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13.07.2011

08:12 Uhr

Spezial Arbeitsalltag

Wenn es im Urlaub nicht ohne Smartphone geht

Quelle:ZEIT ONLINE

Urlaub ist Urlaub. Wirklich? Jeder zweite Arbeitnehmer liest auch während der Auszeit vom Job seine Mails. Im Interview beschreiben ein Arbeitspsychologe und eine Karriereexpertin, warum das Abschalten so schwer ist.

Auch im Urlaub kommen viele nicht zur Ruhe. Etwa zwei Drittel der Männer nehmen sich keine echte Auszeit, ein Drittel der Frauen hält es ebenso. Sie schalten ihr Handy nicht ab und sind jederzeit erreichbar. Quelle: obs

Auch im Urlaub kommen viele nicht zur Ruhe. Etwa zwei Drittel der Männer nehmen sich keine echte Auszeit, ein Drittel der Frauen hält es ebenso. Sie schalten ihr Handy nicht ab und sind jederzeit erreichbar.

DüsseldorfIst es Leidenschaft für den Job oder schon Arbeitssucht? Jeder zweite Arbeitnehmer ruft im Urlaub berufliche E-Mails ab, jeder dritte führt dienstliche Telefonate – so das Ergebnis einer Umfrage des Software-Anbieters Symantec und des Personaldienstleisters Randstad. Die Männer sind dabei arbeitssüchtiger: Etwa zwei Drittel machen auch im Urlaub via Netzschalte ins Büro keine echte Auszeit, aber nur ein Drittel der Frauen hält es ebenso.

Arbeitsrechtlich ist die Sache jedenfalls klar: Urlaub ist Urlaub. Der Arbeitgeber muss mindestens zwölf zusammenhängende Urlaubstage genehmigen, in denen er nicht verlangen kann, dass der Mitarbeiter erreichbar ist. Doch warum gelingt es so vielen nicht, den Urlaub auch wirklich als Urlaub zu nutzen? Was sind die Gründe für dieses Verhalten – und was können die Auswirkungen sein? Antworten wissen die Karriereexpertin Carola Kleinschmidt, und der Arbeitspsychologe Tim Hagemann.

Die ZEIT: Was verstehen Sie selbst unter dem Begriff Work-Life-Balance?

Tim Hagemann: Ich halte den Begriff eigentlich für etwas irreleitend, weil Arbeit ein Teil des Lebens ist. Generell verstehe ich darunter, einen Ausgleich zu finden zwischen beruflichen und privaten Zielen, zwischen den eigenen Wünschen und denen, die von außen an einen herangetragenen werden, zwischen Phasen der Beanspruchung und der Entspannung. Dies erfordert Reflexion und eine klare "interne Landkarte".

Carola Kleinschmidt: Für mich umschreibt Work-Life-Balance letztlich das Gefühl "Ich habe mein Leben, meinen Alltag, in der Hand" und bestimme aktiv, in welchem Tempo ich durch den Tag gehe, wann ich Pausen mache oder welchen Interessen und Aufgaben ich Priorität gebe. Dabei geht es nicht nur um die Balance zwischen Beruf und Privatleben sondern um ein ausgeglichenes Lebensgefühl.

Welche Rolle spielen moderne Kommunikationsmittel – sind sie Chance für eine bessere Balance, weil Arbeit prinzipiell von überall möglich wird, oder bergen sie eher das Risiko, dass Arbeit rund um die Uhr stattfindet?

Hagemann: Generell sind sie ein Segen, aber wir verfügen nicht über die Kompetenz, um mit Ihnen umzugehen. Wir reflektieren nicht, wie wir sie sinnvoll und zur unserer Entlastung einsetzen wollen. Dadurch entstehen viele sinnlose, redundante Tätigkeiten, ständige Unterbrechungen des Arbeitsflusses und die gefühlte Anforderung einer ständigen Erreichbarkeit. Bei einer guten Medien-und Selbstmanagementkompetenz eröffnen sich aber viele Möglichkeiten einer guten Work-Life-Balance.

Kleinschmidt: Bestimmt haben die modernen Kommunikationsmittel beide Potenziale. Man muss nicht mehr im Büro sitzen, bloß weil noch eine Nachfrage oder ein Auftrag zu erwarten ist. Da kann man auch abends E-Mails checken oder den Anruf auf dem Handy entgegennehmen. Das Problem ist allerdings, dass Erreichbarkeit süchtig machen kann. Studien zeigen, dass wir bei jeder Nachricht emotional stark reagieren. Man fühlt sich gebraucht, gefragt, unabkömmlich. Durch die modernen Kommunikationsmittel gibt es nun die Möglichkeit, dass wir uns diesen Kick überall holen. Man ist zwar körperlich anwesend, aber geistig eigentlich fast immer beim Job. Arbeitgeber finden das vielleicht von Vorteil, aber gesund ist das nicht. Bisher haben wir gelernt, wie wir die moderne Kommunikationsmittel nutzen können. Jetzt müssten wir noch lernen, selbst aktiv zu entscheiden, wann es gut für uns ist und wann nicht.

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