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30.04.2014

12:28 Uhr

Sicherheit

Die Angst der Unternehmen vor der Kamera

VonHagen Reiners

Erst Zalando, nun Burger King: Mit versteckter Kamera decken Reporter Arbeitsrechts- und Hygieneskandale auf. Die Technik macht es nicht nur den Journalisten einfacher, sondern auch Spionen. Zum Ärger von Unternehmen.

Alles im Blick: Viele Unternehmen überwachen das Werksgelände. Gegen versteckte Kameras und Mikrofone müssen sie sich aber mehr einfallen lassen. dpa

Alles im Blick: Viele Unternehmen überwachen das Werksgelände. Gegen versteckte Kameras und Mikrofone müssen sie sich aber mehr einfallen lassen.

DüsseldorfFür Zalando ist es ein enormer Image-Schaden: Die Journalistin Caro Lobig hatte aufgedeckt, dass der Online-Händler seine Mitarbeiter überwachte und mit den Leistungsdaten unter Druck setzte. Die Bilder für die RTL-Reportage filmte sie mit versteckter Kamera. Das Unternehmen klagt nun wegen des angeblichen Verrats von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen. Nur eine Woche später werden Hygienemängel bei der Fast-Food-Kette Burger King aufgedeckt. Am Montag strahlte RTL das Ergebnis der Recherchen aus - ebenfalls mit versteckter Kamera aufgenommen.

Die Recherchen der Reporter zeigen, wie einfach es mittlerweile geworden ist, in das Innerste einer Firma vorzudringen: Dank moderner Technik wird es immer leichter, mit Kameras oder Mikrofonen heimlich aufzunehmen, was sich innerhalb der Werksmauern und Labore tut. Dabei geht es meist nicht einmal um investigative Reporter, sondern im schlimmsten Fall um Wettbewerber und Geheimdienste.

Unerlaubte Eindringlinge und Datenklau können damit schnell zum Risiko für das eigenen Geschäft werden. Werkschutz und Detektive können den Spionen im eigenen Unternehmen zwar auf die Spur kommen – doch angerichtete Schäden lassen sich kaum beheben, und eine Erfolgsgarantie gibt es nicht.

Undercover-Reporterin Lobig: „Die Zalando-Mitarbeiter sind skeptisch“

Undercover-Reporterin Lobig

„Die Zalando-Mitarbeiter sind skeptisch“

Zwei Monate recherchierte die Reporterin Caro Lobig verdeckt in einem Logistikzentrum von Zalando. Im Interview spricht sie über ihre Zusammenarbeit mit Günter Wallraff und die Reaktion von Zalando auf den Bericht.

Auch bei Zalando wurden die Mitarbeiter beispielsweise regelmäßig mit einem Metalldetektor überprüft - doch enttarnt wurde sich nicht. „Natürlich gab es da schon knifflige Situationen“, erzählt Undercover-Reporterin Lobig im Interview mit Handelsblatt Online. Doch sie habe es immer wieder geschafft, die Kontrollen zu passieren. Auch Überwachungskameras seien kein großes Problem gewesen. „Zur direkten Gefahr für meine Recherche wurden diese Systeme nicht“, so Lobig.

Wenn eine konkrete Person unter Verdacht ist, haben es die Privatermittler leichter. Sie verschaffen sich dann zunächst online einen Eindruck. „Das Internet gibt mittlerweile sehr viele Informationen her, und viele Menschen gehen sehr unachtsam mit ihren persönlichen Daten um“, erklärt ein Mitarbeiter der Detektei Kubon in Bonn, der in der Abteilung für Wirtschaftsspionage arbeitet und nicht namentlich genannt werden möchte. „Auf Facebook oder anderen Seiten findet man unter Umständen schon Hinweise.“

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