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31.12.2014

14:54 Uhr

Standardbrief wird teurer

Post erhöht Porto zum dritten Mal in Folge

Deutschland mailt, chattet und kommuniziert digital – Briefeschreiben ist out. Der Post bereitet das immer mehr Probleme, die Folge: Im Januar steigt das Porto abermals. Doch das lässt die Postkunden weitgehend kalt.

Das dritte Jahr in Folge erhöht die Deutsche Post das Porto für einen Standardbrief. dpa

Das dritte Jahr in Folge erhöht die Deutsche Post das Porto für einen Standardbrief.

BonnWerden da Briefeschreiber geschröpft, höhere Kosten auf die Postkunden abgewälzt oder ist es nur ein Ausgleich für die Mini-Inflation? So oder so - ab dem 1. Januar müssen alle Briefe bis 20 Gramm (Standardbrief) mit einer Marke von 62 Cent frankiert werden. Nach dem Motto „alle Jahre wieder“ erhöht der Branchenprimus Deutsche Post zum Jahreswechsel das Porto für den Standardbrief - zum dritten Mal in Folge: Erst von 55 Cent auf 58, dann auf 60 und nun auf 62 Cent. Damit ist der Preis innerhalb von drei Jahren um 12,7 Prozent gestiegen.

Die Deutsche Post begründet den Anstieg vor allem mit hohen Personalkosten und Investitionen in den Ausbau der Logistik. Den Vorwurf, Briefeschreibern ein überteuertes Porto abzuknöpfen, wie die Wettbewerber des gelben Riesen meinen, weist das Unternehmen zurück. „Im europäischen Vergleich ist das Briefporto der Post immer noch günstig“, betont ein Konzernsprecher. Nach Berechnungen des Unternehmens ist Deutschland innerhalb der EU sogar erst im hinteren Mittelfeld zu finden.

Als „unverhältnismäßig, unnötig und willkürlich“ brandmarkt dagegen der Bundesverband Paket und Expressdienstleistungen (BIEK), Sprachrohr der Postkonkurrenten, den erneuten Preisaufschlag beim Standardbrief. Durch die Anhebung könne die Deutsche Post das Paketgeschäft quersubventionieren und verzerre so den Wettbewerb zu Lasten der Paketdienster und der Verbraucher, heißt es bei dem Verband.

Tatsächlich liegen bei den Konkurrenten der Post die Preise für die Briefzustellung zum Teil deutlich unter dem Porto des Marktführers. Der ist aber anderes als jene bei der Preisgestaltung nicht frei, sondern muss sich Portoanpassungen im Rahmen fester Vorgaben genehmigen lassen.

Ende November hatte die Bundesnetzagentur den Antrag der Post erwartungsgemäß abgesegnet. Was bei der jetzigen Preisrunde oft unter den Tisch fällt: Die Bonner haben nicht nur die Preis erhöht, sie werden sie zum Teil auch absenken: So für den schwereren Kompaktbrief bis 50 Gramm von 90 auf 85 Cent.

Stärken und Schwächen Deutsche Post

Stärke: Profitabilität

Alle Sparten der Deutschen Posten arbeiten profitabel. Für 2013 rechnet Konzern-Chef Appelt mit einem Gewinn von 2,7 bis 2,95 Milliarden Euro. Besonders stark ist das Briefgeschäft, das 2012 gut ein Drittel am Gewinn ausmachte.

Stärke: Monopol-Stellung im Briefmarkt

Die Post hält 90 Prozent Marktanteil im deutschen Briefgeschäft. Damit ist sie unangefochten die Nummer eins. Das Briefgeschäft soll 2013 zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden Euro Gewinn abwerfen.

Stärke: Paket-Geschäft

Die Post ist zwar Marktführer im Briefgeschäft, doch da immer mehr Privat- und Geschäftsleute die elektronische Kommunikation per E-Mail vorziehen, schrumpft der Markt für Papierbriefe seit 2000 stetig. Dafür läuft das Geschäft mit der Paketzustellung dank Internethandel umso besser. Millionen von Kunden bestellen Päckchen online – und schicken sie deutlich öfter als den Versandhändlern lieb ist wieder zurück.

Schwäche: E-Postbrief

Um der Abwanderung der Briefkunden ins Internet nicht tatenlos zuzusehen, startete die Deutsche Post im November 2010 den „E-Postbrief“ - eine rechtsverbindliche, vertrauliche und sichere Form der E-Mail, für die Nutzer 55 Cent pro Sendung zahlen sollen. Der E-Postbrief lässt sich außerdem ausdrucken und per Briefträger zustellen. Bislang nutzen ihn rund eine Millionen Privatkunden, 4000 Mittelständler und 150 Großkunden - deutlich weniger erhofft.
Auch beim elektronischen Briefverkehr der Bundesbehörden kam die Post nicht zum Zug. Diese elektronische Nachrichten müssen nach dem De-Mail-Standard verschlüsselt sein, den die Deutsche Telekom und 1&1 anbieten.

Schwäche: Cashflow

Obwohl die Post 2012 deutlich mehr Gewinn machte als im Vorjahr, wuchs die Nettoverschuldung auf rund zwei Milliarden Euro. Der Grund: Die Post musste Pensionsverbindlichkeiten von rund zwei Milliarden Euro finanzieren. Hinzu kam eine Umsatzsteuernachzahlung in Höhen von 482 Millionen Euro sowie eine Beihilferückforderung von rund 300 Millionen Euro. Die Beihilfen hatte der Staat nach der Post-Privatisierung für Beamtenpensionen gewährt, doch die EU-Kommission hielt sie für zu hoch.
In den ersten sechs Monaten des Jahres hat die Post ihren Cashflow gegenüber dem Vorjahr jedoch deutlich verbessert. Er stieg von -767 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2012 auf 99 Millionen Euro in 2013. Die Nettoverschuldung ist allerdings auf 2,8 Milliarden Euro gestiegen.

Schwäche: Teilweise ungedeckte Pensionsverpflichtungen

14,7 Milliarden Euro Pensionsverpflichtungen kommen auf die Post zu, mehr als 2,5 Milliarden Euro sind nicht gedeckt. Das heißt diese Summe ist weder in der Bilanz erfasst noch durch externes Fondsvermögen abgedeckt.

Schwäche: Hohe Konzernkosten

Rund 400 Millionen Euro kosten den Konzern sein Headquarter jährlich. Analysten halten die hohen Kosten für eine Erbschaft des ehemaligen Staatsunternehmens, das einst von Beamten geführt wurde. Zum Vergleich: Der Logistikkonzern Kühne + Nagel begnügte sich mit Verwaltungsaufwendungen von rund 110 Millionen Euro.

Chance: Einstieg im Fernreise-Markt

Zusammen mit dem ADAC startete die Post am 1. November 2013 den ADAC Postbus. Das neue Fernbusangebot soll schrittweise zu einem deutschlandweiten Netz ausgebaut werden. Bis zum Frühjahr 2014 will die gemeinsame Betreibergesellschaft rund 60 Fernbusse einsetzen und 30 deutsche Städte anfahren. Tickets gibt es über das Internet und in 5000 Postfilialen und ADAC-Geschäftsstellen.

Quelle: WiWo.de

Viele Jahre hatte der gelbe Riese, der im Briefbereich nach Angaben der Bundesnetzagentur immer noch ein Marktanteil von 90 Prozent hält, das Porto für den Standardbrief nahezu unverändert gehalten. Aufgefangen wurden in dieser Zeit höhere Kosten allein durch eine bessere Produktivität. So hat das Unternehmen erheblich rationalisiert. Bis 2012 flossen rund 400 Millionen Euro in moderne Sortieranlagen. Doch die Reserven sind nahezu ausgeschöpft.

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