Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.07.2013

05:00 Uhr

Siemens-Chefaufseher unter Druck

Rücktrittsforderungen an Cromme

Wegen der Ablösung von Siemens -Chef Löscher gerät nun auch Aufsichtsratschef Cromme unter Druck. Nicht nur Aktionärsschützer stellen sich gegen ihn, auch Aufsichtsratskollegen rebellieren.

Führungschaos bei Siemens

Handelsblatt-Experte: Keine Ruhe bei Siemens

Führungschaos bei Siemens: Handelsblatt-Experte: Keine Ruhe bei Siemens

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

München/BerlinNach dem für Mittwoch angekündigten Aus für Siemens-Chef Peter Löscher haben Aktionärsschützer auch den Rücktritt von Aufsichtsrat-Chef Gerhard Cromme gefordert. "Sollte Herr Löscher, wie oft kolportiert, es nie geschafft haben, Teil der Siemens-Familie zu werden und auf interne Auseinandersetzungen und Machtkämpfe gestoßen sein, so hätte der Aufsichtsrat das schon längst erkennen müssen und spätestens vor der letzten Vertragsverlängerung gegensteuern müssen", sagte Daniel Bauer, Vorstandsmitglied bei der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) Handelsblatt Online. Nun müsse man noch eine Millionen Euro teure Abfindung hinnehmen. Daher dürfe man die Rolle des Aufsichtsrates sicherlich kritisch betrachten. "Ein Neuanfang auch an dieser Stelle mit Personen, die ihre Aufgabe ernst nehmen und reagieren, bevor es zu spät ist, erscheint daher durchaus auch angebracht zu sein."

"Herr Cromme soll den Übergang an der Siemens-Spitze noch gut steuern und dann seine eigene Nachfolgeregelung in die Hand nehmen", sagte auch die Sprecherin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Daniela Bergdolt, der "Welt" vom Montag. Nur mit einem Wechsel auf den Chefsesseln von Vorstand und Aufsichtsrat habe Siemens wirklich die Möglichkeit für einen Neuanfang.

SdK-Vorstand Bauer verglich die Vorgänge bei Siemens mit dem Fußballgeschäft. Der Trainer werde gefeuert, wenn die Mannschaft nicht gewinnt. Es bleibe aber "klar festzuhalten, dass Herr Löscher als damals Außenstehender gute Arbeit in Bezug auf die Aufarbeitung der Korruptionsaffäre gemacht hat", betonte der Aktionärsschützer. Das er nun aufgrund mangelnder geschäftlicher Erfolge gehen muss, komme nicht überraschend. "Dabei macht uns weniger die Korrektur einer reinen Finanzprognose Sorgen, sondern vielmehr der Umstand, dass Siemens in mehreren Bereichen Probleme zu haben scheint, wie das Beispiel der ICE-Züge zeigt", sagte Bauer.

"Hierbei macht es manchmal den Eindruck, als ob Siemens "Technik nicht mehr kann"." Dafür sei aber sicherlich nicht alleine Löscher zuständig. "Dies trifft den gesamten Vorstand inklusive aller Segment-CEOs", so Bauer. "Denn die wesentlichen Entscheidungen werden nicht nur vom Vorstandsvorsitzenden alleine getroffen, sondern im Team erarbeitet."

Drei prominente Vertreter auf der Kapitalseite des Kontrollgremiums stören sich Insidern zufolge ebenfalls an der Art und Weise, wie Löscher herausgedrängt wird. Der frühere Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, Allianz-Chef Michael Diekmann und die Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller sind demnach gegen eine Ablösung auf der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch. Sie kritisieren das Verfahren der Absetzung als unwürdig für einen Weltkonzern, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Montag aus dem Umfeld des Unternehmens erfahren hat. Die Rede ist von einer "Nacht-und-Nebel-Aktion" oder gar von einem "Putsch" gegen Löscher.

Kommentare (17)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

30.07.2013, 07:07 Uhr

Nieten in Nadelstreifen
----------
Peter Löscher har sich stets bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden.
Gerhard Cromme hat Thyssen-Krupp die höchsten Verluste seiner Geschichte eingefahren (Brasilien, USA).
Er wird aber vom Patiarchen Berthold Beitz geschützt.
Und Joe Kaeser soll es jetzt wuppen. Aber da ist Ackermann dagegen. Ausgerechnet der Ackermann, der bisher keinen Skandal ausgelassen hat! (Libor, Euribor, Lebensmittel, Streumunition, Steueroasen, Steuerhinterziehung, Korruption, HRE, etc.). Er würde doch bestens zu Siemens passen.
Und dann noch das Merkel: "Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich besorgt um den Konzern. "Aus ihrer Sicht ist Siemens ein Flaggschiff der deutschen Wirtschaft, und deshalb ist es ihr wichtig, dass dieses Weltunternehmen wieder in ruhiges Fahrwasser gerät"."
Siemens war dereinst das "Flaggschiff" und stand für Inovation und "Made in Germany". Heute ist Siemens nur noch ein Schatten seiner selbst und steht für "Low-Tech".
Siemens ist der nächste "Pleitekanditat" in Deutschland!

Rene

30.07.2013, 07:22 Uhr

Cromme und Löscher - katastrophal. In der Marktwirtschaft gehört Versagen abgestraft und nicht mit Millionen versüßt.

Mir tuen die Mitarbeiter leid, die wegen des Dilletantismus' ihren Job verloren haben.

ein_EX-Siemensianer

30.07.2013, 08:03 Uhr

Danke.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×