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01.12.2014

16:13 Uhr

Soziale Netzwerke

Folge mir in die Firma

VonJens Koenen

Schon länger versuchen Unternehmen, soziale Netze für die interne Kommunikation zu nutzen. Nun will offensichtlich auch der Netzwerk-Gigant Facebook mitmischen und sich Unternehmen anbieten – mit Erfolg? 

Das soziale Netzwerk Facebook will seine Dienste offenbar für die interne Kommunikation in Unternehmen anbieten. AFP

Das soziale Netzwerk Facebook will seine Dienste offenbar für die interne Kommunikation in Unternehmen anbieten.

FrankfurtEs ist ein Thema, das Firmen- und IT-Chefs seit längerem umtreibt: Wie kann die neue Form der Kommunikation in privaten sozialen Netzen auch in der Berufswelt genutzt werden? Ein Patentrezept gibt es bis heute nicht, auch nicht die Patentlösung. Das könnte sich bald ändern. Das digitale Freunde-Netz Facebook will offensichtlich das in der Geschäftswelt wiederholen, was im Privatbereich gelang: zur führenden Plattform für Kommunikation werden.

Nach Informationen der „Financial Times“ will die Firma von Mark Zuckerberg eine spezielle Version ihres Dienstes anbieten, die für die interne Kommunikation in Unternehmen bestimmt ist. Erste Versuche mit „Facebook at work“ gebe es bereits, heißt es in dem Bericht.

Eine offizielle Bestätigung gibt es dazu bisher nicht. Aber viel spricht für entsprechende Pläne. Zum einen spürt Facebook allmählich eine gewisse Sättigung bei den Privatnutzern. Das gilt insbesondere für junge Menschen, die zu anderen Plattformen abwandern. Die Mitarbeiter in den Firmen wären eine gute Gelegenheit, dem eigenen Wachstum neuen Schwung zu verleihen. Zum anderen hat das Netz weltweit mehr als 1,3 Milliarden Nutzer. Die meisten Berufstätigen sind also mit dem Dienst bereits bestens vertraut. Und Facebook wäre beileibe nicht das erste „Produkt“, das von der Konsumenten- in die Firmenwelt migriert. Schon die Smartphones haben gezeigt, wie stark Konsumideen auch die Arbeitswelt in Unternehmen beeinflussen.

Facebooks Weg zum Weltkonzern

Vorläufer Facemash

Als Student an der Harvard-Universität programmiert Mark Zuckerberg mit mehreren Kommilitonen 2003 die Plattform facemash.com. Dort präsentiert er zwei zufällig ausgewählte Fotos von Harvard-Studentinnen – die Nutzer sollen über die Buttons „hot“ oder „not“ die attraktivere auswählen. Weil Zuckerberg die Bilder illegal beschafft hat und das Projekt massive Protesten auslöst, wird es nach kurzer Zeit wieder eingestellt.

„Thefacebook" geht online

Mark Zuckerberg und seine Mitgründer eröffnen im Februar 2004 „Thefacebook“. Es handelt sich um die Online-Version der gedruckten Jahrbücher. Das Konzept wird bald auf andere Universitäten ausgeweitet und verbreitet sich schließlich weltweit. Zwei von Zuckerbergs Kommilitonen klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen. Der Streit wird im Jahr 2011 mit einem Vergleich beigelegt, die Kläger Tyler und Cameron Winklevoss erhalten 65 Millionen US-Dollar.

Der Newsfeed rückt ins Zentrum

Zweieinhalb Jahre nach der Gründung stattet Zuckerberg die Social-Media-Plattform mit dem Newsfeed aus – also mit einer Chronik, die alle Neuigkeiten aus dem Freundeskreis eines Nutzer anzeigt. Zuerst geht ein Aufschrei durch die Facebook-Gemeinde, die Mitglieder fürchten um ihre Privatsphäre. Doch der Amerikaner hält an seiner Idee fest und schließlich entwickelt sich Newsfeed zum zentralen Element von Facebook. Das Design der Nachrichtenchronik wird seitdem ständig überarbeitet, seit 2012 findet man dort auch Werbung.

Daumen hoch für Facebook

Im Februar 2009 führt Facebook den „Gefällt mir“-Knopf ein. Damit können Nutzer zeigen, dass ihnen etwas gefällt und dafür sorgen, dass sie bestimmte Nachrichten in ihren Newsfeed gespeist bekommen. Inzwischen hat das Symbol eine popkulturelle Bedeutung erlangt.

Profitabel dank Sandberg

Im März 2008 gibt Facebook bekannt, Sheryl Sandberg als Chefin fürs Tagesgeschäft (COO) von Facebook einzustellen. Der Auftrag der Harvard-Absolventin und ehemaligen Google-Managerin ist klar: Sie soll Facebook profitabel machen, was ihr zwei Jahre später auch gelingt. 2012 wird sie vom Time-Magazin in die Liste der 100 einflussreichsten Personen aufgenommen.

Umzug im Großformat

Mehr als 2000 Mitarbeiter beschäftigt Facebook im Juli 2011 – und allmählich werden die überwiegend angemieteten Gebäude in Palo Alto zu eng. Das Online-Unternehmen wird auf der Suche nach einer neuen Zentrale wieder im Silicon Valley fündig: Auf dem ehemaligen Campus des Computerherstellers Sun Microsystems stehen Mark Zuckerberg und seinen Mitarbeitern neun Gebäude auf knapp 24 Hektar zur Verfügung. Weil Facebook kurz zuvor 1,5 Milliarden Dollar von seinen Investoren eingesammelt hat, kann es sich den Umzug problemlos leisten.

Instagram und Whatsapp

Die bis dato größte Investition tätigt Mark Zuckerberg im April 2012: Für eine Milliarde US-Dollar schluckt Facebook das Start-Up Instagram. Das Unternehmen hatte eine gleichnamige App entwickelt, mit der man Fotos bearbeiten und teilen kann. Mit der Übernahme weicht Zuckerberg erstmals von seiner bisherigen Philosophie ab, die nur ein soziales Netzwerk für alle Nutzer vorsah. 2014 bewältigt Facebook eine weitaus größere Übernahme: Die Instant-Messaging-App Whatsapp kostet insgesamt 19 Milliarden Dollar.

Erst hui, dann pfui, dann hui

16 Milliarden US-Dollar an nur einem Tag – so viel Geld spült der bis dato größte Börsengang eines Internet-Unternehmens am 18. Mai 2012 in die Kasse von Facebook. Obwohl Experten einen deutlichen Anstieg des Kurses vorausgesagt hatten, bricht der Wert der Aktie dramatisch ein. Bis August 2012 halbiert sich der Ausgabepreis von 38 Dollar. Erst ein Jahr später wird dieser Wert wieder erreicht – danach steigt die Aktie in ungeahnte Höhen.

Jeder siebte bei Facebook

Im September 2012 verkündet Mark Zuckerberg stolz, dass Facebook die Marke von einer Milliarde Mitglieder geknackt hat. Rein rechnerisch ist somit jeder siebte Mensch der Welt bei dem sozialen Netzwerk angemeldet. Dabei haben die rund 1,3 Milliarden Einwohner Chinas bisher noch nicht einmal offiziellen Zugriff auf Facebook. Die Mitgliederzahlen steigen weiter, wenn auch langsamer als früher.

Geschäftsmodell überzeugt Anleger

Facebook reagiert auf die zunächst schlechte Entwicklung der Aktie: Das Unternehmen setzt alle Hebel in Bewegung, damit die Werbung in dem sozialen Netzwerk einträglicher wird, sowohl auf dem Desktop als auch auf mobilen Geräten – mit Erfolg. So gelingt es auch, die skeptischen Anleger zu überzeugen. Die Facebook-Aktie steigt im Oktober 2015 auf mehr als 100 Dollar.

Allerdings wäre Facebook nicht der erste Anbieter, der den Firmen die neue Form der Kommunikation anbietet. Im Gegenteil. Schon seit geraumer Zeit stürzen sich vor allem jene Firmen auf das Thema, die über viel Erfahrung in der Firmen-IT verfügen und zudem hier ihre feste Kundenklientel haben.

Microsoft zum Beispiel bietet mit Lync und Yammer gleich mehrere Werkzeuge für die Kommunikation und Vernetzung an, die bereits in vielen Unternehmen zum Einsatz kommen. Auch IBM hat mit „Social Business“ Angebote auf dem Markt, ebenso Google mit „Google Drive“.

Dabei ist zudem Salesforce, der Pionier des sogenannten Cloud-Computings, bei dem Software nicht mehr auf den Rechnern in den Firmen installiert, sondern über das Netz aus Rechenzentren abgerufen wird. Salesforce hat 2010 die Plattform „Chatter“ gestartet, die mittlerweile zahlreiche Nutzer in Unternehmen besitzt. Herausgefordert dürften sich zudem Berufsnetze wie Linked In oder Xing fühlen.

Hinzu kommen junge Firmen wie Slack, Convo oder Hipchat, die die Firmennutzer umgarnen. Auch hier können Mitarbeiter miteinander chatten, Informationen über Projekte austauschen und sich vernetzen.

Glaubt man den Details, die die „Financial Times“ über „Facebook at work“ bisher genannt hat, wollen Zuckerberg und sein Team kaum neue Features bieten. Chatten, gemeinsame Projektarbeit, Vernetzung – das alles dürfte in den Ohren vieler IT-Chefs sehr vertraut klingen. Nur an einer Stelle könnte Facebook eine Art Mehrwert bieten. Der Dienst soll zwar aussehen wie das bisher bekannte Facebook, aber die Nutzer sollen das private vom beruflichen Netzwerk klar trennen können.

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