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21.01.2005

09:31 Uhr

DÜSSELDORF. Luxemburg ist ein kleines Paradies. Das Großherzogtum besitzt sowohl steuerliche als auch kulinarische Vorteile. Beides weiß Thomas Rabe zu schätzen. Der schlanke Finanzvorstand von Europas größtem Fernseh- und Radiokonzern, RTL Group, kennt die guten Feinschmecker-Adressen bestens. Am liebsten isst er mediterran im „Lagura“ am Rande der Altstadt.

Doch schon Ende des Jahres muss der Deutsche auf die Vorzüge des Ministaates verzichten. Denn Rabe soll Finanzvorstand beim Medienkonzern Bertelsmann im ostwestfälischen Gütersloh werden. Der 39-Jährige soll die Nachfolge von Siegfried Luther antreten. Das gilt in Kreisen des Medienkonzerns als sicher. Noch ist nichts offiziell. Erst im Juli solle der Aufsichtsrat grünes Licht geben, heißt es in der Bertelsmann-Zentrale.

Konzernchef Gunter Thielen hat Rabe als Finanzchef der börsennotierten Bertelsmann-Beteiligung RTL Group schätzen gelernt. Sollte der in Gütersloh wenig geliebte Gesellschafter Albert Frère tatsächlich einen Börsengang von Bertelsmann verlangen, hätten die Gütersloher mit Rabe einen Finanzvorstand, der mit dem komplizierten Räderwerk eines börsennotierten Mediengiganten gut umgehen kann.

Ähnlich wie Luther, einst einer der engsten Vertrauten des Firmenpatriarchen Reinhard Mohn, ist Rabe ein stiller Zahlenmensch. Und genauso wie Luther gelingt es Rabe, schnell Vertrauen aufzubauen. In der Belegschaft kommt er gut an. „Er ist unser bester Mann. Er hat am Standort Luxemburg für ein erheblich besseres Betriebsklima gesorgt“, sagt ein RTL-Mitarbeiter, der Rabe seit Jahren kennt.

Als Gerhard Zeiler im März vergangenen Jahres zum Vorstandschef der RTL Group aufstieg, war Rabe wenig erfreut. Denn der Finanzvorstand wäre am liebsten selbst Chef der Holding geworden. Doch ihm fehlte der entsprechende Rückhalt in der Gütersloher Konzernzentrale. Das hat Rabe begriffen. Mittlerweile ist er in Gütersloh ein vertrautes Gesicht. „Sein Rückhalt ist riesengroß“, sagt ein Insider. Auch Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn schätzt den Finanzvorstand mit den feinen Manieren. Thomas Rabe ante portas.

Der promovierte Diplom-Kaufmann, der seine Wochenenden am liebsten in seiner Berliner Zweitwohnung unweit des pittoresken Gendarmenmarktes verbringt, hat in den vergangenen vier Jahren hart gearbeitet. Im Auftrag Zeilers kümmerte er sich um den Verkauf von Europas größtem Sportrechtevermarkter Sportfive an den Finanzinvestor Advent International. Innerhalb weniger Monate hat Rabe, der Französisch und Englisch fließend spricht, sich auch Spanisch angeeignet, um im Aufsichtsrat des Madrider Fernseh- und Radiokonzerns Antena 3 mitreden zu können. Damit macht der polyglotte Manager beim Gesellschafter in der ostwestfälischen Provinz Eindruck.

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