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16.04.2011

14:43 Uhr

Sieben Tote nach Brand

Gefängnisstrafe für Thyssen-Manager

Ein deutscher Spitzenmanager von ThyssenKrupp ist in Italien zu einer Haftstrafe von mehr als 16 Jahren verurteilt worden. Das Gericht hatte Harald Espenhahn wegen Totschlags mit bedingtem Vorsatz schuldig gesprochen.

ThyssenKrupp will gegen das Urteil gegen die sechs Manager in Berufung gehen. Quelle: dapd

ThyssenKrupp will gegen das Urteil gegen die sechs Manager in Berufung gehen.

Turin/EssenDrei Jahre nach einem verheerenden Brand in einem italienischen ThyssenKrupp-Werk mit sieben Toten ist ein deutscher Spitzenmanager der Firma zu 16 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Ein Geschworenengericht in Turin sprach Harald Espenhahn am Freitagabend des Totschlags mit bedingtem Vorsatz in erster Instanz schuldig, wie italienische Medien berichteten. ThyssenKrupp bezeichnete das Urteil als „unverständlich und nicht nachvollziehbar“. „Wir werden auf jeden Fall in Berufung gehen“, sagte ein Unternehmenssprecher am Samstag.

In seinen Leitlinien habe der Konzern festgelegt, dass Arbeitsschutz neben Qualität und Erfolg ein gleichrangiges Unternehmensziel sei und alles für die Sicherheit der Mitarbeiter getan werde. In einer schriftlichen Stellungnahme bedauerte das Unternehmen den „tragischen Unfall“.

Das Feuer und die Explosion ereigneten sich in einem Werk in Turin am 6. Dezember 2007. Danach hieß es damals, die Sicherheitsvorkehrungen seien völlig unzureichend und die Feuerlöscher unbrauchbar gewesen.

Neben Espenhahn waren fünf weitere Manager der ThyssenKrupp-Tochter AST wegen des folgenschweren Brandes im Dezember 2007 der fahrlässigen Tötung angeklagt. Erstmals in der italienischen Justizgeschichte wurde aber ein Firmenleiter nach einem tödlichen Arbeitsunfall wegen Totschlags mit bedingtem Vorsatz verurteilt.

Auch die übrigen fünf Angeklagten erhielten hohe Freiheitsstrafen von 13 Jahren und sechs Monaten sowie von zehn Jahren und zehn Monaten. Mit dem Strafmaß für den Firmenchef und die meisten Angeklagten folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Die Verteidiger nannten das Urteil unverständlich und unerklärlich.

Die Anklage sprach von einer „bewussten Fahrlässigkeit“, denn das Unternehmen hätte in den Brandschutz investieren müssen, dies aber nicht getan und damit auch die Gefahr eines Feuers hingenommen. Der Edelstahlproduzent muss eine Million Euro Strafe zahlen und sechs Monate auf Subventionen und auf Werbung verzichten, so das Gericht.

Die Flammentragödie von Turin hatte die in Italien bereits heftige Diskussion um Sicherheit am Arbeitsplatz damals noch verstärkt und dabei auch einige anti-deutsche Ressentiments freigesetzt. Die sieben Männer waren bei lebendigem Leib in einer „ungewöhnlichen Flammenwelle verbrannt“, wie es der einzige überlebende Arbeiter und Augenzeuge des Infernos beschrieb.

Gewerkschafter und Angehörige der Opfer werteten das Urteil als einen großen Sieg der Gerechtigkeit. Sie feierten vor allem die Tatsache, dass der Vorstandschef des Edelstahlunternehmens nicht allein wegen fahrlässiger Tötung zur Rechenschaft gezogen wird. Im Saal des Justizpalastes flossen nach der Urteilsverkündung Tränen.

 

Von

dpa

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