillotine darf nicht fallen“

VonMartin Dowideit

ExklusivDie internationalen Unternehmen in der Schweiz sind nach dem Volksentscheid zur Zuwanderung entsetzt. „Es wird extrem schwierig zu planen“, warnt der Verbandgeschäftsführer der Schweizer Unternehmen in Deutschland.

Volksabstimmung

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Volksabstimmung: Die Eidgenossen auf Konfrontationskurs

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Helge Rühl ist Geschäftsführer der Vereinigung Schweizerischer Unternehmen in Deutschland. Der Volksentscheid schockiert die internationalen Unternehmen im Nachbarland.

Herr Rühl, die Schweiz hat sich für eine Begrenzung der Zuwanderung entschieden. Was ist die Reaktion aus Sicht der internationalen Unternehmen?

Wir sind erstaunt, um es charmant auszudrücken. Das Stimmergebnis ist äußerst ärgerlich. Gerade für die Geschäftsbeziehungen zwischen der Schweiz, Deutschland und der gesamten EU ist das ein herber Rückschlag. Wir hoffen, dass die Verhandlungen mit der EU jetzt einen guten Weg nehmen und die Auswirkungen auf den Wirtschaftsverkehr nicht allzu groß sind.

VSUD-Geschäftsführer Helge Rühl. PR

VSUD-Geschäftsführer Helge Rühl.

Was ärgert Sie am meisten?

Das Schweizer Stimmvolk hat emotional entschieden, aber der Beschluss ist nicht in die Zukunft gerichtet. Die EU hat jetzt das Recht, die bilateralen Verträge mit der Schweiz zu kündigen – und damit auch den freien Warenverkehr. Der ist für die Unternehmen aber von extremer Bedeutung.

Es gibt eine dreijährige Frist, bis zu der der Entscheid umgesetzt werden muss. Welche Auswirkungen erwarten Sie bereits kurzfristig?

Hoffentlich keine. Aber natürlich ist es jetzt extrem schwierig zu planen – sowohl für Schweizer Unternehmen in Deutschland als auch umgekehrt. Die Investitionen könnten einbrechen. Und es ist bei unseren Mitgliedern auch alltägliche Praxis, dass Mitarbeiter mal in Deutschland, mal in der Schweiz arbeiten. Diese Möglichkeit muss erhalten bleiben. Und es gibt auch Zehntausende Grenzgänger, die in Deutschland wohnen und in der Schweiz arbeiten. Auch diese dürfen nicht gefährdet werden.

Ausländische Führungskräfte in der Schweiz

Ausländer in Schweizer Großkonzernen

Ausländeranteil in den Führungsetagen der 100 größten Schweizer Unternehmen:

45 Prozent

Quelle: Schilling Report 2013

Ausländer unter Neuberufungen

Ausländeranteil der neu berufenen Geschäftsführungsmitglieder und Vorstände im Jahr 2013:

52 Prozent

Ausländer in Verwaltungsräten

In den Aufsichtsgremien (Verwaltungsräten) beträgt die Ausländerquote:

36 Prozent

Ausländeranteil der Vorstandschefs („CEOs“)

42 Prozent

Welche Kompromisse erhoffen Sie sich für die Detail-Verhandlungen?

Wir hoffen, dass nicht mit der Brechstange vorgegangen wird. Wir appellieren auch an Deutschland, die kommenden Entscheide in vernünftige Bahnen zu lenken. Die sieben bilateralen Verträge mit der EU könnten aufgekündigt werden wegen des gestrigen Votums. Die Guillotine darf aber nicht fallen.

Die Schweiz hat extrem viele stark international ausgerichtete Konzerne. Haben Sie Sorge, dass sich auch für die bestehenden Beschäftigungsverhältnisse etwas ändern könnte?

Bei den Konzernen wie ABB, Novartis oder Roche wird Internationalität geatmet. Wir hoffen ganz stark, dass sich am Status quo nichts ändert. Aber der beschlossene Text belässt viel Verhandlungsspielraum. Bei der Umsetzung der Initiative müssen die Kontingente für ausländische Arbeitskräfte großzügig bemessen werden. Es ist so schon schwer, den Bedarf an Fachkräften zu decken.

Kommentare (13)

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trottellumme

10.02.2014, 11:50 Uhr

"Die Quoten müssen grosszügig berechnet werden"- wenn das mal nicht ein Pyrrhus Sieg war, diese 50, 3 Prozent für die sogenannte Einwanderungsbegrenzung...Ich hoffe, die UDC wird deutlich abgewatscht....
Da die Klausel auch für Asylbewerber gilt, ist das auch nicht einmal mit der internationalen Flüchtlingskonvention (von CH ratifiziert) vereinbar. Da jus cogens, hätte die Initiative eigentlich daher nicht angenommen werden dürfen, nach Schweizer Verfassungrecht... Völlig dubios ist auch, wie diplomatisches Personal zu behandeln ist, denn für die gilt die Initiative ja auch ??

Michael

10.02.2014, 12:31 Uhr

Wenn man den Kopf unter das Messer der Guillotine legt und selbst den Auslöser betätigt, muss man sich nicht beklagen, wenn das Messer fällt.

Verträge sind zu halten.
Das gilt auch für die Schweiz und die EU.

Sharwes

10.02.2014, 12:36 Uhr

EU hin oder her (eher her!) aber hier muss die Guilliotine fallen. Aufkündigung aller Vergünstigungen für die Schweiz, Schluss mit Rosinenpickerei (gruß an UK)alles andere wäre ein (weiterer) Schlag ins Gesicht für alle EU Bürger.

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