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30.06.2015

15:45 Uhr

Sexuelle Belästigung

Schwedin erstreitet 18 Millionen Dollar von Ex-Chef

Eine Schwedin wollte von ihrem ehemaligen Chef bei einer Wall-Street-Firma 850 Millionen Dollar. Er soll sie sexuell bedrängt und dann entlassen haben. Ein US-Gericht sprach ihr nun 18 Millionen Dollar zu.

Bouveng (vorne links) behauptete, ihr Ex-Chef habe sie sexuell benutzt, sie entlassen und dann auch noch ihren Ruf zerstört. ap

Hanna Bouveng

Bouveng (vorne links) behauptete, ihr Ex-Chef habe sie sexuell benutzt, sie entlassen und dann auch noch ihren Ruf zerstört.

New YorkKaum hatte sie ihren Job bei einer Wall-Street-Firma angetreten, begann ihr neuer Chef, ihr nachzustellen. Immer wieder fragte er die junge Schwedin, ob sie mit ihm Sex haben wolle, wie Hanna Bouveng erzählt. Sechs Monate später hatte sie keine Arbeitsstelle mehr. Benjamin Wey habe sie gefeuert, weil sie weitere sexuelle Kontakte abgelehnt und er einen Mann in ihrem Bett vorgefunden habe. Die 25-Jährige verklagte den Manager wegen sexueller Belästigung auf Zahlung von 850 Millionen Dollar.

Ein New Yorker Geschworenengericht sprach ihr nun am Montag 18 Millionen Dollar (rund 16 Millionen Euro) zu. Zwei Millionen Dollar seien Schadensersatz, weitere 16 Millionen Strafzuschlag wegen sexueller Belästigung und Verleumdung, hieß es. Die Klage der Körperverletzung gegen den 43-jährigen Vorstandsvorsitzenden der New York Global Group wies das Gericht aber zurück.

Bouveng stammt aus einer schwedischen Kleinstadt, hatte den großen Traum vom Job an der Wall Street. Sie behauptete, der verheiratete Wey, der aus China kommt, habe sie sexuell benutzt, sie entlassen und dann auch noch ihren Ruf zerstört. Er habe sie ständig bedrängt, mit ihm zu schlafen. Das sei dann schließlich auch geschehen. Als sie weitere private Treffen verweigerte und er auch noch einen anderen Mann in ihrem Bett vorfand - in der Wohnung, die er teilweise bezahlte - habe er sie sechs Monate später entlassen. In seinem Blog habe er seine Exmitarbeiterin als „Straßendirne“, „leichtes Mädchen“ und Erpresserin bezeichnet, erklärten ihre Anwälte.

Grundregeln für die Büro-Beziehung

Tratsch und Klatsch

Flirten Sie nicht ganz so ungehemmt wie sonst. Jede Firma hat ihren Tratsch und Klatsch und Ihrer beruflichen Reputation wird es nichts nützen, wenn Sie die Medaille für den „Flirt des Jahres“ bekommen.

Zurückhaltung, bitte!

Wenn Sie gezielt auf der Suche nach kurzfristigen Affären sind, so suchen Sie sich lieber ein anderes Spielfeld dafür.

Keine Vorteile

Verschaffen Sie sich durch einen Flirt oder eine Beziehung keine Vorteile am Arbeitsplatz.

Bleiben Sie professionell

Bleiben Sie auch in einer Beziehung professionell und behandeln Sie den anderen im beruflichen Kontext als Kollegen, Einkäufer, Dienstleister oder was auch immer und nicht als Partner. Wenn Sie das nicht schaffen, weil Sie dann zum Beispiel nicht so hart verhandeln können, dann lassen Sie sich in diesen Situationen vertreten oder Sie lassen sich ganz versetzen.

Missverständnisse vermeiden

Lassen Sie besondere Vorsicht und Sorgfalt walten, wenn es sich um einen Flirt und vielleicht mehr mit einem Vorgesetzten oder Untergebenen kommt. Hier ist es besonders wichtig, von vornherein dafür zu sorgen, dass es keine Missverständnisse gibt und sich Dienstliches nicht mit Privatem vermischt.

Händchen halten

Achten Sie auch in einer besonders verliebten Phase auf Ihre Kommunikation und Ihr Verhalten vor Kollegen. Händchen haltenden Kollegen sind nicht unbedingt gerne gesehen.

Auf die Arbeit konzentrieren

Denken Sie daran, dass es Ihre bezahlte Arbeitszeit ist, die Sie im Unternehmen verbringen und dass Sie sich selbst große Probleme bereiten können, wenn Sie zu oft im Gespräch mit Ihrer neuen Liebe gesehen werden. Bedenken Sie auch, dass Ihre E-Mails gelesen werden könnten!

Zum richtigen Zeitpunkt öffentlich machen

Überlegen Sie gut, wann ein geeigneter Zeitpunkt ist, die Kollegen darüber zu informieren, dass Sie nun ein Paar sind. Warten Sie auf jeden Fall einige Zeit ab, bis Sie diesen Schritt tun. Sie beide sollten sich sicher sein, dass Sie nun in einer festen Beziehung sind. Dann ist es auch wichtig, sich dazu zu bekennen, um eventuelle Gerüchte nicht erst aufkochen zu lassen und auch vorzubeugen, dass man Ihnen Interessenskonflikte vorwerfen könnte.

Gefühle sind Privatsache

Sprechen Sie mit Kollegen nicht ausführlich über Ihre Beziehung und Ihre Gefühle – weder in einer frisch verliebten Phasen, noch wenn Sie sich doch trennen sollten. Bleiben Sie professionell, lächeln Sie und biegen Sie das Gespräch in eine andere Richtung, falls die Fragen zu hartnäckig sind.

Kommen und gehen

Achten Sie darauf, nicht zusammen zu kommen und zu gehen, wenn Sie noch kein offizielles Paar sind.

Arbeitsessen oder Date?

Sorgen Sie auch bei sich selbst dafür, dass Ihnen in einer Phase des Kennenlernens klar ist, ob Sie nun ein Arbeitsessen oder ein „Date“ haben.

Betriebsfeste

Weihnachtsfeiern oder andere Betriebsfeste sind keine gute Möglichkeit, nach einigen Gläsern Wein all seinen Mut zusammen zu nehmen und vor der reizenden Kollegin aus der Buchhaltung auf die Knie zu sinken um ihr endlich zu sagen, wie wunderbar sie ist.

Die Zeit nach der Beziehung

Bedenken Sie bei einer Beziehung im beruflichen Umfeld immer deren mögliche Endlichkeit (auch wenn das nicht sehr romantisch ist), schließlich wird inzwischen rund jede zweite Ehe geschieden. Das Haltbarkeitsdatum für Beziehungen ist also zumindest im Durchschnitt noch kürzer. Bedenken Sie einfach die Konsequenzen, was das für Konsequenzen für Sie, Ihren Beruf und Ihre Karriere hat, wenn Sie Ihre Beziehung nun öffentlich machen und diese in sechs Monaten wieder zu Ende ist. Die Erfahrung lehrt, dass Frauen meist den Kürzeren ziehen und mit negativen Folgen rechnen müssen.

Quelle: Nandine Meyden, „Karrierekiller. Versteckte Fallen auf dem Weg nach oben“, Berlin 2011, ISBN: 978-3-430-20118-6

Wey sagte dagegen, sexuelle Kontakte habe es nicht gegeben. Bouveng sei wegen schlechter Arbeitsleistung entlassen worden und habe daraufhin versucht, ihren ehemaligen Arbeitgeber zu erpressen. Er zeichnete das Bild einer opportunistischen Frau. Sie habe damit geprahlt, wie wohlhabend ihre Familie sei, aber nichts über die Finanzwelt gewusst, bevor er sie eingestellt und unter seine Fittiche genommen habe. Sie habe seine Großzügigkeit ausgenutzt und sei ständig auf Partys unterwegs gewesen. Tagsüber sei sie dann zu verkatert und übermüdet gewesen, um sich noch die notwendigen Kenntnisse für ihren Job anzueignen.

Bouveng wuchs im schwedischen Vetlanda auf. Der Familie ihrer Mutter gehörte ein Aluminium-Werk mit 20.000 Mitarbeitern, der Vater war Finanzchef einer anderen Firma und die Tante saß im schwedischen Parlament. „Ihr Traum war es, an der Wall Street zu arbeiten“, sagte ihr Anwalt David Ratner vor den Geschworenen.

Seine Mandantin habe 1.800 Dollar pro Monat verdient, erklärte Ratner weiter. Sie habe befürchtet, ihr Arbeitsvisum zu verlieren, als ihr Vorgesetzter seine Avancen begann. An einem Abend im Januar sei es dann zum Sex in ihrer Wohnung gekommen, die 3.600 Dollar pro Monat kostete. Zu der Zeit wollte Wey demnach die Verbindungen seiner Mitarbeiterin nutzen, um eine kleine schwedische Versicherung aufzukaufen.

Kommentare (1)

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Herr x y

30.06.2015, 19:34 Uhr

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