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18.04.2012

15:35 Uhr

Schweizer Verlag

Ringier will in die digitale Zukunft

VonHolger Alich, Hans-Peter Siebenhaar

Marc Walder gilt als Hoffnungsträger: Der Journalist und Medienmanager hat bereits die Boulevardzeitung „Blick“ digitalisiert. Den Erfolg soll er mit den anderen Produkten des Ringier-Verlags wiederholen.

Das Schweizer Verlagshaus Ringier soll künftig digitaler werden. ap

Das Schweizer Verlagshaus Ringier soll künftig digitaler werden.

Zürich/DüsseldorfDer Schweizer Verleger Michael Ringier will sein Haus aus der Abhängigkeit vom klassischen Zeitungsgeschäft („Blick“, „Cicero“) führen. Und dafür setzt er auf einen, der beide Seite kennt, den Verlag und die Redaktion: Marc Walder.

Der 46-Jährige war vor Ostern überraschend zum Nachfolger von Christian Unger bestimmt worden. Einst verantwortlich für die Märkte Schweiz und Deutschland, hat Walder heute in seiner neuen Rolle als Vorstandschef seinen ersten großen Auftritt. Er präsentiert die Jahreszahlen für 2011 – und die dürften wieder solide ausfallen, auch wenn der starke Schweizer Franken den Gewinn belasten dürfte.

Sein Blick muss jedoch nach vorne gehen. Von Walder wird nichts Geringeres erwartet als die digitale Transformation des Verlags. Wie so etwas aussieht, hat er mit der „Blick“-Gruppe vorgeführt. Die größte Zeitung der Schweiz ist heute über fünf Vertriebskanäle für den Leser verfügbar. So können 2,5 Millionen Kontakte im Paket vermarktet werden.

Walder ist Eidgenosse und spielte in jungen Jahren für die Schweiz um den Tennis-Daviscup. Mit ihm sitzt ein langjähriger Kenner des mit 1,3 Milliarden Franken Umsatz größten Schweizer Medienunternehmens auf dem Chefsessel. Sein Vorgänger, der Deutsche Unger, war der erste Ausländer an der Spitze des Traditionshauses. Wie es in der Schweiz heißt, musste Unger gehen, weil er nie richtig in dem Familienunternehmen angekommen sei.

Marc Walder hingegen kennt bei Ringier alle, vom Pförtner bis zum Verleger Michael Ringier. 1991 hatte er als Praktikant in der Sportredaktion des Boulevardblatts „Blick“ angefangen. Er stieg Posten für Posten auf. Nach einer Zeit als Chefreporter leitete er die „Schweizer Illustrierte“, später den „Sonntags-Blick“. 2008 vertraute ihm Michael Ringier dann die Leitung des Schweizer Stammgeschäfts an. Mit dem Verleger spielt der Ex-Profi regelmäßig Tennis. Weggefährten beschreiben Walder als „offen und angenehm“. Und: Der neue Ringier-Chef weiß, wo er hinwill: Während eines Redaktionsbesuches beim Handelsblatt machte er deutlich, dass er neue Wachstumsmärkte erschließen will: „Wir prüfen, den Fernsehbereich weiter auszubauen.“ Beispielsweise durch die Übernahme eines Senders wie Tele-Züri.

Im Fernsehgeschäft spielt der Konzern bisher nur eine bescheidene Rolle. So ist Ringier unter anderem zu 40 Prozent an Sat1 Schweiz beteiligt. Daneben gehören zu Ringier der Ticket-Vermarkter Ticket-Corner und Portale wie „Autoscout24“. Zwei Drittel des Umsatzes kommen bis heute aus dem Printgeschäft.

Und nicht alle Online-Engagements entwickeln sich zufriedenstellend. Sorgen bereitet laut „Handelszeitung“ etwa das Mittelstandsverzeichnis „Gate24“.

Es wird erwartet, dass Walder bei den Beteiligungen aufräumt, um die angestrebte Umsatzrendite von 15 Prozent zu erreichen.

Kommentare (1)

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eagleeye

23.04.2012, 19:22 Uhr

es ist mehr als bedenklich wenn Ringier jetzt auch noch eine TV-Station übernimmt und diese für ihre Zwecke missbraucht. Ringier ist zum Unterhaltungskonzern mutiert und hat aus vielen verschiedenen Sparten FIrmen zusammengekauft welche nun sich so gut in sich geschlossen ergänzen, dass eine unabhängige und objektive Berichterstattung bei Ringier nicht mehr möglich ist.
Beispiel: Klitschko Kampf in Bern. Organisiert von Infront Ringier, die Tickets werden über die Ringier-Tochter Ticketcorner verkauft und als Medienpartner treten die Ringier-Radios Energy auf. Ringier pusht diesen Event nun über alle verfügbaren Kanäle als Riesen-Ereignis, und Sportevent des Jahres, und macht selbst das grosse Geld mit dem Event. Genau gleich mit allen Konzerten die von der Ringier Tochter "Good NEws" organisiert werden. Ringier nutzt dies jeweils wirklich vollumfänglich aus und hat noch nie etwas kritisches über die Events seiner Töchter berichtet.
Ganz schlimm war es als der Bundesrat das Ringier Radio Energy abschalten wollte, und der Blick eine riesig Schmutzkampagnie gegen den dafür zuständigen Bundesrat führte... Gleichzeitig betont Ringier aber wie unabhängig alle Ringier Medien doch arbeiten würden... meiner Meinung nach geht dies überhaupt nicht auf, und wird noch katastrophaler wenn Ringier dann auch noch über einen eigenen Fernsehkanal verfügt!

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