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08.06.2011

15:13 Uhr

Soziale Netzwerke

Wann twittern den Job kostet

VonKirsten Krumrey

Pikante Twitter-Fotos haben dem US-Abgeordneten Weiner unangenehme Schlagzeilen gebracht. Am Arbeitsplatz kann es noch schlimmer kommen. Unbedachte Sprüche online - schon droht die Kündigung.

Soziale Netzwerke sind beliebt - und können den Job kosten. Quelle: dpa

Soziale Netzwerke sind beliebt - und können den Job kosten.

DüsseldorfMakabre Witze, Abfälliges über den Chef, Interna aus dem Unternehmen oder politisch völlig unkorrekte Sprüche zu Homosexualität, Ausländern oder Krankheiten: Soziale Netzwerke bieten eine Spielwiese für mehr oder weniger geistreiche Kommentare und Fotos zu jedem beliebigen Thema. Doch wer zu weit geht, der kann seinen Job verlieren.

Aktuell sorgt der amerikanische Abgeordnete Anthony Weiner für Schlagzeilen. Er hatte Fotos von sich via Twitter an verschiedene Frauen verschickt. Zu sehen: Weiner selbst, in Unterhose, oben ohne. Was in Deutschland zu Häme und Wortspielen mit Weiners (sprich: Wieners) Würstchen/Gurke führt, sorgt in den USA für Aufregung. Bisher galt der Demokrat als möglicher nächster Bürgermeister New Yorks. Diese Chance dürfte er jetzt verspielt haben. Zumindest sein Mandat möchte der 46-Jährige behalten – ob er dem öffentlichen Druck und der anstehenden Untersuchung des Ethikausschusses standhält, ist allerdings noch offen.

Weiner ist ein prominentes Beispiel von vielen. Immer öfter kosten unbedachte Äußerungen oder Bilder bei sozialen Netzwerken den Arbeitsplatz und die Karriere.

Twitter-Rausschmiss

Wenn man fürs Twittern den Job verliert

Comedian Gilbert Gottfried war 10 Jahre lang die Stimme der Aflac Ente, dem Werbestar der größten japanischen Versicherung Aflac. In über 30 Werbefilmen hatte er potenziellen Kunden immer wieder den Namen des Unternehmens vorgequakt - bis er auf Twitter Witze über den Tsunami in Japan machte. Gottfried schrieb: "Japaner sind wirklich fortschrittlich. Sie gehen nicht zum Strand, der Strand kommt zu ihnen." Damit hatte es sich ausgeschnattert, Aflac schmiss Gottfried raus.

"Ein Job, den ich hassen werde"

Connor Riley verlor ihren Job, bevor es überhaupt richtig losging. Der Technologie-Riese Cisco hatte ihr einen Job angeboten, auf Twitter schrieb sie dazu: "Cisco hat mir gerade einen Job angeboten. Jetzt muss ich abwägen zwischen einem fetten Gehaltscheck und einem Job, den ich hassen werde." Pech für Riley: Ein Cisco-Mitarbeiter sah ihren Eintrag - das Unternehmen nahm ihr die Entscheidung ab.

Sexuelle Übergriffe sind niemals witzig

Nir Rosen war Jura-Stipendiat an der Universität New York. Nach den sexuellen Übergriffen auf die Fernsehjournalistin Lara Logan auf dem Tahrir-Platz in Ägypten twitterte er: "Lara Logan musste unbedingt Anderson ausstechen. Wo war nur ihr Freund McChrystal?". Auch Anderson Cooper war während der Proteste in Ägypten angegriffen worden, Stanley McChrystal war bis Sommer 2010 General der US Army und ISAF-Kommandeur in Afghanistan. Rosen entschuldigte sich umfassend für seine unsensiblen Äußerungen und legte schon einen Tag nach seinem Twitter-Eintrag sein Stipendium nieder.


Glee-Star plaudert zu viel

Nicole Crowther war Nebendarstellerin in der amerikanischen Musicalserie Glee. Auch privat wollte sie ihre Fans offenbar unterhalten - und verriet auf Twitter, wer in einer noch nicht ausgestrahlten Folge König und Königin des Abschlussballs werden würde. Über Twitter folgte dann auch der Rausschmiss: Brad Falchuk, der Produzent der Sendung, antwortete ihr: "Ich hoffe du bist auch dafür ausgebildet, außerhalb der Unterhaltungsbranche zu arbeiten."

Moderator wettert gegen gleichgeschlechtliche Ehe

Damian Goddard arbeitete mehr als zehn Jahre lang als Moderator für den kanadischen TV-Sender Sportsnet, bis er sich auf Twitter schwulenfeindlich äußerte. Hockeyagent Todd Reynolds hatte zuvor einen Rangers-Stürmer öffentlich dafür kritisiert, die gleichgeschlechtliche Ehe zu unterstützen. Goddard legte nach: "Todd Reynolds hat meine volle Unterstützung und ich befürworte genauso die traditionelle und WAHRE Bedeutung von Ehe." Goddards Arbeitgeber Sportsnet befürwortete diese Äußerung allerdings überhaupt nicht - und schmiss ihn raus.

Eine unlustige Comedian

Catherine Deveny arbeitete mehrere Jahre als Kolumnistin für die australische Zeitung "The Age". Diesen Job verlor sie jedoch, nachdem sie auf Twitter eine Preisverleihung kommentierte. Unter anderem schrieb sie, sie hoffe der 11-jährige Kinderstar Bindi Irwin würde flachgelegt. Auch über ihren Comedykollegen Rove McManus äußerte sie sich unsensibel: Sie hoffe, seine Freundin sterbe nicht auch, twitterte sie und bezog sich damit auf McManus`erste Frau Belinda Emmett, die 2006 an Brustkrebs gestorben war. Die Zeitung beendete daraufhin die Zusammenarbeit.

Cricket-Spieler mal ganz privat

Gabriella Pasqualotto war Cheerleader für Cricket Teams in der indischen Premier League. In einem Blog verriet sie jedoch wenig schmeichelhafte Details über die Spieler - etwa wie sie nach den Spielen auf Partys mit den Cheerleadern flirteten - und nannte sogar Namen. Pasqualotto flog auf, und verlor ihren Job.

Ex-Baseball-Profi mit rassistischen Tweets

Der frühere Baseball-Spieler Mike Bacsik ließ sich während eines Basketballspiels zwischen den Dallas Mavericks und den San Antonio Spurs zu einem rassistischen Kommentar hinreißen. Bacsik gilt als Fan der Mavericks, doch das Spiel lief nicht nach seinen Vorstellungen. Er schrieb: "Glückwunsch an all die dreckigen Mexikaner in San Antonio." Bacsik entschuldigte sich am nächsten Tag, seinen Job beim einem Sportradiosender verlor er trotzdem.

Wer sich mit Stars anlegt...

Kellner Jon-Barrett Ingels verlor seinen Job, nachdem er sich über Fernsehstar Jane Adams beschwert hatte. Die Schauspielerin, bekannt aus der US-amerikanischen Serie "Hung" hatte im Restaurant eine Rechnung über 13,44 Dollar nicht bezahlt. Ingels twitterte darüber, sodass ihr Agent zurückkam und die Rechnung beglich. Doch Ingels legte nach und beschwerte sich auf Twitter, dass er kein Trinkgeld bekommen habe. Daraufhin kam die Schauspielerin persönlich noch einmal zurück und gab ihm drei Dollar Trinkgeld - beschwerte sich aber auch beim Management.

CNN-Reporterin sympathisiert mit Hisbollah-Scheich

Der amerikanische Fernsehsender CNN schmiss seine Chefkorrespondentin für Nahostthemen Octavia Nasr raus, nachdem sie getwittert hatte, sie sei traurig über den Tod des Scheichs Mohammed Hussein Fadlallah. Fadlallah war der Führer der militanten Hisbollah im Libanon. Laut der Nachrichtenagentur gilt er AP als überzeugter Anti-Amerikaner und soll für den Tod von mindestens 260 Amerikanern verantwortlich sein. Nasr entschuldigte sich zwar, ihren Job bekam sie aber nicht zurück.

Football-Star twittert zum Tod Osama bin Ladens

NFL-Football-Star Rashard Mendenhall zog nach dem Tod Osama bin Ladens gleich mit mehreren Tweets Kritik auf sich. Unter anderem schrieb er: "Was für ein Mensch feiert den Tod? Es ist schon unglaublich, wie Menschen einen Mann hassen können, den sie noch nie haben sprechen hören. Wir haben nur eine Seite gehört..." Sein Team distanzierte sich deutlich von Mendenhalls Äußerungen und denkt über Konsequenzen nach.

Baseball-Trainer fliegt gleich zweimal raus

Baseball-Trainer Ozzie Guillen wurde er in einem Spiel seiner Mannschaft, den Chicago White Sox, gegen die New York Yankees wegen Meckerns vom Platz verwiesen. Nur eine Minute später begann er, genau darüber zu twittern: Er nannte den Rauswurf "erbärmlich" und den Schiri einen "knallharten Burschen". Daraufhin wurde er für zwei weitere Spiele gesperrt.

Marketing-Experte macht einen peinlichen Fehler

Scott Bartosiewicz kannte sich mit Twitter eigentlich gut aus, schließlich arbeitete er als Social Media Strategist für eine große amerikanische Marketingfirma, die sich auf neue Medien spezialisiert hat. Trotzdem passierte ihm ein peinlicher Fehler: Bartosiewicz dachte, er wäre in seinen privaten Account eingeloggt und schrieb "Es ist schon merkwürdig, dass Detroit als Autostadt bekannt ist und trotzdem niemand weiß, wie man verdammt nochmal Auto fährt." Tatsächlich hatte er jedoch vom Account eines wichtigen Firmenkunden getwittert - dem Autoriesen Chrysler. Bartosiewicz wurde gefeuert, Chryler verlängerte den Vertrag mit der Marketingfirma nicht.

Ulf Weigelt, Fachanwalt für Arbeitsrecht, kennt das Problem. Erst vor Kurzem hat er einen Fall verhandelt, in dem zwei Pflegekräfte mit einer mit Nutella gefüllten Windel posiert und die Fotos zur Belustigung online verteilt hatten – das Logo des Arbeitgebers immer im Bild. Der Chef hatte ihnen daraufhin gekündigt, das Arbeitsverhältnis wurde aufgelöst.

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