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28.01.2008

11:00 Uhr

Sportartikel

Der tollkühne Schwabe in seiner fliegenden Kiste

VonMartin W. Buchenau und Joachim Hofer

Klaus Lenhart hat Leki mit Nordic-Walking-Stöcken zur erfolgreichen Marke im Sportfachhandel gemacht. Doch der Boom ebbt ab – und Lenhart muss zeigen, ob es ihm weiter gelingt, sein schwäbisches Unternehmen mit technischen Neuerungen auf Kurs zu halten.

Nordic Walking: Der Boom ebbt ab. Foto: dpa dpa

Nordic Walking: Der Boom ebbt ab. Foto: dpa

KIRCHHEIM. Übers Bordmikrofon kündigt Klaus Lenhart die nächste Figur an: „Wir fliegen jetzt senkrecht nach oben, dann schalte ich den Motor ab, und wir kippen zur Seite.“ Seinem Passagier wird angst und bange, die Hände umklammern das dünne Alugestänge am Rumpf des Flugzeugs. Eine Sekunde später zieht der 52-Jährige seine Maschine abrupt in die Höhe. Dann ist es still, der Motor verstummt, ehe die knallrote Extra 300 L von der Erdanziehungskraft eingeholt wird und den Wiesen der Schwäbischen Alb bedrohlich nahe kommt.

Willkommen an Bord bei Klaus Lenhart, Kunstflieger und Chef des Wander- und Skistockherstellers Leki aus Kirchheim/Teck. Gestern Abend feierte der Unternehmer auf der Sportmesse Ispo (bis 30. Januar) in München mit Kunden, Mitarbeitern und Freunden den 60. Geburtstag seiner Firma. Er hat Leki zur erfolgreichen Marke im Sportfachhandel gemacht, und er profitiert vom Boom der Nordic-Walking-Stöcke.

So mancher Besucher der Ispo dürfte sich insgeheim gewundert haben, dass Lenhart das Jubiläum noch erleben durfte angesichts der Kunststücke, die er in seiner kleinen Maschine vollführt. Lenhart selbst wiegelt ab. „Das Fliegen ist mit den Jahren zu einer wunderbaren Werbung für uns geworden“, sagt er, und mit jedem Wort ist seine schwäbische Herkunft zu hören. Schon als 17-Jähriger steigt der gebürtige Stuttgarter ins väterliche Unternehmen ein. Mit 19 rückt der gelernte Werkzeugmacher in die Geschäftsleitung auf. Und er ist noch keine 30, da übernimmt er bereits die Geschäftsführung. Zunächst hängt alles an den Skistöcken. Doch das ändert sich in den 70er-Jahren. Lenhart erinnert sich: „Damals kamen die ersten seltsamen Rückmeldungen aus dem Vertrieb.“ Die Mitarbeiter erzählten, sie würden mehr Leki-Produkte im Sommer als im Winter verkaufen. Für Lenhart eine erstaunliche Nachricht, hatte sich doch sein Unternehmen auf die Herstellung verstellbarer Skistöcke für Skitourenläufer spezialisiert.

Lenhart ist damals klar, dass gelegentlich auch Wanderer einen Skistock kaufen. Aber dass die Nachfrage der Wanderer größer sein sollte als die der Skiläufer? Das kann der Leki-Chef zunächst nicht glauben. Heute sind Stöcke für Wanderer und fürs Nordic Walking mindestens genauso wichtig für das Unternehmen wie das Skigeschäft.

Mehr als 30 Millionen Euro erwirtschaftet Lenhart im Jahr – trotz der Discounter, die immer im Frühjahr die Billigstöcke in die Ramschkisten legen. Bei Lenhart müssen die Kunden tief in die Tasche greifen und bis zu 100 Euro zahlen. Wenn Lenhart seine neuesten Stöcke vorführen kann wie in diesen Tagen auf der Ispo, ist der Tüftler in seinem Element. Seine liebste Übung: Er packt ein Paar Billigstöcke von Aldi oder Lidl aus und lässt sie von einem Kind aus dem Publikum ohne größere Anstrengung durchbrechen. „Klack“, und die Stöcke sind entzwei.

„Die 19,90 Euro werfen Sie lieber aus dem Fenster, da hat zumindest jemand, der sie auf der Straße findet, etwas davon“, hat Lenhart für die Importe aus China bestenfalls sarkastische Töne übrig. Klar, dass es dem Kind anschließend nicht gelingt, die Leki-Stöcke zu zerbrechen.

So selbstbewusst Lenhart auftritt, so umstritten ist er in der Sportbranche. Gerade das Fliegen stößt bei Geschäftspartnern immer wieder auf Kritik. Die gewagten Kunststücke hält Intersport-Chef Klaus Jost für „harten Tobak“. Da das Unternehmen Leki extrem auf seine Person zugeschnitten sei, würde ein Unfall die ganze Firma mit in die Tiefe reißen.

Doch der Chef des größten Sporthändlers in Europa zollt Lenhart auch Respekt: „Er hat den Markt für Trekking- und Nordic-Walking-Stöcke durch seine Innovationen erst gemacht.“ Jost schildert Lenhart „als knallharten Geschäftsmann, der bei Preisverhandlungen um jeden Cent feilscht, typisch schwäbisch eben“.

Der Erfolg im Nordic Walking ist für Leki jetzt auch die größte Herausforderung. Denn der Boom ebbt ab – und Lenhart muss zeigen, ob es ihm weiter gelingt, sein schwäbisches Unternehmen mit technischen Neuerungen auf Kurs zu halten.

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