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06.10.2011

17:26 Uhr

Solarindustrie

Solar-Millennium-Chef gibt auf

Schon wieder schlechte Nachrichten für die Solarfirma: Solar Millennium gibt US-Markt auf und verliert seinen Chef.

Solar-Millennium investiert viel in Sonnenkraftwerke, doch das Spitzenpersonal schwindet. Paul-Langrock.de Agentur Zenit +DLR

Solar-Millennium investiert viel in Sonnenkraftwerke, doch das Spitzenpersonal schwindet.

DüsseldorfBei dem nicht aus den Schlagzeilen kommenden Kraftwerksentwickler Solar Millennium dreht sich erneut das Personalkarussell: Nur neun Monate nach seinem Amtsantritt wirft Vorstandschef Christoph Wolff das Handtuch. Wie die Erlanger Firma am Donnerstag mitteilte, tritt mit sofortiger Wirkung Vorstandsmitglied Jan Withag seine Nachfolge an. Er muss Solar Millennium nun in neue Gefilde führen, da das Unternehmen den einst vielversprechenden US-Markt aufgibt. Der Kraftwerksentwickler verkauft seine US-Projekte an den Konkurrenten Solarhybrid .

Wolff erklärte, der Verkauf sei für Solar Millennium derzeit der beste Weg, die Investitionen in den USA zu sichern. „Dies haben wir erreicht, und damit ist für mich der richtige Zeitpunkt gekommen, den Vorstandsvorsitz in neue Hände zu geben.“

Die auf Photovoltaik-Anlagen spezialisierte Solarhybrid übernimmt das US-Projektportfolio der Solar Millennium im Umfang von 2,25 Gigawatt, das auch ein geplantes Großkraftwerk im kalifornischen Blythe umfasst. Die bislang geleisteten Investitionen fließen an Solar Millennium zurück, einen Teil des Kaufpreises hat Solarhybrid bereits gezahlt. Zudem erhält Solar Millennium nach dem Bau der US-Kraftwerke eine Gewinnbeteiligung.

An der Börse sorgten die Pläne, die noch unter dem Vorbehalt einer bereits eingeleiteten Buchprüfung (Due Diligence) stehen, für einen Kurssprung, der auch durch den Vorstandswechsel nicht geschmälert wurde. Die Aktie notierte mit einem Aufschlag von 20 Prozent bei drei Euro, liegt damit aber immer noch weit unter dem Jahreshoch von 24,25 Euro.

Das auf Parabolrinnen-Kraftwerke spezialisierte Erlanger Unternehmen hatte im August eine technologische Kehrtwende bei seinen US-Vorhaben einläuten müssen. Statt milliardenschwerer solarthermischer Großkraftwerke, in denen mit Sonnenenergie Wasser erhitzt wird, sollen in Kalifornien und Nevada nun Photovoltaik-Anlagen gebaut werden. Zur Begründung hieß es, nach dem Preisverfall bei Solarmodulen sei die Nachfrage in den USA nach Photovoltaik (PV) stärker als nach Solarthermie.

Ursprünglich sollte in Blythe das Pilotprojekt für das Wüstenstromvorhaben Desertec entstehen. Auf einer Fläche von 24 Quadratkilometern sollten in den kommenden Jahren vier Parabolrinnen-Kraftwerke mit jeweils 242 MW gebaut werden. Diese sind vor allem wegen ihrer Fähigkeit, Energie zu speichern, deutlich effizienter als PV-Kraftwerke. Diese Pläne und die Aussicht auf sprudelnde Einnahmen hatten seinerzeit den Börsenkurs von Solar Millennium beflügelt. Nun will sich die Firma auf Projekte in Europa, Asien, Nordafrika und Lateinamerika konzentrieren.

Solar Millennium war in den vergangenen Monaten immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Neben wirtschaftlichen Rückschlägen sorgten staatsanwaltliche Ermittlungen gegen Firmengründer Hannes Kuhn und der öffentlich ausgetragene Streit mit Ex-Firmenchef Utz Claassen für Furore. Claassen hatte das Unternehmen im vergangenen Jahr nach nur 74 Tagen im Amt verlassen. Zuvor hatte er eine Antrittsprämie von neun Millionen Euro erhalten. Das Unternehmen will das Geld zurück, Claassen dagegen pocht auf die Rechtmäßigkeit seiner Kündigung sowie der Prämie und fordert Schadenersatz und eine Abfindung von sieben Millionen Euro.

Von

rtr

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