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24.01.2005

07:06 Uhr

Seine Nase für richtige Entscheidungen wird er beim Prestigeprojekt WM 2006 gut gebrauchen können

Das Karten-Haus des Schulabbrechers

VonAxel Postinett

Jeder Fußballfan kennt ab heute Klaus-Peter Schulenberg: Er verantwortet den Vorverkauf für die WM 2006.

BREMEN. In hanseatischen Kaufmannskreisen geht man traditionell nur Risiken ein, die man wirklich nicht vermeiden kann. Und deshalb hat Klaus-Peter Schulenberg vorgesorgt: mit 15 000 zusätzlichen Internetservern.

Sie wird sein Unternehmen CTS Eventim in genau einer Woche vermutlich dringend brauchen. Denn Schulenberg ist der Herr der Karten für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland.

Heute wird das WM-Organisationskomitee die Details des Vorverkaufs bekannt geben und damit auch für Schulenberg und seine Leute endgültig die Vorgaben setzen, an denen sie gemessen werden.

Am 1. Februar beginnt die erste Phase des Vorverkaufs, Millionen Fußballfans werden sich schon am frühen Morgen auf den Internetseiten der Fifa einloggen, ein Absturz würde dem Turnier die ersten bösen Schlagzeilen bescheren.

Die neuen Server sind deshalb das digitale Überlaufbecken. Sie sammeln die Anfragen und leiten sie geordnet zur Abarbeitung an die Rechner von Schulenbergs Ticketvermarkter CTS-Eventim weiter.

Funktioniert alles reibungslos, würde das den ehrgeizigen Studienabbrecher und Selfmademan ins internationale Rampenlicht rücken. In zäher Kleinarbeit hat Schulenberg aus seinem Hobby während der Schulzeit einen der erfolgreichsten Konzert- und Ticketvermarkter der Welt geschmiedet und an die Börse gebracht. Über 70 000 Veranstaltungen pro Jahr werden gemanagt. Jetzt tönt er: „Das wird die erste Fußball-WM, bei der der Ticketverkauf auch funktioniert.“ Der Mann hat sich eine Menge vorgenommen.

„Das ist ein Mensch, der schnell Tacheles redet“, bestätigt Jens Michow vom Bundesverband für Veranstaltungswirtschaft. Er hat Schulenberg vor 35 Jahren kennen gelernt. Damals trafen sich die beiden Nachwuchsagenten auf der Insel Amrum, wo sie mit ihren Schlagersternchen an einem Sylvesterprogramm für Radio Bremen mitwirkten. An die äußerst ungemütliche, kalte und verregnete Sylvesteraktion mit ihren Künstlern Eva Maria (Michow) und Bernd Clüwer (Schulenberg) erinnert er sich nicht mehr ganz so gerne. Um so lieber an Schulenberg selber, dem er auch heute noch im Verband öfters begegnet. „Schulenberg hat die Härte und Konsequenz, die manch anderem in der Branche fehlt“, sagt er.

Michow erinnert sich an eine Geschichte aus dem Jahr 2003, als Schulenberg das Angebot für die Tournee eines internationalen Top-Acts zur Überraschung der Branche konsequent ausgeschlagen hat: „Die Forderungen waren ihm einfach zu hoch, und wenn er erst einmal Nein gesagt hat, kann man ihn auch nicht mehr umstimmen.“

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