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05.05.2014

10:10 Uhr

Softwarekonzern

SAP-Technikchef Vishal Sikka geht

Der SAP-Technikvorstand Vishal Sikka verlässt das Unternehmen aus persönlichen Gründen. Das teilt der Softwarekonzern überraschend mit. Der Abgang sorgt für neue Unruhe im Vorstand.

Vishal Sikka verlässt SAP aus persönlichen Gründen. dpa

Vishal Sikka verlässt SAP aus persönlichen Gründen.

StuttgartDer Umbau im Vorstand des Softwarekonzerns SAP geht weiter. Technikvorstand Vishal Sikka verlässt das Unternehmen aus persönlichen Gründen mit sofortiger Wirkung, wie der Konzern am Sonntagabend überraschend mitteilte. Stattdessen rücken der Vertriebschef Rob Enslin und der bislang für die Anwendungsentwicklung zuständige Bernd Leukert als weltweiter Entwicklungschef in den Vorstand auf. Beide gehörten bislang dem erweiterten Führungszirkel „Global Managing Board“ an.

Der Umbau sei eine Erneuerung mit einer jüngeren Führungsriege, sagte Konzernstratege Alexander Atzberger. Im Umfeld des Unternehmens hieß es am Montag, die Gründe für Sikkas Rücktritt spielten „ganz stark ins Privatleben“. Ein Sprecher wollte sich nicht dazu äußern. „Hätte Vishal Sikka den Entschluss vor ein oder zwei Jahren getroffen, hätte das das Unternehmen getroffen“, sagte Atzberger.

Im vergangenen Jahr hatten erst Personalchefin Luisa Delgado und der für das Cloud-Geschäft zuständige Lars Dalgaard das Unternehmen verlassen. Dann gab SAP-Co-Chef Jim Hagemann Snabe bekannt, dass er seinen Posten nach der Hauptversammlung am 21. Mai 2014 aufgeben und in den Aufsichtsrat wechseln will. Sein Kompagnon Bill McDermott übernimmt dann allein das Ruder bei dem Konzern. Auch Snabe hatte persönliche Gründe angegeben, im Unternehmen mutmaßte man allerdings, dass es Unstimmigkeiten im Vorstand gegeben hatte.

Die Schwächen von SAP

Schwache Position auf US-Markt

Der US-Markt ist für SAP äußerst wichtig – allerdings hat das Unternehmen hier mit Oracle einen sehr agilen und aggressiven Konkurrenten. Mit dem US-Konzern beharkt sich SAP auch juristisch, in einem Streit um den Diebstahl von Geschäftsdaten fordert dieser saftigen Schadenersatz. Die Übernahme der beiden amerikanischen Cloud-Dienstleister Ariba und SuccessFactors für insgesamt 7,8 Milliarden Dollar soll das US-Geschäft von SAP stärken.

Abhängigkeit von Großkunden

Trotz aller Bemühungen um Mittelständler ist SAP stark von den Großkunden abhängig. Damit leidet das Unternehmen stärker unter Konjunkturschwankungen – im Abschwung schieben die Konzerne große Investitionen lieber auf. SAP will mit alternativen Geschäftsmodellen gegensteuern, etwa Miet-Software (Software as a Service), für die die Kunden monatliche Gebühren statt Lizenzen zahlen.

Wechselkursrisiken

Im abgelaufenen Geschäftsjahr haben Wechselkurseffekte den Gewinn niedriger ausfallen lassen. Die Euro-Stärke gegenüber asiatischen Währungen kostete den Weltmarktführer für Software zur Unternehmenssteuerung beispielsweise 400 Millionen Euro Gewinn.

Aufsichtsrats-Chef Hasso Plattner hatte zuvor einen Teil von Snabes Aufgaben an Technikvorstand Vishal Sikka delegiert. Bei Analysten galt Sikka nach der Ankündigung von Snabes Rückzug als möglicher zweiter Mann neben McDermott. Sikka hatte nicht nur den Ruf als Wegbereiter für SAPs Hoffnungsträger, der superschnellen Datenbank Hana, sondern war auch ein besonderer Schützling von SAP-Gründer Plattner. Der betonte in der Mitteilung: „Unsere Freundschaft wird auch in Zukunft bestehen bleiben.“ Ob es bei Sikka Reibereien mit anderen Führungsmitgliedern gegeben hatte, wollte ein Sprecher am Sonntag nicht kommentieren.

Klar ist, dass McDermott den Konzern im Sommer mit einem verjüngten Führungsteam leiten wird. Neben den beiden neuen Vorständen Enslin und Leukert, die ihm mit Vertrieb und Entwicklung zentrale Aufgaben abnehmen werden, wird auch das „Global Managing Board“ von SAP erweitert. Personalchef Stefan Ries, der sich um die SAP-Belegschaft bislang ohne Vorstandstitel kümmert, wird nun ebenso wie SAPs IT-Chefin Helen Arnold in den Führungszirkel aufrücken.

Von

dpa

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