Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.03.2016

18:25 Uhr

Skoobe, Kindle Unlimited, Readfy

Buch-Streaming wartet noch auf den Durchbruch

Videos per Netflix, Musik via Spotify: Bezahl-Abos haben sich bei anderen Medien längst durchgesetzt. Doch Angebote wie Skoobe oder Kindle Unlimited für Bücher sind nicht so stark gefragt. Das liegt auch an den Verlagen.

„Die Liebe zum gedruckten Buch ist groß.“ PR

Skoobe-App

„Die Liebe zum gedruckten Buch ist groß.“

BerlinNetflix und Spotify kennt jeder, aber wer hat schon mal von Skoobe gehört? Während Nutzer immer selbstverständlicher ein Bezahl-Abo abschließen, um Serien oder Musik unbegrenzt streamen zu können, haben es ähnliche Modelle für Bücher noch schwer.

Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) nutzten im ersten Halbjahr 2015 etwa 1,4 Millionen Deutsche Bezahl-Abos für Bücher wie Skoobe (Bertelsmann und Holtzbrinck) oder Kindle Unlimited (Amazon). Sie gaben dafür 30 Millionen Euro aus – das ist wenig verglichen mit 1,6 Milliarden Euro, die im selben Zeitraum für Print-Bücher ausgegeben wurden. Ganz anders sieht es in der Musikbranche aus: Dort machten Streaming-Dienste im ersten Halbjahr 2015 schon 12,8 Prozent des Umsatzes aus.

Kindle Unlimited: Autoren kritisieren „Preis pro Seite“-Vergütung von Amazon

Kindle Unlimited

Autoren kritisieren „Preis pro Seite“-Vergütung von Amazon

Amazon plant, Autoren künftig pro gelesener Seite zu bezahlen. Das neue Bezahlsystem bei digitalen Bücher-Flatrates stößt bei Schriftstellern auf Widerstand. Sie sehen das Verhältnis des Lesers zum Autor gefährdet.

Woran liegt das? Schon der Download einzelner E-Books sei ja kein Riesenerfolg gewesen, sagt Wirtschaftsinformatiker Thomas Hess von der Ludwig-Maximilians-Universität München. E-Books hätten zwar ein paar Vorteile. So könne man etwa eine größere Schrift einstellen und spare auf einer Reise Gepäck. Aber man müsse auch ein Endgerät haben und für einen Streaming-Dienst zumindest zwischendurch immer wieder online sein.

Ähnliche Vor- und Nachteile gebe es zwar auch bei Musikdiensten. Die Zielgruppe sei dort aber affiner für Streaming-Angebote, sagt der Experte. Außerdem tauschten sich Musikhörer gerne aus. Für solche Diskussionen und Empfehlungen untereinander eigneten sich soziale Features eines Streaming-Dienstes. „Das wird bei Literatur eher nicht so viel gemacht.“

Aus Sicht der Verlage sei zudem die Verwaltung der Rechte bei gestreamten E-Books wesentlich komplexer als bei Printausgaben, sagt Hess. Oliver Pux vom Aufbau Verlag gibt außerdem zu bedenken, dass der Buchmarkt eher traditionell geprägt sei. „Die Liebe zum gedruckten Buch ist groß.“ Die Digitalisierung sei in der Buchbranche erst spät angekommen.

Wer am Musikstreaming verdient

Zur Studie

Wirtschaftsexperten von Ernst & Young haben im Auftrag des Verbandes der französischen Musikindustrie SNEP exemplarisch ausgerechnet, wieviel die einzelnen Parteien von jenen 9,99 Euro erhalten, die ein Premiumabo bei Diensten wie Spotify und Deezer kostet.

Der Dienst selbst ...

... behält demnach 2,08 Euro.

Der Staat ...

... bekommt 1,67 Euro insbesondere durch die Umsatzsteuer.

Die Verwertungsgesellschaften ...

... bekommen einen Anteil von einem Euro.

Die Labels ...

... behalten 4,56 Euro.

Den Künstlern ...

... bleiben am Ende 0,68 Euro. Die werden nach Häufigkeit der Abrufe unter den Musikern aufgeteilt. Unbekanntere Bands erhalten entsprechend wenig.

Hinzu kommt: Den Musik-Streaming-Dienst Spotify etwa gibt es nicht nur als Bezahl-Abo. Nutzer können Musik auch kostenlos anhören, wenn sie dafür Werbeunterbrechungen in Kauf nehmen. Mit einem solchen abgestuften Preis-Modell könne man sehr viele Leute ansprechen, von denen dann vielleicht einige auf das kostenpflichtige Angebot umschwenkten, sagt Hess.

Bei Büchern setzt der Dienst Readfy auf dieses Modell.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×