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22.07.2017

15:30 Uhr

Stadtentwicklung

Wie ein Architekt die Spree für Schwimmer öffnen will

VonMaike Freund

Ob Thurn, Basel oder Zürich: In Schweizer Großstädten gehört das Baden im Fluss zum Alltag vieler Bürger. In Deutschland sind Flüsse dagegen Schiffen vorbehalten. Doch ein Architekt kämpft dafür, dass sich das ändert.

Soll bald für alle möglich sein: Das Baden in der Spree an der Museumsinsel.

Schwimmen in der Spree

Soll bald für alle möglich sein: Das Baden in der Spree an der Museumsinsel.

DüsseldorfDie Aare ist kein sanfter Fluss. Wer in Thun in der Schweiz auf einer der Brücken in der Altstadt steht oder auch im Flussbad, der kann es sehen: Die Strömung lässt das Wasser aufschäumen. Das Wasser wirkt türkisgrün und ist so kalt, dass die Haut prickelt, wenn es sie berührt. Wer sich doch überwindet und hier ins Wasser springt, der wird vom Strom davongetragen, umgeben von pittoresken Altbauten und majestätischen Bergen. Wer den Fluss lässt, der kann es erleben: Dieses unbändige Gefühl der Freiheit.

In der Schweiz gehört Baden in den Flüssen der Städte zur Kultur. Nicht nur in Thun wird das zelebriert, auch in Bern, Zürich oder Basel ist das Baden im Fluss bei Bürgern äußerst beliebt. Was die Schweiz vormacht, soll auch in Deutschland möglich werden. Dafür kämpft der Architekt Jan Eider gemeinsam mit seinem Bruder und einem Team.

Dabei ist Jan Eider gar nicht besonders schwimmbegeistert. Trotzdem findet er, dass die Kultur des Badens wichtig ist. Wichtig für seine Stadt Berlin, wichtig für alle Metropolen. Deshalb kämpft er für ein Flussbad in der Spree, direkt an der Museumsinsel. Denn als Architekt betrachtet er das Baden im Fluss auch unter dem Aspekt der Stadtentwicklung.

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Zwar gibt es keinen spezifisch Berliner, Frankfurter oder Hamburger Baustil mehr – aber typische Käufer. Berliner sind offen für Neues, Frankfurter pragmatisch. Das schlägt sich auch in den Neubauvorhaben nieder.

„Berlin in der Innenstadt rund um die Museumsinsel wird heute durch ein weitgehend homogenes Nutzungsgefüge geprägt“, sagt er. Die Stadt sei hier hübsch und gepflegt, aber es gäbe kaum noch Anziehungspunkte für Berliner. Dass Zentren verwaisen, könne man in vielen Innenstädten beobachten. „Doch Städte leben von ihrer Diversität“, sagt Edler. Von einem Flussbad in der Spree verspricht er sich, Berlins Innenstadt wieder neu zu beleben. „Eine Kontaktfläche für Touristen und Einheimische zu schaffen“, und so die Innenstadt durch eine neue authentische Nutzung anzureichern.

„Schifffahrt, Transport, Fischfang: Heute sind Flüsse in Deutschland unter Verwaltung der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes dem Transport und der Schifffahrt vorbehalten“, sagt Edler. Auch das hält er in Zeiten, in denen auf Flüssen wie der Spree der Warentransport keine wesentliche Rolle mehr spielt und in denen große Städte in Deutschland immer weiterwachsen, für überholt. Das Flussbad würde auch einen Beitrag dazu leisten, die Wasserqualität und den ökologischen Zustand der Spree zu verbessern – wozu das Land Berlin nach EU-Vorgaben sowieso verpflichtet sei.

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