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04.04.2006

13:02 Uhr

Seifert-Buch: „Invasion der Heuschrecken“

Vater Staat, bitte hilf gegen Heuschrecken

Hilflos blickte Ex-Börsenschef Werner Seifert bei der Vorstellung seines Buches über die Heuschrecken drein, die ihn vor rund einem Jahr aus dem Amt gejagt haben. Frage um Frage beantwortete er mit sichtlich wachsender Abscheu vor seiner eigenen Ohnmacht, die Hedge-Fonds nicht in die Schranken gewiesen und die Londoner Börse nicht übernommen zu haben.

ben DÜSSELDORF. „Glauben Sie mir, wir haben alles geprüft, was wir hätten machen können“, sagte er am Schluss schon fast resigniert auf die x-te Frage zu möglichen Fehlern von seiner Seite.

Bemerkenswert waren die Vorschläge Seiferts dazu, wie der Gesetzgeber in Zukunft der Erpressbarkeit deutscher Firmen durch aggressive Minderheitsaktionäre vorbeugen könne. Bemerkenswert deshalb, weil der lange als Alleinherrscher der Börse verschriene Seifert in seinem am Montag erschienenen Buch „Invasion der Heuschrecken“ für stärkere Einbeziehung der Aktionäre in Entscheidungen plädiert. Er schlägt etwa eine Gesetzesänderung vor, durch die Aktionärsabstimmungen über eine Akquisition möglich werden. Dies hatten die Hedge-Fonds bei dem von ihm geplanten Kauf der Londoner Börse (LSE) immer gefordert. Seifert hatte es unter Verweis auf deutsches Recht genauso abgelehnt, wie eine schnelle Einberufung einer Hauptversammlung. Das Ende vom Lied war, dass er die LSE nicht übernahm und auf Druck der Hedge-Fonds entlassen wurde.

Trotzdem scheint ein Verfechter des freien Marktes wie Seifert angesichts einer solchen Niederlage nicht ohne den Ruf nach Vater Staat auszukommen. „Wir haben unseren Markt nach angelsächsischen Vorbild dereguliert ohne deren Schranken einzubauen“, sagte er. Im Kern forderten er und Mitautor Hans-Joachim Voth zwei Neuregelungen. Die Finanzmarktaufsicht BaFin müsse nach dem US-Vorbild SEC gestärkt und eine Eigenkapitalgrenze für Unternehmen eingeführt werden. Nur eine starke BaFin könne verhindern, dass Minderheitsaktionäre ungestraft ein Unternehmen ausplünderten. Ohne das Recht auf Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmung von Computern habe die Prüfung, ob sich die Hedge-Fonds illegal und gemeinschaftlich der Börse bemächtigt hätten (juristisch „Acting in Concert“), nur formalen Wert gehabt.

Außerdem müsse der Gesetzgeber verhindern, dass Unternehmen gezwungen würden, sich für die Auszahlung einer Dividende bis über beide Ohren zu verschulden. Dazu sei – ähnlich wie bei Banken – eine Mindestkapitalausstattung gesetzlich zu fixieren. Experten stimmten seiner Analyse zu, befanden viele Vorschläge aber als wenig praktikabel. „Aus meiner Sicht ist der einzige Weg, bei Verdacht auf Acting in Concert die Beweislast den Fonds aufzubürden“, sagte Kapitalmarktexperte Dirk Schiereck von der European Business School. Anders sei global agierenden, aggressiven Investoren nicht beizukommen.

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