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16.08.2015

20:37 Uhr

Singapore Post

Neuanfang mit Bier und Kickertisch

VonMathias Peer

Ein Österreicher baut Singapurs 200 Jahre alte Post zum Internet-Start-up um. Unter anderem verkauft der Konzern Unterwäsche im Webshop. Die radikalen Ideen von Firmenchef Wolfgang Baier zeigen bereits erste Erfolge.

Der Österreicher baut das Postunternehmen zum Internethändler um. Singapore Post

Wolfgang Baier

Der Österreicher baut das Postunternehmen zum Internethändler um.

SingapurWolfgang Baiers neue Strategie für die Singapurer Post beschert dem Unternehmen eine ungewöhnliche Mitarbeiterin: Ein russisches Fotomodel kommt seit kurzem an den Wochenenden in die Büroräume des südostasiatischen Logistikkonzerns und posiert mit Dessous des Schweizer Herstellers Triumph für die Kamera. Unter der Woche bearbeitet Fotograf Dan dann die Bilder für den lokalen Online-Shop der Unterwäschemarke. Normalerweise lichtet er vorwiegend Sportschuhe ab. „Die Arbeit mit den Models ist da eine angenehme Abwechslung.“

Zu verdanken hat er sie seinem Chef aus Österreich. Vor vier Jahren übernahm Baier, ein ehemaliger McKinsey-Berater, die Führung der Singapore Post und verordnete dem Unternehmen einen Kurswechsel, den er selbst als radikal bezeichnet. Weil das klassische Briefgeschäft rapide schrumpft, möchte er das Unternehmen zum führenden E-Commerce-Dienstleister der Region umformen.

Expansion in Deutschland: Schweizer Post auf Abwegen

Expansion in Deutschland

Premium Schweizer Post auf Abwegen

Die Schweizer Post versucht sich in Deutschland als externer Dienstleister. Für viele Dax-Konzerne bearbeitet sie eingehende Postsendungen, Urlaubsanträge oder Spesenquittungen. Das Risiko ist allerdings hoch.

„Anfangs wurden wir dafür ausgelacht“, sagt Baier. Dass ein ehemaliger Staatskonzern, dessen Wurzeln fast 200 Jahre bis zur britischen Kolonialzeit zurückreichen, sich als Internetfirma neu erfindet, hätten Branchenkollegen als wenig aussichtsreich erachtet. „Nach den ersten Erfolgen, sieht das inzwischen anders aus.“

Baiers Geschäftsidee ist eine Rundumversorgung für westliche Unternehmen, die den ebenso großen wie schwierigen Markt Südostasiens über das Internet erschließen wollen. SingPost liefert für sie nicht nur die Pakete aus, sondern programmiert und designt die Webseite, erstellt lokale Varianten für die Märkte von Thailand über Malaysia bis nach Indonesien, übernimmt das Online-Marketing und hält die Produkte in seinen zwei Dutzend regionalen Warenlagern vorrätig. Auf Wunsch sitzen die Mitarbeiter von SingPost wie im Fall von Triumph sogar an der Kundenhotline und beantworten Fragen über die Produkte.

„Wir wollen vom Post- zum E-Commerce-Unternehmen werden“, sagt Baier, der vor seinem Antritt als SingPost-Chef rund zehn Jahre lang als Berater für asiatische Logistiker arbeitete. „Ich glaube nicht, dass es viele andere gibt, die das so fundamental angehen.“

Die Konkurrenten der Deutschen Post

DPD

DPD Deutschland gehört zur DPD Group, nach eigenen Angaben das zweitgrößte Netzwerk von Paketdiensten in Europa. Die Zentrale des Unternehmens mit 7500 Mitarbeitern ist in Aschaffenburg (Bayern). Im März 2015 kündigte der Paketdienst an, die Deutsche Post DHL mit einer einheitlichen europäischen Marke herauszufordern. So soll das Paketnetz europaweit auf 22.000 Stationen erweitern werden.

Quelle: dpa

Pin Mail AG

Bei dem Postdienstleister mit Sitz in Berlin dominiert die Farbe Grün - statt Post-Gelb. Die Firma hat rund 1150 Mitarbeiter und beförderte 1999 in der Hauptstadt die ersten Briefsendungen.

Hermes

Der international tätige Handels- und Logistikdienstleister ist ein Tochterunternehmen der Otto Group und beschäftigt rund 9000 Mitarbeiter in Deutschland. In Europa bewegte die Hamburger Firma im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 530 Millionen Sendungen im Paket- und Logistikgeschäft. Deutschland gehört zu den Kernmärkten.

TNT

Das niederländische Unternehmen ist nach eigenen Angaben einer der weltweit führenden Anbieter von Expressdienstleistungen für Geschäftskunden. Dazu gehört die deutsche TNT Express GmbH mit Sitz in Troisdorf (Nordrhein-Westfalen) mit etwa 3700 Mitarbeitern. Im Jahr 2013 hatten die EU-Wettbewerbshüter eine Fusion mit dem US-Paketdienst UPS untersagt.

UPS

Der US-Paketdienstleister bezeichnet sich als der größte Express- und Paketzustelldienst weltweit mit rund 435 000 Mitarbeitern. Im April 2015 kündigte UPS-Deutschland-Chef Frank Sportolari in der „Wirtschaftswoche“ an, dass der Konzern eine Milliarde Euro in Europa investieren wolle - unter anderem in den Ausbau seiner Sortierzentren und in neue Paketshops.

Sein Besprechungszimmer liegt einen Stock über dem langjährigen Herz des Unternehmens, einer Briefsortiermaschine, die von Jahr zu Jahr weniger zu tun hat. „Wir sitzen auf einer brennenden Plattform“, sagt der 41-Jährige, der mit der Branche aufgewachsen ist: Sein Großvater, seine Mutter und mehrere Tanten arbeiteten bei der österreichischen Post. Nach seinem Umzug nach Singapur vor elf Jahren schickten ihm die Verwandten zumindest gelegentlich noch ein Kuvert. Doch auch bei einem Post-Chef läuft der private Schriftverkehr mittlerweile fast ausschließlich elektronisch.

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