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17.02.2004

16:20 Uhr

Sohn und Tochter von Parmalat-Gründer verhaftet

Weitere Mitglieder des Tanzi-Klans hinter Gittern

Im Parmalat-Skandal sind nun auch die Kinder des bereits im Dezember inhaftierten Unternehmensgründers Calisto Tanzi festgenommen worden.

HB PARMA. Insgesamt seien am Dienstag acht Personen verhaftet worden, die Führungspositionen in mit Parmalat verbundenen Unternehmen inne gehabt hätten, darunter auch Tanzis jüngerer Bruder Giovanni, hieß es in Ermittlerkreisen in Parma. Die Gründerfamilie Tanzi habe über Jahre insgesamt 900 Mill. € aus dem mittlerweile zusammengebrochenen Konzern herausgeschleust. Davon seien allein 400 Mill. € in die Tourismusfirmen der Familie gegangen. Die Tanzi-Kinder Francesca und Stefano wiesen ein Fehlverhalten in dem milliardenschweren Finanzskandal zurück.

Nach den neuerlichen Festnahmen stieg die Zahl der im Zusammenhang mit der Parmalat-Affäre in Parma Inhaftierten auf 18. Davon stehen drei unter Hausarrest. Firmengründer Calisto Tanzi war unmittelbar nach Aufdeckung der Affäre im Dezember verhaftet worden. In den Bilanzen des Lebensmittelkonzerns klaffen Löcher, die sich nach Angaben der italienischen Regierung auf 14,5 Mrd. € summieren. Der Unternehmensführung wird zudem vorgeworfen, Milliardenschulden vertuscht zu haben. Die Ermittlungen richten sich auch gegen zahlreiche italienische und ausländische Großbanken wie etwa die Deutsche Bank und deren Rolle in dem Skandal.

Tanzis 35-jähriger Sohn Stefano saß im Verwaltungsrat von Parmalat und war zudem Präsident des zu Parmalat gehörenden Fußballclubs AC Parma. Seine 36-jährige Schwester Francesca leitete die Tourismus-Firma der Tanzi-Familie, Parmatour. Calisto Tanzi hatte die Rolle von Francesca bei Parmatour am Wochenende als marginal bezeichnet. Zugleich räumte er ein, rund 500 Mill. € aus dem Konzern in Familienunternehmen wie Parmatour geschleust zu haben.

Parmalat - einst achtgrößtes Industrieunternehmen Italiens - beschäftigt rund 35 000 Mitarbeiter in 30 Ländern und arbeitet derzeit unter Gläubigerschutz weiter. Allein in Parma richten sich die Ermittlungen im Zusammenhang mit der Insolvenz des Unternehmens nach Angaben aus Justizkreisen mittlerweile gegen 36 Personen. In Mailand sind Medienberichten zufolge mindestens 50 Personen ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten.

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