Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.04.2006

12:52 Uhr

Siegerlächeln

Leo Kirch freut sich und kämpft weiter

VonChristoph Hardt

Offiziell heißt die Botschaft, Leo Kirch habe die Nachricht vom Rückzug Rolf Breuers schlicht „zur Kenntnis genommen“. Inoffiziell besteht kein Zweifel, dass Leo Kirch sein Münchener Büro am Montagmorgen lächelnd betreten hat.

MÜNCHEN. Wenn der gescheiterte Medienunternehmer in den vergangenen Monaten ein Ziel verfolgt hat, dann das, Rolf Breuer als Aufsichtsratschef der Deutschen Bank unmöglich zu machen. Diese Trophäe hat er nun.

Kirchs Vehikel gegen den Mann, den er bis heute „den Rolf“ nennt, waren die Anwälte. Auf mehreren Ebenen und Instanzen hat er Breuer attackiert, am erfolgreichsten zuletzt vor dem Bundesgerichtshof. Am 24. Januar sprach dieser Kirch partiell Schadenersatzansprüche zu und deutete an, Breuer könnte „Treuepflichten“ gegenüber Kirch verletzt haben.

Seither hat sich der Druck auf den Banker verstärkt, Kirchs Umgebung deutete gestern an, der Rücktritt sei alles andere als überraschend, Breuer schlicht untragbar geworden. Vor wenigen Wochen hatte Kirch ein Gutachten, das er beim Freiburger Strafrechtler Klaus Tiedemann in Auftrag gegeben hatte, an den Aufsichtsrat verschickt. Darin schrieb Tiedemann, das Interview Breuers, in dem dieser sich kurz vor der Kirch-Pleite 2002 kritisch zu dessen Finanzen geäußert hatte, sei als „gravierendes Wirtschaftsdelikt“ einzustufen. Zwar zählt das Gutachten nach Ansicht der Deutschen Bank zu den Schriftsätzen, die Kirch nur zu dem Zweck hat erstellen lassen, um Unruhe zu stiften. Doch die Stimmung im Aufsichtsgremium hat das Papier nicht verbessert.

Die Behauptung des Kirch-Umfelds, der Rückzug Breuers habe mit den Einladungen der Deutschen Bank zur Hauptversammlung zu tun, widerspricht die Bank nicht. Breuer habe dem Haus die Diskussion nicht mehr zumuten und die Angelegenheit noch vor der Versammlung am 1. Juni klären wollen. Die Kirch-Anwälte hatten erneut mit Anfechtungsklagen gedroht, sollte Breuer die Versammlung leiten.

In der Bank hofft man nun, dass die Diskussion mit dem Rückzug des Aufsichtsratschefs zur Ruhe kommt. Kirch selbst will juristisch weiterkämpfen. Die Leistungsklage, die die Schadensersatzansprüche konkretisieren soll, ist aber immer noch nicht fertig. Vermutungen gehen dahin, Kirch warte nach dem Rückzug Breuers auf ein Vergleichsangebot aus Frankfurt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×