Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.03.2013

14:59 Uhr

Singapur

Milliardär fordert mehr Platz für mehr Sex

VonFinn Mayer-Kuckuk

Er gilt bereits als Verderber der Jugend: Bhupendra Kumar empfiehlt dem asiatischen Stadtstaat Singapur ein Umdenken im sozialen Wohnungsbau, damit sich junge Leute näher kommen können – und die Geburtenrate steigt.

Milliardär BK Modi. PR

Milliardär BK Modi.

PekingBhupendra Kumar Modi, 64, ist ein pragmatischer Mann. Der Gründer des Mischkonzerns Spice Global wäre heute kein Milliardär, wenn er die Probleme nicht auf dem kürzesten Weg angehen würde. Im prüden Südostasien erregt er nun Aufsehen durch einen Vorschlag, der gar nicht zu seiner Herkunft im gesitteten Indien zu passen scheint: Der Stadtstaat Singapur soll den Sex junger Leute fördern – durch sozialen Wohnungsbau.

Singapur ist wie Zypern eine Finanzoase. Beide Kleinstaaten ziehen das Geld ausländischer Investoren durch niedrige Abgaben an. Modi selbst ist im vergangenen Jahr hier Staatsbürger geworden – wegen der niedrigen Steuern. Wie in Zypern hat die Geldschwemme auch in Singapur Nebenwirkungen: Das Geld drängt an den Immobilienmarkt und treibt die Preise hoch. Die Mieten steigen derzeit ins Unbezahlbare.

Familienpolitische Leistungen und ihre Folgen

195 Milliarden pro Jahr

Die Förderung von Familie und Ehe lässt sich der Staat viel kosten. Die Förderung setzt sich aus 160 Einzelmaßnahmen zusammen und kostet nach den aktuellsten Zahlen 195 Milliarden Euro pro Jahr.

Kindergeld

Für das Kindergeld zahlt der Staat jährlich gut 33 Milliarden Euro aus - hinzu kommen weitere drei Milliarden Euro steuerliche Familienförderung.

Ehegattensplitting

Der Einnahmeverlust des Staates durch das Ehegattensplitting beläuft sich auf jährlich gut 20 Milliarden Euro. Vom Splitting profitieren sowohl Paare mit und ohne Kinder. Ökonomen kritisieren, das Ehegattensplitting biete Müttern einen Anreiz, eher weniger oder gar nicht zu arbeiten. Tatsächlich ist die Erwerbstätigenquote der Frauen in Deutschland relativ niedrig, und die durchschnittliche Teilzeit umfasst weit weniger Stunden als in den meisten anderen Industrieländern.
Unter den 34 OECD-Staaten ist Deutschland das Land, das am stärksten auf Steuervergünstigungen setzt: Hier entfällt rund ein Drittel aller Familienleistungen darauf - im OECD-Schnitt sind es nur zehn Prozent.

Monetäre Leistungen

Kindererziehungszeiten in der Rentenversicherung kosten den Staat 11,5 Milliarden, das Bafög für Studenten 1,6 Milliarden.

Krankenversicherung

Die beitragsfreie Mitversicherung von Kindern und Jugendlichen bis 20 Jahren in der gesetzlichen Krankenversicherung kostet jährlich rund 15 Milliarden Euro. Die Summe wurde bisher vom Bund erstattet, weil es sich um „versicherungsfremde Leistungen“ handelt.
Die beitragsfreie Mitversicherung nichterwerbstätiger Ehegatten kostet weitere elf Milliarden Euro.

Elterngeld

2011 gab der Staat dafür 4,7 Milliarden Euro aus.

Kitas

Die Kinder- und Jugendhilfe kostete Bund, Länder und Gemeinden zuletzt rund 29 Milliarden Euro, fast 18 Milliarden davon entfielen auf die Kindertagesbetreuung.

Modi sieht hier die Ursache für ein zunehmendes Problem Singapurs: die Leute bekommen kaum noch Babys. Da die jungen Leute mehrheitlich auf engem Raum bei den Eltern wohnen müssen, haben sie keine Gelegenheit, intim zu werden, vermutet er.

Sein Vorschlag lautet daher, mehr Sozialwohnungen für 25- bis 35-Jährige zur Verfügung zu stellen. Dann hätten sie einen Ort, an dem sie sich näher kommen können – und dann, so Modis Vorstellung, steige alsbald die Geburtenrate. „Heute gibt es doch kaum noch jungfräuliche Eheschließungen“, hat der Milliardär scharfsinnig erkannt.

Die reichsten Menschen der Welt (2013)

Carlos Slim Helu und Familie

Der Mexikaner hat sein Vermögen in der Telekom-Branche gemacht. Geschätztes Vermögen:

73 Milliarden Dollar

Bill Gates

Der Microsoft-Gründer engagiert sich in seiner Stiftung etwa im Kampf gegen Malaria. Geschätztes Vermögen:

67 Milliarden Dollar

Amancio Ortega

Der Spanier hat sein Geld mit dem Textilimperium Inditex (Zara) gemacht. Geschätztes Vermögen:

57 Milliarden Dollar

Warren Buffett

Der amerikanische Investor hat zuletzt mit der Übernahme des Ketchup-Konzerns Heinz für Aufsehen gesorgt. Geschätztes Vermögen:

53,5 Milliarden Dollar

Larry Ellison

Der Gründer des SAP-Konkurrenten Oracle hat nicht nur eine hawaiianische Insel gekauft, sondern auch eine ganze Fluggesellschaft dazu. Geschätztes Vermögen:

43 Milliarden Dollar

Charles Koch

Der Mischkonzern Koch Industries hat eine ganze Familie reicht gemacht. Charles Kochs geschätztes Vermögen:

34 Milliarden Dollar

David Koch

Den sechsten Rang der reichsten Menschen teilt sich Charles Koch mit seinem Bruder David. Dessen geschätztes Vermögen beläuft sich ebenfalls auf:

34 Milliarden Dollar

Li Ka-Shing

Der Chinese ist mit dem Telekommunikations-Konzern Hutchinson Whampoa reich geworden. Geschätztes Vermögen:

31 Milliarden Dollar

Liliane Bettencourt und Familie

Die Französin besitzt mit ihrer Familie über 30 Prozent des Kosmetik-Konzerns L'Oréal. Geschätztes Vermögen:

30 Milliarden Dollar

Bernard Arnault und Familie

Die Arnault-Familie hat mit Luxusartikeln (u.a. Louis Vuitton) den Sprung in die Top 10 geschafft. Geschätztes Vermögen:

29 Milliarden Dollar

Quelle aller Zahlen: Forbes

Da stellt sich die Frage: Hat Herr Modi noch nie etwas von Verhütungsmitteln gehört? Oder davon, dass Paare heute durchaus Sex haben, ohne zu heiraten? Oder dass verheiratete Paare nicht unbedingt Kinder bekommen? Für diese Erkenntnisse ist er dann doch wohl zu sittenstreng. Obwohl er in seiner Wahlheimat Singapur jetzt als Verderber der Jugend gilt.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

muunoy

27.03.2013, 15:20 Uhr

Herr Bhupendra, falls Sie dies lesen: Ich denke, diesmal liegen Sie falsch. Die jungen Leute in Singapur sind durchaus erfinderisch und pragmatisch, was dieses Thema angeht. Die extrem hohen Immobilienpreise in Singapur sind zwar ein Problem, aber es gibt Möglichkeiten, über die ich mich hier nicht weiter äußern möchte.
Es werden jedoch immer weniger Kinder in Singapur geboren, weil die Singapureaner wie auch in Deutschland eine lange Ausbildungszeit haben und zunächst einmal im Job auf der Karriereleiter ein wenig aufsteigen möchten, bevor eine Familie gegründet wird. Und in Singapur sind die Frauen deutlich emanzipierter als in Deutschland. Sie begegnen Karrierefrauen in Spitzenpositionen fast überall. Auch sind die Studenten in technischen Fächern zur Hälfte weiblich. Und damit haben einige noch konservativ erzogene Männer ein Problem. Ich übrigens nicht und würde mich freuen, mal wieder ein Projekt in Singapur zu machen, sofern mein Auftraggeber die Unterkunft zahlt ;-)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×