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07.06.2011

10:41 Uhr

"Sittenwidrige Täuschung"

Middelhoffs großer Auftritt im Kirch-Prozess

VonAxel Höpner

Das Schaulaufen der Prominenz im Rechtsstreit zwischen dem gescheiterten Medienunternehmer Leo Kirch und der Deutschen Bank geht weiter. Heute hatte Ex-Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff seinen großen Auftritt.

Der ehemalige Arcandor-Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff sitzt derzeit häufig vor Gericht - diesmal als Zeuge. Quelle: dpa

Der ehemalige Arcandor-Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff sitzt derzeit häufig vor Gericht - diesmal als Zeuge.

MünchenMit Gerichtssälen kennt sich Middelhoff ja aus - im Zuge der Arcandor-Pleite gibt es etliche Auseinandersetzungen. Im Mai hatte ihn das Essener Landgericht wegen einer umstrittenen Kommunikationspolitik zu seiner Zeit als Arcandor-Chef zu einer Schadensersatzzahlung an einen Kleinaktionär verurteilt. Das Gericht warf ihm eine "vorsätzliche sittenwidrige Täuschung" vor. Ein ähnlicher Vorwurf steht nun auch im Kirch-Breuer-Prozess im Raum.

Das Oberlandesgericht hält eine "vorsätzliche sittenwidrige Schädigung" durch die Deutsche Bank für möglich. Kirch wirft dem Kreditinstitut und dessen Ex-Chef Rolf Breuer vor, mit kritischen Äußerungen über die Kreditwürdigkeit Kirchs dessen Medienimperium ins Wanken gebracht zu haben.

Jedenfalls dürfte Middelhoff froh gewesen sein, in diesem langwierigen Verfahren nur Zeuge zu sein. So erschien er schon 20 Minuten vor Verhandlungsbeginn sichtlich entspannt - im blauen Anzug gewohnt edel gekleidet - im Gerichtssaal unter dem Dach des Oberlandesgerichts. Für Breuer gab es eine besonders herzliche Begrüßung. Für Erheiterung sorgte Middelhoff gleich zu Beginn, als er sein Alter aus Versehen mit 54 Jahren angab - in Wahrheit ist er vier Jahre älter.

Im Mittelpunkt des Interesses steht ein Abendessen beim damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder kurz vor Breuers umstrittenen Aussagen Anfang 2002. Damals trafen sich unter anderem Schröder, Breuer, der inzwischen verstorbene WAZ-Chef Erich Schumann und Middelhoff und diskutierten wohl die Lage der Kirch-Gruppe.

Middelhoff erinnerte an die damals spannende Gefechtslage auf dem deutschen Medienmarkt: Die internationalen Medientycoone Rupert Murdoch und John Malone drängten auf den deutschen Markt. Eine "beunruhigende Entwicklung" sei das gewesen, sagte Middelhoff - zu seinem Bertelsmann-Konzern gehörte auch die RTL-Gruppe. Malone wollte wesentliche Teile des deutschen Kabelnetzes übernehmen - was die Kräfteverhältnisse auf dem deutschen Markt entscheidend verändert hätte.

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