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18.10.2011

11:04 Uhr

Sofortige Freistellung

Mysteriöser Manager-Abgang bei Mercedes-Benz

Ernst Lieb, langjähriger Mercedes-Chef in den USA, tritt mit sofortiger Wirkung ab. Damit geht der Manager, unter dessen Führung Mercedes-Benz zur größten Premium-Marke der USA aufgestiegen ist. Experten sind irritiert.

Ernst Lieb war als Mercedes-Chef das deutsche Gesicht von Daimler in den USA. dpa

Ernst Lieb war als Mercedes-Chef das deutsche Gesicht von Daimler in den USA.

New York Ernst Lieb ist weg. Mit sofortiger Wirkung ist der langjährige Mercedes-Chef in den USA freigestellt worden, wie eine Sprecherin des Mutterkonzerns Daimler in New York erklärte. Stattdessen übernimmt bis auf weiteres US-Finanzchef Herbert Werner die Leitung des Tagesgeschäfts bei der wichtigen Tochtergesellschaft. Einen endgültigen Nachfolger gibt es noch nicht. Kein Wort jedoch dazu, warum Lieb gehen musste. Branchenexperten sind irritiert - denn die Bilanz des deutschen Managers kann sich auf dem ersten Blick mehr als sehen lassen.

Unter seiner Führung verzeichnete der Autohersteller trotz schwieriger wirtschaftlicher Bedingungen bessere Verkaufszahlen. So stieg Mercedes in den ersten drei Quartalen des Jahres zur Nummer
Eins unter den Luxusautomarken in den USA auf und überholte den japanische Hersteller Lexus. Und neue Modelle wie das C-Klasse Coupe hat Lieb auch noch an den Start gebracht, um mit Mercedes weiter in die Offensive zu kommen. Dazu gehörte auch die Eröffnung eines riesigen, 220 Millionen Euro teuren Flagship-Händlers im New Yorker Stadtteil Manhattan. Daimler in den USA.

Auch die Händler hatte Lieb auf seiner Seite. Seit 2008 investierten unter seiner Ägide laut dem Branchenblatt Automotive News mehr als 300 der 355 US-Händler gemeinsam gut 1,4 Milliarden Dollar in ihre Autohäuser. Und um die Präsenz der Marke in den USA weiter zu stärken, hat Daimler jüngst die Namensrechten am Superdome in Louisiana laut Medienberichten für 50 bis 60 Millionen Dollar für eine Laufzeit von zehn Jahren erstanden.

Ach ja, Mercedes produziert auf einem seiner wichtigsten Absatzmärkte auch noch inzwischen die meisten seiner Geländewagen in einem Werk im südlichen Bundesstaat Alabama. Im Sommer begann der Autobauer sein Pkw-Montagewerk in Alabama mit einer Investition von 1,4 Milliarden Dollar aufzurüsten. Die Produktionskapazitäten sollen erweitert werden. Die M-Klasse wird dort hergestellt.

Für Experten war Daimler unter Lieb in Amerika gut unterwegs. Für viele Branchenbeobachter kann sein Abgang deshalb eigentlich keine geschäftlichen Gründe haben. "Ich verstehe das nicht. Es muss persönliche Gründe gebe angesichts der Tatsache, dass sie Marktanteile gewinnen und die Absatzzahlen zulegen", sagt Joe Phillippi, Analyst bei AutoTrends Consulting zu "The Detroit Bureau".

Laut der Branchen-News-Webseite ist Lieb ein echtes Daimler-Urgestein, der seit 1976 bei dem Autobauer tätig ist. Seit 2006 stand er an der Spitze von Mercedes-Benz USA, nachdem er vorher für die Region Australien/Pazifik zuständig war. 36 Jahre lang war Lieb bei Daimler. Jetzt ist es vorbei.

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