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11.07.2013

17:35 Uhr

Skandal um Brustimplantate

TÜV Rheinland wusste früh von Mängeln bei PIP

ExklusivSchon neun Jahre bevor der Skandal um undichte und mit Billig-Silikon gefüllte Brustimplantate der Firma PIP bekannt wurde, wussten Prüfer des TÜV Rheinland von Mängeln bei den Franzosen. Die AOK Bayern prüft eine Klage.

Operation unumgänglich: Ein Arzt bei der Entfernung eines gebrochenen PIP-Brustimplantats. AFP

Operation unumgänglich: Ein Arzt bei der Entfernung eines gebrochenen PIP-Brustimplantats.

DüsseldorfNach Handelsblatt-Informationen lag den Kölner Prüfern bereits 2001 eine Warnung der britischen Gesundheitsbehörde MDA vor. Sie betraf zwar nicht die Silikonkissen, jedoch die biologische Sicherheit von Hydrogel-Implantaten aus dem Hause PIP. Interne Prüfdokumente dokumentieren, dass der TÜV Rheinland im Februar 2001 daraufhin eine Sonderpüfung anberaumte, 2002 dem Qualitätsmanagement der Hydrogel-Produkte schließlich die Zertifizierung versagte. Einen Anlass für unangemeldete Kontrollen sahen sie darin jedoch nicht. Bis 2010 zertifizierten die Rheinländer das Qualitätsmanagement der Silikon-Implantate weiter.

Die AOK Bayern, eine der größten Krankenkassen der Republik, prüft nach Informationen des Handelsblatts wegen der Prüf-Praxis eine Klage gegen den TÜV Rheinland. Die AOK fordert, 86.000 Euro für die Rückoperationen der Implantate erstattet zu bekommen. Europäische Richtlinien sehen zwar lediglich eine Prüfung des Qualitätsmanagements vor. Doch die Bestimmungen geben Prüfunternehmen auch die Möglichkeit, bei Verdachtsmomenten unangemeldet zu prüfen.
Genau hierin liegt laut AOK ein mögliches Vergehen des TÜV im Fall PIP. Der TÜV Rheinland erklärte auf Anfrage, es bestehe kein Zusammenhang zwischen dem Qualitätsmanagement der Hydrogel-Produkte und dem der Silikonimplantate.

2010 war bekanntgeworden, dass weltweit hunderttausende Frauen Billig-Implantate im Körper tragen. Die PIP-Kissen rissen überdurchschnittlich oft, das ausgetretene Silikon verursachte bei zahlreichen Frauen Entzündungen. PIP-Chef Jean-Claude Mas muss sich inzwischen wegen schwerer Täuschung und Betrugs vor Gericht verantworten.

Die große Handelsblatt-Titelgeschichte „Gefährliche Geschäfte mit dem Gütesiegel“ mit weiteren Informationen und Hintergründen zu den Geschäften des TÜV finden Sie im Handelsblatt-Shop zum Download.

Kommentare (5)

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Busenfreund

11.07.2013, 17:49 Uhr

Deutsche gruendlichkeit!!!!!, oder Geld geilheit?

peer-Bilderberger

11.07.2013, 17:57 Uhr

Mal eine bescheiden Frage an die Experten;

War das nicht die Zeit, wo Herr P€€r-Bilderberger dort Miniterpräsident war?

Ich meine die Zeit, wo der Möchtegern Bundeskanzler dort die WEST-Lb so mit Giftpapier versorgt hat, dass sie absaufen mussten.

Visitor

11.07.2013, 18:20 Uhr

Nö, Miniterprä war der Clement! Hätte der damals die gleichen Schwerpunkte gesetzt, wie unser Busenfreund Brüderle, wäre es ihm bestimmt aufgefallen - gell!

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