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19.01.2015

12:35 Uhr

Selbstversorger beim Strom

Bye, bye Netz

VonDana Heide

Experten erwarten, dass auch in den nächsten Jahren immer mehr Stromverbraucher das Netz verlassen werden. Nicht nur das könnte zu größerer Unsicherheit bei der Versorgung führen.

Installation einer Solaranlage: Immer mehr Privathaushalte versorgen sich selbst mit Strom. dpa

Installation einer Solaranlage: Immer mehr Privathaushalte versorgen sich selbst mit Strom.

Düsseldorf Für die Versorger sind sie ein Albtraum: Menschen und Unternehmen, die sich selbst mit Strom versorgen und Energie aus dem allgemeinen Netz nur noch in Ausnahmefällen nutzen. Bereits jetzt beträgt der Anteil der Selbstversorger in der Industrie laut einer Erhebung des DIW und des Energiewirtschaftlichen Instituts Köln zwischen 10 und 18 Prozent. Unter den Privathaushalten sind es, gemessen am Nettostromverbrauch, zwar erst 0,5 Prozent, die sich selbst mit Strom versorgen. Experten erwarten aber, dass diese Zahl noch weiter steigen wird.

Die Unternehmensberatung Accenture interviewte für eine aktuelle Studie, die Handelsblatt Online vorliegt, 85 Manager von Energieversorgern aus 20 Ländern. Die Mehrheit der Befragten gab an, dass sie ein „signifikantes“ bis „moderates“ Risiko dafür sieht, dass sich ihre Kunden vom Netz verabschieden werden oder es nur noch als Back-up nutzen. 13 Prozent halten die Abwanderung in Europa für ein „signifikantes“ Risiko, 45 Prozent immerhin für ein „moderates“ Risiko. Für die USA sahen nur 3 Prozent ein „signifikantes“ Risiko für Verabschiedung der Stromkunden vom Netz, 63 Prozent fürchten ein „moderates“ Risiko.

Wieviel Erneuerbare die Energieversorger haben

RWE

Laut einer Studie, die die Umweltschutzorganisation Greenpeace Ende Februar 2014 veröffentlichte, hat von RWE in Europa produzierter Strom einen Anteil von Wasserkraft von 2 Prozent und einen Anteil von anderen Erneuerbaren Energien von weiteren zwei Prozent. Die Zahl bezieht sich auf die tatsächlich erzeugte Strommenge, nicht auf die Kapazitäten.

Eon

Der Düsseldorfer Energiekonzern Eon produziert insgesamt drei Prozent seines in Europa hergestellten Stroms aus Erneuerbaren Energien inklusive Windkraft und steht damit im Vergleich schlechter da als Konkurrent RWE.

Vattenfall

Der schwedische Konkurrent Vattenfall produzierte insgesamt vier Prozent seines Stroms in Europa mithilfe regenerativer Energiequellen.

EnBW

EnBW steht im Vergleich der großen vier Energieversorger in Deutschland am schlechtesten da. Das Unternehmen gewinnt nur insgesamt zwei Prozent seines Stroms europaweit aus erneuerbaren Quellen.

Dass immer mehr Menschen dem Netz abschwören und volatilere Energieströme durch Wind- und Solarkraft gemanagt werden müssen, hat Folgen. 53 Prozent der von Accenture befragten Energie-Manager rechnen mit einem signifikanten bzw. moderaten Anstieg von Netzstörungen auf Grund von großformatigen erneuerbaren Energien, wie etwa Offshore-Windkraft. 2013 hatte bei der gleichen Befragung erst ein Drittel diese Befürchtung.

61 Prozent erwarten von kleineren, verteilbaren erneuerbaren Energien ausgehend eine Gefährdung für die Netze, also einen moderaten bis signifikanten Anstieg von Störungen. Im Jahr 2013 teilten nur 41 Prozent der Befragten diese Einschätzung.

Kommentare (12)

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19.01.2015, 12:50 Uhr

KEIN EINZIGER VERBRAUCHER/EEG ABZOCKER WIRD DAS NETZ VERLASSEN bzw. HAT DAS STROMNETZ VERLASSEN!!!!
Die Energiewende ist nämlich auf dem perfiden und asozialen EEG Zwangsabgaben-Einspeise-Vergütungsgesetz aufgebaut. Um bei der Gesellschaft per EEG abzuzocken muss der EE-Strom in das Stromnetz eingespeist werden um dann die hochsubventionierte Einspeisevergütung zu bekommen. Oder wenn die Sonne mal nicht scheint (in der Nacht, bei Wolken, Schnee und Regen, dann benötigen diese Strom-Schmarotzer wieder das Netz der Kohle, Gas und Kernkrafterzeuger.

Herr Holger Narrog

19.01.2015, 13:19 Uhr

Die Aussage, dass sich immer mehr Verbraucher vom Stromnetz verabschieden ist bewusst falsch.

Technisch gesehen schwankt der Strombedarf eines Privathaushalts von nahe 0 bis ca. 5 kW wenn man nach Heimkehr Waschmaschine, Herd, Licht und Computer einschaltet. Bei Industriebetrieben gibt es ähnliche Schwankungen zu Schicht/Arbeitsbeginn. Eine Insellösung müsste sehr flexibel der Last folgen können, den Maximalbedarf abdecken und Reservekapazitäten vorhalten. Im Falle des Privathaushalts eine Kapazität von 2 x 5 kW bei einem Durchschnittsverbrauch von etwas über 100 W bereitstellen. Je grösser das Netz desto besser werden Verbrauchs- und Erzeugerschwankungen ausgeglichen. Moderne Grosskraftwerke mit optimalen Kosten können zum Einsatz kommen. Abseits abwegiger Regulierungen und Steuern ist es für keinen Verbraucher vorteilhaft auf die Netzanbindung zu verzichten.

Real fördert die aktuelle Gesetzgebung und Regulierung die Eigenstromerzeugung wobei sich keiner dieser Verbraucher vom Netz trennt. Regelmässig wird eine Verbindung zum Netz beibehalten und deren Kapazitäten als Ergänzung und Back-up genutzt.

Beispielsweise verbrauchen Privathaushalte einen geringen Teil des erzeugten, wertlosen und umweltschädlichen Solarstroms im eigenen Haushalt. Da die Vorhaltung des Netzes, der Frequenzstabilisierung und der Kraftwerkskapazitäten nicht in den Stromkosten berücksichtigt werden, schmarotzen diese Verbraucher zu Lasten der Allgemeinheit.


Herr Jens Muche

19.01.2015, 13:33 Uhr

„Bye, bye Netz“

Dann sollen sie diesen Schritt auch komplett vollziehen und sich nicht über das Netz rückversichern.
Heute in S-H „Sonnengewinn“ 14W/m², das reicht nicht einmal um Wasser zu kochen.
Ich ahbe nichts dagegen, wenn sich jemand Sonnenplatten auf sein Dach montieren läßt, um seinen Strom zu verbrauchen. Aber bitte auf eigene Kosten und nicht auf Kosten der Allgemeinheit, meine elektrische Eisenbahn muß ich auch selbst bezahlen.
Das EEG dient nichts anderem als den Herstellern, Vermarktern und Banken Geld zu generieren. Der Nutzen dieses politisch verordneten Unfugs ist gleich Null.

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