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25.08.2014

12:53 Uhr

Sparen mit Übernahmen

Wie US-Konzerne vor dem Fiskus flüchten

VonChristof Kerkmann

Kaufen und sparen: US-Konzerne wie Burger King und Abbvie übernehmen ausländische Konkurrenten, um sich an deren Sitzen niederzulassen. In der Fremde zahlen sie weniger Steuern – zum großen Ärger von US-Präsident Obama.

Burger-King-Filiale in San Francisco: Die Fastfood-Kette ist uramerikanisch – und erwägt trotzdem dem Umzug ins Ausland. AFP

Burger-King-Filiale in San Francisco: Die Fastfood-Kette ist uramerikanisch – und erwägt trotzdem dem Umzug ins Ausland.

DüsseldorfBurger King steht wie nur wenige andere Firmen für den „American Way of Life“. Doch wenn es darum geht, die Steuerlast zu drücken, ist es mit dem Patriotismus nicht weit her. Die Fastfood-Kette erwägt, den kanadischen Konkurrenten Tim Hortons zu kaufen – und den Sitz in den nördlichen Nachbarstaat zu verlegen. Dort müsste der neue Restaurantriese, an dem der Finanzinvestor 3G die Mehrheit hält, deutlich weniger an den Fiskus zahlen.

Damit zieht es den nächsten US-Konzern aus steuerlichen Gründen ins Ausland. In den vergangenen Monaten verlagerten bereits diverse Pharmariesen ihre Zentralen, etwa Abbvie, das 54,8 Milliarden Dollar in Shire investierte, um sich anschließend an dessen Sitz in Großbritannien niederzulassen. Auch der Bananenproduzent Chiquita will mit der Übernahme des irischen Konkurrenten Fyffes ins Ausland ziehen - wobei ein Konsortium aus Brasilien das verhindern will.

Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg zählt seit Anfang 2012 mindestens 21 US-Firmen, die derartige Deals angekündigt oder abgeschlossen haben. Die Politik sieht die Steuervermeidung mit Sorge, US-Präsident Obama bezeichnete die Verlagerung gar als „unpatriotisch“. Er wolle nicht, dass sich der Trend verstärke.

„Die USA sind ein Hochsteuerland, zwar nicht bei der Einkommensteuer, aber bei der Körperschaftsteuer“, erklärt Prof. Wolfgang Schön vom Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen. Der Satz von rund 35 Prozent plus ein Aufschlag der Bundesstaaten liege international im oberen Bereich. „Es geht daher bei diesen neuen Gestaltungen vor allem darum, US-Körperschaftsteuer zu sparen“, erklärt der Experte gegenüber Handelsblatt Online. Zum Vergleich: Kanada, wo es Burger King hinzieht, verlangt derzeit laut einer Erhebung der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater von KPMG 26,5 Prozent.

Welche US-Konzerne ins Ausland flüchten

Flucht vor der Steuer

Diverse US-Konzerne haben in den vergangenen Monaten ihren Sitz ins Ausland verlegt. Ein wichtiger Grund: Die Körperschaftssteuer in den USA ist in internationalen Vergleich hoch – der Umzug senkt die Steuerlast.

Tochter wird zur Mutter

Bei der Verlagerung ins Ausland wird die Tochterfirma zur Mutter – diese Umkehrung der Verhältnisse wird in den USA Inversion genannt.

Pharmabranche schreitet voran

In der Pharmabranche ist der Umzug ins Ausland besonders beliebt. So übernahm Abbvie den britischen Konkurrenten Shire und ließ sich in dessen Heimat nieder, Pfizer plante mit einem 118 Milliarden Dollar schweren Angebot für Astra-Zeneca Ähnliches, scheiterte aber. Weitere Milliardendeals machten Mylan Laboratories und Medtronic.

Chiquita zieht es nach Irland

Nicht nur die Pharmabranche flieht vor dem US-Fiskus: Im März 2014 kündigte der Bananenhersteller Chiquita an, den irischen Konkurrenten Fyffes zu übernehmen und sich anschließend auf der grünen Insel niederzulassen. Allerdings steht der Kauf auf der Kippe, weil ein brasilianisches Konsortium nun für den US-Konzern bietet.

Drogerie Walgreens bleibt doch

Die Einzelhandelskette Walgreens bezeichnet sich selbst als die „Drogerie, der Amerika vertraut“. Trotzdem gab es Überlegungen, nach der Übernahme des Schweizer Pharma-Großhändlers Alliance Boots nach Europa zu ziehen. Inzwischen bekannte sich der Konzern aber zum Firmensitz USA – die Angst vor dem Zorn der Kunden war wohl zu groß. Die Aktionäre hielten davon nicht fiel, der Kurs sank nach der Ankündigung Anfang August kräftig.

Applied Materials vor dem Absprung

Vor dem Absprung ist der Halbleiterhersteller Applied Materials: Das US-Unternehmen will sich mit Tokyo Electron zusammenschließen und in den Niederlanden niederlassen.

Bei der Steuerflucht spielt aber nicht allein  der Steuersatz eine Rolle: „Wenn Unternehmen in den USA inkorporiert sind, werden sie mit ihrem Welteinkommen besteuert“, sagt Schön. Das entfalle bei der Verschmelzung mit einem ausländischen Konkurrenten. Die Folge: In den USA zahlen sie nur noch auf ihre dort erzielten Gewinne Steuern, nicht mehr auf die häufig üppigen Überschüsse im Ausland. Anders als in Europa gelte das selbst dann, wenn das Management weiter in New York oder Los Angeles verbleibe, betont Schön.

Das Modell der Wahl wird in den USA „Inversion“ genannt, deutsch Umkehrung: Die Tochterfirma wird zur Mutter, beispielsweise über einen Aktientausch. Eine solche Umkehrung ist wegen einer gesetzlichen Beschränkung nur bei einem signifikanten Auslandsumsatz erlaubt. Burger King verkauft seine Buletten weltweit und erfüllt das Kriterium somit.

Kommentare (4)

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Herr Andreas Glöckner

25.08.2014, 13:44 Uhr

Wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich jetzt sagen, dass es soetwas in Deutschland nicht gibt.

Bemerkenswert, wie eine Generation den Planeten plündert und hierbei nicht an die eigenen Wurzeln denkt. Erst das Bildungssystem ausnutzen und dann nicht für die nachfolgenden Gnerationen sorgen wollen. Für die Infrastruktur nichts zahlen wollen, aber von dieser profitieren wollen. Was brauchen diese Entscheider? Ein exorbitant hohes Einkommen? -Haben sie bereits. Familie? - Haben sie bereits. Dieser Gneration fehlt es an nichts.

An nichts? Doch da ist etwas, was fehlt: Patriotismus, ja Kultur. Offenbar sollen wir als Deutsche, als Europäer oder als Amerikaner vor diesen Unternehmen stehen bleiben, weil sie Wirtachaftswachstum erzeugen. Auf unsere Kosten. Wenn der Arbeitgeber Arbeitgeber ist, weil er Gehälter zahlt, dann sind wir als Deutsche, als Europäer oder als Amerikaner unsere eigenen Arbeitgeber: denn wir bezahlen diese Unternehmer: über den Konsum, der von unseren Gehältern finanziert, den Gehältern, die aus der Staatsschuld kommen, die wir alle bezahlen müssen.

Wer soll diesem Spuk ein Ende bereiten? Wir? Mit gutem Wort, überzeugendem Argument, ja mit wissenschaftlichem Pathos? Nein, besser wir lassen es nicht mehr zu, das Waffen verkauft werden, kaufen wir Bio- Produkte, schalten wir den Fernseher ab. Gehen wir links von der Mitte wählen und versichern wir die Unternehmer, die nicht mit Waffen handeln, die keine Steuergelder verschleppen und Lohnbetrügereien mit Gesetzen begegnen, dass wir sie, diese Unternemher schützen wollen. Sagen wir diesen Unternehmern doch, dass sie die Infrastruktur bezahlen, weil sie zu denen gehören, die Steuern abführen.


Wir bezahlen unser Bildungssytem aber nicht alle Studierenden haben Anspruch auf BaföG. Wir unterstützen den Einzelhandel und die Bauwirtschaft mit unseren Steuergeldern, weil ALG I und ALG II Empfänger Sozialleistungen empfangen, die nur wir als Arbeitnehmer bezahlen. Wer ist hierPrivatwirtschafts

Herr Josef Schmidt

25.08.2014, 13:59 Uhr

Einfach diese Unternehmen boykottieren. Sollen die doch ihren Umsatz dort machen wo sie ihr Gewinn versteuern.

Herr Andreas Glöckner

25.08.2014, 14:09 Uhr

@ Herrn Josef Schmidt

Ja! Mit Pauken und Trompeten: "Nie wieder Burger King, schala lala la; nie wieder Burger King: schaaah lalalalala la." Und so weiter....


Na jedenfalls nicht mit Tristesse. Auf gar keinen Fall.

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