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10.02.2014

14:46 Uhr

Schweizer Zuwanderungsdebatte

Lufthansa-Chef Franz hofft auf „Augenmaß“

VonPatrick Schwarz, Tobias Döring

ExklusivIm März soll Lufthansa-Chef Christoph Franz an die Spitze des Verwaltungsrats des Schweizer Pharmariesens Roche gewählt werden. Der Volksentscheid zur Zuwanderung besorgt den Grenzgänger. Die Wirtschaft ist aufgebracht.

Lufthansa-Chef Christoph Franz wechselt zum Pharmakonzern Roche: „Die schweizerische Wirtschaft braucht hoch qualifizierte Mitarbeiter aus der Schweiz und aus anderen Ländern.“ dpa

Lufthansa-Chef Christoph Franz wechselt zum Pharmakonzern Roche: „Die schweizerische Wirtschaft braucht hoch qualifizierte Mitarbeiter aus der Schweiz und aus anderen Ländern.“

DüsseldorfLufthansa-Chef Christoph Franz ist ein großer Schweiz-Liebhaber. Seine Familie lebt seit Jahren dort, im Frühjahr wechselt der Manager auch beruflich in die Alpenrepublik und wird Verwaltungsratspräsident des Pharmakonzerns Roche. Am Sonntag haben die Schweizer eine Entscheidung getroffen, die Franz in seinem neuen Posten direkt betrifft. Mit knapper Mehrheit stimmten die Eidgenossen für beschränkte Kontingente für Zuwanderer und ausländische Arbeitskräfte im Land.

Binnen drei Jahren muss das Abstimmungsergebnis umgesetzt werden. Der Wechsel des Deutschen Franz in die Schweiz wäre in Zukunft also nicht mehr ohne Weiteres möglich. „Ich respektiere das Abstimmungsergebnis der Schweizer Bevölkerung“, sagt Christoph Franz zu Handelsblatt Online. „Es kommt aber jetzt darauf an, dass dies mit Augenmaß umgesetzt wird, damit die Schweizer Wirtschaft sich weiter so gut entwickeln kann wie bisher.“

Der zukünftige starke Mann beim Pharmariesen Roche ist besorgt: „Die schweizerische Wirtschaft braucht auch in Zukunft hoch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Schweiz und aus anderen Ländern.“

Ausländische Führungskräfte in der Schweiz

Ausländer in Schweizer Großkonzernen

Ausländeranteil in den Führungsetagen der 100 größten Schweizer Unternehmen:

45 Prozent

Quelle: Schilling Report 2013

Ausländer unter Neuberufungen

Ausländeranteil der neu berufenen Geschäftsführungsmitglieder und Vorstände im Jahr 2013:

52 Prozent

Ausländer in Verwaltungsräten

In den Aufsichtsgremien (Verwaltungsräten) beträgt die Ausländerquote:

36 Prozent

Ausländeranteil der Vorstandschefs („CEOs“)

42 Prozent

Nach der Abstimmung ist die Wirtschaft im Land entsetzt, sie konnte mit ihren Gegenargumenten keine Mehrheit zustande bringen. Enttäuscht meldet sich der Schweizer Arbeitgeberpräsident Valentin Vogt im Schweizer Fernsehen und im Interview mit der „Neuen Züricher Zeitung“ zu dem Abstimmungsergebnis zu Wort. „Wir wollten die Schweizer mit sachlichen Argumenten überzeugen. Diese Punkte haben nicht so gezogen wie die emotionalen Gegenargumente“, sagt Vogt.

Die schlechteste Nachricht für die Wirtschaft sei die Unsicherheit. Wenn Unternehmen in der Schweiz investieren, müsse auch sichergestellt sein, dass sie qualifiziertes Personal erhalten. „Kandidaten, die unter mehreren Angeboten auswählen können, werden das nicht mit sich machen lassen. Ich würde nicht kommen“, unterstreicht der Arbeitgeberpräsident. Für die stark exportorientierte Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie befürchtet er beträchtliche Nachteile im Handel mit der Europäischen Union. Die Politik müsse alles daran setzen, dass die bilateralen Verträge mit der EU intakt blieben.

Einen ähnlichen Ton schlägt die Gegenallianz der Initiative aus mehreren Schweizer Unternehmensverbänden ein. Das Ergebnis sei keine grundsätzliche Absage an die Verträge mit der EU. Man werde sich für eine maßvolle Ausgestaltung der Gesetze stark machen, schließlich verlange die Initiative ausdrücklich eine Orientierung an den gesamtwirtschaftlichen Interessen der Schweiz.

Kommentare (7)

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jerSEy.cotton@duchamp-re.name

10.02.2014, 13:47 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

10.02.2014, 13:56 Uhr

Das Schweizer Beispiel zeigt einmal mehr, dass man den dummen Plebs bei politisch wichtigen Entscheidungen von Tragweite niemals befragen darf.

Wenn Volksabstimmungen dann logischerweise nur gekoppelt mit einem einkommensabhängigen Stimmrecht (z.B. Teilnahme erst ab 100.000 € gezahlte Steuern/Jahr, und eine Zusatzstimme pro weitere 100.000 € gezahlte Steuern). Und natürlich auch kein Stimmrecht für alle Leistungsempfänger wie Rentner, Arbeitslose und sonst. Sozialschmarotzer um den Einfluss des verblödeten Pöbels möglichst gering zu halten.

Denn es gilt, keine Macht für arme und dumme Lohnsklaven. So einfach ist das. Over and out !

jerSEy.cotton@duchamp-re.name

10.02.2014, 14:00 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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